Kunst
Römische Architektur
Das Pantheon in RomDie gewaltige Kuppel des PantheonKonstantinsbogenTitusbogenTrajanssäulePorta NigraHadrians-MausoleumGrundriss einer BasilikaHadriansvilla bei TivoliAquädukt (Pont-du-Gard) bei NimesVia appiaThermen-Anlage in TrierReste des Amphitheaters in TrierKolosseum in RomKirche Sant' Apollinare

Grundzüge römischer Architektur
Noch heute lässt sich die römische Architektur an zahlreichen Überresten römischer Bauten bewundern. Ein klares Bild der Bauweise vermitteln die Aufzeichnungen des römischen Architekten VITRUV („Zehn Bücher über Architektur", lat.: („De architectura libri decem“) aus dem 1. Jh. v. Chr. Daraus geht hervor, dass für die Ausprägung der Architektur politisch-militärische und repräsentative Gründe von Bedeutung waren.
Grundzüge römischer Architektur waren Symmetrie, Axialität, Richtungsbezogenheit und ein großzügiges Raumgefühl. Als Bauaufgabe traten neben Tempel und Kultbauten zunehmend Bürger- und Kommunalbauten. Die erhaltenen Tempel stammen vorwiegend aus der Kaiserzeit.

Tempelbauten und Triumphbögen
Römische Tempelbauten standen auf einem 1 bis 4 m hohen Unterbau mit einer Freitreppe zwischen Mauerwangen (Podiumstempel). Während bei griechischen Tempeln die Säulen als tragendes Bauglied für die lastenden Teile eine wichtige Rolle spielten, gewann bei den Römern die Wand als Raumschale Vorrang. Die Podiumstempel besaßen nur an der Vorderseite Säulen und damit eine "Schauseite". An den Längsseiten waren Halbsäulen lediglich vorgeblendet und teilten sich mit der Mauer die Stützfunktion (z. B. Maison Carrée in Nimes, 1. Jh. n. Chr.). Bevorzugt gebaut wurde zunächst mit etruskisch-toskanischen und korinthisch-griechischen Säulen. Später entwickelte man eine eigenständige römische Kompositordnung.
Es waren auch Rundtempel mit einer einfach umlaufenden Säulenhalle (Monopteros) verbreitet. Der größte antike Kuppelbau war das römische Pantheon (118-128 n. Chr, Bild 1 und 2). Mit der Anwendung des Gussmauerwerkes war das möglich geworden. Als Baumaterial wurde meistens Marmor verwendet, nur das Dach und die Treppen wurden aus Granit gebaut. Eine riesige Treppe, die in das Innere des Tempels führt, ist das Merkmal jedes römischen Tempels.
Für große Feldherren und Kaiser wurden Ehrenmonumente meist in Form von Triumphbögen errichtet. Diese Bögen zählen zur Repräsentationsarchitektur. Der Triumphbogen war ein einfacher Torbau mit einem oder drei Durchgängen und häufig mit größeren Skulpturengruppen gekrönt. In der Kaiserzeit wurden die Triumphbögen aufwendiger gestaltet, mit Relieftafeln versehen.
In der Nähe des Kolosseum befindest sich einer der am besten erhaltenen Triumphbögen, der Konstantinsbogen (Bild 3). Zur Verzierung wurden korinthische Säulen verwendet. Er wurde 312 n. Chr. vom römischen Senat zur Erinnerung an den Sieg KONSTANTINs über MAXENTIUS in der Schlacht bei Ponte Milvio errichtet.
Auf dem Forum Romanum befindet sich der Titusbogen (Bild 4), der von DOMITIAN zu Ehren der Kaiser VESPASIAN und TITUS, die im Krieg gegen die Juden siegreich gewesen waren, um 81 n. Chr. errichtet wurde. Bis heute wird der Bogen von keinem Juden passiert.
Auch außerhalb Roms wurde eine Vielzahl von Triumphbögen gebaut, wie der mit 14 Tafeln zu Ehren TRAJANs in Benevento (um 114 n. Chr.) erbaute und der Tiberiusbogen um 25 v. Chr. in Orange.

Neben den Triumphbögen wurden auch Siegessäulen und Altäre errichtet. Die Siegessäulen waren meist in Form von Obelisken mit gewundenen Relieffriesen gestaltet. Die Architekten APOLLODOS und DAMASKUS errichteten um 113 n. Chr. auf dem Trajansforum (Bild 5) in Rom die erste und größte Säule dieser Art.

