Renaissancebauten in Deutschland
Süddeutschland
und Österreich wurden Ende des 16. Jahrhunderts zu
Zentren
der Spätrenaissance (Manierismus). Man baute, im Gegensatz zur
Gotik, keine Burgen mehr, man baute
- Fürstensitze,
- Schlösser, später auch
- Bürgerhäuser.
Zeugnis von manieristischer Baukunst legen u.a. die Stallburg (um 1558-1569)
und die Amalienburg (1605 vollendet von PIETRO FERRABOSCO) der
Wiener
Hofburg ab. In Deutschland ist
München
Zentrum des Manierismus:
- Jesuitenkirche St. Michael, 1583-1597,
Architekt war FRIEDRICH SUSTRIS.
Von CHRISTOPH SCHWARZ stammt das Hochaltargemälde "Sieg des
Erzengels Michael über Luzifer" 1587-1588.
PETER DE WITTE (PETER CANDID) malte den "Martertod der heiligen
Ursula", 1588 und die "Verkündigung", 1587.
HANS VON AACHEN steuerte die "Kreuzigung" in der Kreuzkapelle
bei (um 1588).
ANTONIO MARIA VIVIANI DA URBINO malte die Altarblätter "Opfer
des Alten Bundes", 1588-1589, "Opfer des Neuen Bundes",
1588-1589, sowie "Peter und Pau", 1587-1588.
- Münchner Residenz, 1607-1619 (Bild 1).
Hier befindet sich mit dem Antiquarium
der größte profane Renaissancesaal nördlich der Alpen.
Der heutige Bau geht auf eine 1385 erbaute Wasserburg zurück.
Kurfürst MAXIMILIAN I. ließ 1611-1616 die Westfassade
der Münchner Residenz mit imposanter Schaufassade errichten. Das
Besondere an der Fassade ist, dass die Architekturgliederung lediglich
aufgemalt ist. Verziert wird sie außerdem durch einige Skulpturen,
so u.a. von HANS KRUMPERs Statue der "Patrona Boiariae" (1614).
Des weiteren sind einige Bronzeplastiken an der Fassade angebracht.
In Norddeutschland fielen
die Bauten der Renaissance wesentlich bescheidener aus. Die Architektur
folgte nicht der besonderen Strenge italienischer Architektur hinsichtlich
der Antike als Vorbild. Impulsgeber für die norddeutsche Renaissance
war der Holländer HANS VREDEMAN DE VRIES (1526-1609).
Weserrenaissance
Im Weserraum entwickelte sich die sogenannte Weserrenaissance
(1520-1620). Häuser wurden in Steinbau- und Fachwerkbauweise
errichtet.
Kennzeichen der Weserrenaissance:
- "Welsche Giebel" (Giebel
mit geschweifter Form) nach italienischem Vorbild,
- Kerbschnitt-Bossensteine (Quader
mit gleichförmigen, kerbenartigen Ornamenten),
- Fächerrosetten (Halbkreise
mit Fächerornamenten),
- Streifenputz (Putz in rautenförmiger Schraffur),
- "Utlucht" (Auslucht,
erkerartiger Vorbau des Erdgeschosses bzw. mehrerer Geschosse, ebenerdig
beginnend).
Renaissance im Ostseeraum
Bauten der Renaissance
im Ostseeraum finden sich in Rostock (Bild 2), im Güstrower Schloss,
das ab 1558 als repräsentative Residenz Herzog ULRICHs VON MECKLENBURG
begonnen wurde, sowie in Wismar.
1553 ließen die mecklenburgischen Herzöge
in der Hansestadt den
Fürstenhof
(Bild 3) im Stil der italienischen Renaissance nach dem Vorbild des Palazzo
Roverella in Ferrara/Italien als Sommerresidenz errichten. Die Fassade wurde
mit halbplastischen Terrakottaplatten versehen. Figürliche Friese trennen
die drei Geschosse, die Friese der der Straße zugewandten Seite erzählen
Geschichten aus dem Trojanischen Krieg, die der Hofseite zeigen das Gleichnis
vom verlorenen Sohn. Das Eingangsportal aus dänischem Sandstein ist
mit damals beliebten grotesk-figürlichen Darstellungen versehen. Der
Fürstenhof ist - so heißt es - das
nördlichste
Renaissanceschloss Europas.
Von 1580 bis 1602 wurde die
"Wasserkunst" (Bild 4) nach den Plänen des Utrechter
Baumeisters PHILLIPP BRANDIN (um 1530-1594) im Stil der holländischen
Renaissance errichtet. Das pavillionartige Bauwerk - das bis 1897 die
Wasserversorgung der Stadt sicherte - hat einen regelmäßigen
zwölfeckigen Grundriss. Die zwölf Hermen - Pfeilerschäfte,
die mit reliefartigen Kalksteinfiguren geschmückt sind - tragen
ein geschwungenes kupfernes Glockendach mit sechseckiger Laterne.
Das als Wohn- und Brauhaus errichtete
"Schabbellhaus"
(1569-1571, Backstein mit Sandsteinelementen) nach Plänen PHILIPP BRANDINs
ist eines der frühesten und bedeutendsten bürgerlichen Renaissancebauten
Mecklenburgs sowie des gesamten Ostseegebiets. Die zweigeschossigen Straßenfronten
sowie der um vier Geschosse aufgestockte geschweifte Beschlagwerkgiebel
mit kannelierten Pilastern bestehen aus rotem Backstein, der durch weißen
Sandstein eingefasst ist. Als Impulsgeber für BRANDINs Bau (vor allem
des Giebels) gilt der Holländer HANS VREDEMAN DE VRIES.