
Revolutionsarchitektur - eine
utopische Architektur?
Die Entwürfe einer Gruppe von französischen Baumeistern aus
den Jahren vor, während und nach der Revolution werden unter dem
Begriff Revolutionsarchitektur
erfasst. Die damals technischen Möglichkeiten ließen in den
meisten Fällen keine Realisierung zu.
In ihrer steinernen Riesigkeit sind sie utopisch,
verraten aber ein unerschütterliches Vertrauen in die menschliche
Erfindungskraft. Aber es waren nur wenige überhaupt zur Verwirklichung
bestimmt.
So LOUIS-ETIENNE
BOULLÉEs (1728-1799)
Projekt von 1784 für einen Kenotaph
(Kenotaph: leeres Grabmal zur Erinnerung
an einen Toten, der an anderer Stelle begraben ist)
für den damals geradezu kultisch verehrten englischen Naturforscher
ISAAC NEWTON
(1643-1727), den Entdecker des Gravitationsgesetzes: In und über
einem mächtigen zylindrischen Unterbau sollte sich eine Weltkugel
runden (Innendurchmesser ca. 120 m, Bild 1). Nur zwei geometrische Grundformen,
dazu spartanisches Dekor, höchste Simplizität bei herrischer
Größe - dieses Werk sollte der Geistigkeit eines einzelnen
Menschen ein großes Zeichen und Denkmal setzen, er wäre hier
"vergöttert" worden.
Außerhalb Frankreichs entstanden nur ganz wenige Bauten der Revolutionsarchitektur.
Ein gelungenes Beispiel hat sich in Würzburg
erhalten: Das ehemalige Frauenzuchthaus (heute Jugendklub) von PETER
SPEETH (1772-1831) von 1809.
Die eigentliche Kunst der Revolution zeigen z. B. die Gemälde von
JACQUES-LOUIS DAVID. Er gestaltete neue Inhalte mit traditionellen Mitteln.