Kunst
Revolutionsarchitektur
Kenotaph für ISAAC NewtonGebäude der königlichen Saline

Revolutionsarchitektur - eine utopische Architektur?
Die Entwürfe einer Gruppe von französischen Baumeistern aus den Jahren vor, während und nach der Revolution werden unter dem Begriff Revolutionsarchitektur erfasst. Die damals technischen Möglichkeiten ließen in den meisten Fällen keine Realisierung zu.
In ihrer steinernen Riesigkeit sind sie utopisch, verraten aber ein unerschütterliches Vertrauen in die menschliche Erfindungskraft. Aber es waren nur wenige überhaupt zur Verwirklichung bestimmt.
So LOUIS-ETIENNE BOULLÉEs (1728-1799) Projekt von 1784 für einen Kenotaph (Kenotaph: leeres Grabmal zur Erinnerung an einen Toten, der an anderer Stelle begraben ist) für den damals geradezu kultisch verehrten englischen Naturforscher ISAAC NEWTON (1643-1727), den Entdecker des Gravitationsgesetzes: In und über einem mächtigen zylindrischen Unterbau sollte sich eine Weltkugel runden (Innendurchmesser ca. 120 m, Bild 1). Nur zwei geometrische Grundformen, dazu spartanisches Dekor, höchste Simplizität bei herrischer Größe - dieses Werk sollte der Geistigkeit eines einzelnen Menschen ein großes Zeichen und Denkmal setzen, er wäre hier "vergöttert" worden.

Das Werk CLAUDE-NICOLAS LEDOUX
Ein anderer wichtiger Vertreter der Revolutionsarchitektur ist CLAUDE-NICOLAS LEDOUX (1736-1806). Er entwarf die ab 1785 gebauten Wach- und Zollhäuser von Paris, eine Kette von fast 60 Gebäuden, von denen nur vier erhalten sind. Die anderen wurden bereits im Juli 1789 im ersten Ansturm der Revolution dem Erdboden gleichgemacht.
In der erhaltenen "Barrière de la Villette" (Place Stalingrad) erkennt man das Werk von LEDOUX in seiner reinsten Form. Schwere Hausteine verleihen dem über quadratischem Grundriss errichteten Untergeschoss eine machtvolle Ruhe. Ohne Übergang entwickelt sich aus diesem Block der Zylinder einer fast schmucklosen Rotunde als Umgang mit dorischen Säulen, die hart eingeschnittene Rundbögen tragen.
LEDOUX' Idealplan einer Fabrikstadt für die "Saline Royale" (Königliche Fabrik zur Salzgewinnung, Bild 2) in Arc-et-Senans, der zwischen 1775 und 1779 etwa zur Hälfte ausgeführt wurde, zeigt eine kreisförmige Anlage. In der Mitte das Haus des Direktors, links und rechts davon die Sudhäuser mit Verwaltungsbauten und Beamtenwohnungen, dann der Ring der Werkstätten und Wohnungen der Handwerker, von wo Gärten bis zur abschließenden Umfassungsmauer führen. Alles in elementaren, wuchtig rustizierten Formen. Die Saline konnte nicht in Betrieb genommen werden, da die Salzquelle versiegte.

Außerhalb Frankreichs entstanden nur ganz wenige Bauten der Revolutionsarchitektur. Ein gelungenes Beispiel hat sich in Würzburg erhalten: Das ehemalige Frauenzuchthaus (heute Jugendklub) von PETER SPEETH (1772-1831) von 1809.
Die eigentliche Kunst der Revolution zeigen z. B. die Gemälde von JACQUES-LOUIS DAVID. Er gestaltete neue Inhalte mit traditionellen Mitteln.

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