Stadtplanung
Neben den öffentlichen Bauten wie Tempel, Foren, Thermen, Toranlagen (Porta Nigra in Trier, 2.-4. Jh. n. Chr., Bild 6), genormten Militärcastellen usw. wurde mit der Verfeinerung der Sitten größerer Wert auf Verschönerung im privaten Bereich gelegt. Städtische und ländliche Häuser, die um einen zentralen offenen Raum (Atrium) angeordnet oder zusätzlich mit einer Säulenhalle (Peristyl) gebaut waren, Villen und Kaiserpaläste entstanden (Domitianspalast in Rom, 80 n. Chr.). Die Außenmauern verkleidete man seit der frühen Kaiserzeit mit Marmor, Innenwände mit Putz oder Stuck.

Auch die römische Grabarchitektur (Engelsburg/Hadrians-Mausoleum, 139 n. Chr., Bild 7) und besonders die Rundgräber (Augustus-Mausoleum, 28 v. Chr.), erfüllten als Repräsentationsbauten wichtige architektonische Aufgaben im Stadtbild.
In der Kaiserzeit begann man, die alten Foren umzugestalten (Forum Romanum, Kaiserforen in Rom; seit 42 v. Chr.-ca. 110 n. Chr.). Die Stadtzentren wurden seit AUGUSTUS zu großen geschlossenen Freiraumanlagen mit axialer Ausrichtung auf einen Podiumstempel, mit Basilika und Stoa. Die Bauten bekamen monumentale Schauseiten durch eine ausgebildete Fassadenarchitektur.
Während der späten Römischen Republik setzte die eigentliche Stadtplanung ein. Ältere Städte, wie Rom, bestehen aus einem Netz verwinkelter Straßen, die sich unkontrolliert in die Breite ausdehnen.

Planmäßig angelegte Straßen folgen einem annähernd rechten Grundriss. Als Vorbild diente das römische Militärlager. Die Stadt wurde in quadratische Viertel geteilt und mit einer Stadtmauer umgeben. Das Forum bildete an der Kreuzung der beiden Hauptstraßen den Mittelpunkt. (Forum: Markt- und Versammlungsplatz in den römischen Städten.) Um diesen Platz waren Ladenreihen, öffentliche Gebäude, Tempel und die Basilika gebaut. Bereits Anfang des 2. Jh. v. Chr. wurde auf dem Forum Romanum die erste Basilika gebaut. Die einzige frühe Basilika aus dem Ende des 2. Jh. v. Chr. blieb in Pompeji erhalten.

Der Normaltyp der Basilika (lat. "königliche Halle") wurde im Innenraum von umlaufenden Säulen- oder Pfeilerreihen in drei oder mehr Schiffe geteilt - einen großen, breiten Mittelraum und schmalere seitliche Umgänge (Bild 8). Das Mittelschiff, meist zweistöckig, sorgte durch hoch angebrachte Fenster für ausreichende Beleuchtung. Ein Podium war möglicherweise für Börsengeschäfte, Versteigerungen und Gerichtsangelegenheiten vorgesehen. Üblich waren flach gedeckte und eingewölbte Basiliken.

Straßenbau
Über den gestampften Boden wurde ein festes Steinfundament aus groben Steinen mit einer abschließenden Querschicht gelegt. Darauf kamen mehrere Schichten aus kleineren Steinen in gröberer und feinerer Schüttung. Vor allem auf den wichtigsten Strecken wurde dieses Fundament mit einer Schicht aus Kopfsteinpflaster oder Pflastersteinen abgeschlossen. Die Straßen waren mit einem gut funktionierenden Entwässerungssystem in Form seitlich angebrachter Regenrinnen ausgestattet.

Straßen wurden zunächst für militärische Zwecke gebaut; sie sollten eine rasche Verlegung der Legionen sichern, kamen aber auch dem Handel zugute. Die älteste noch erhaltene Straße ist die Via appia, benannt nach dem Zensor APPIUS CLAUDIUS CAECUS. Der Bau begann 312 v. Chr.; die Straße erreichte eine Gesamtlänge von 240 km (Bild 11).

Diese Bauwerke konnte man nun unabhängig von Geländeformationen frei in die Ebene bauen. In den Unterbauten der elliptischen Amphitheater waren u. a. auch unterirdische Anlagen für die Tier- und Gladiatorenkämpfe untergebracht.
Als größtes Amphitheater der antiken Welt baute man das "Flavische Theater" in Rom, das sogenannte Kolosseum mit 50 000 Sitzplätzen (79-80 n. Chr., Bild 14).

3) Gussmauerwerk (Opus caementicum): Gemisch aus kleinen Steinen, Sand, Kalk und Wasser. Zur Herstellung dieses "Betons" wurde eine Holzverschalung benutzt, in die man die nasse Masse hineingoss und die Schalung nach dem Trocknen entfernte.
Kirchenbau nach Anerkennung des Christentums
Nach der Anerkennung des Christentums durch Kaiser KONSTANTIN im Jahr 313 n. Chr. wurden im ganzen Reich und nach der Teilung in beiden römischen Reichen Kirchen gebaut. Dafür erfolgte die Wahl des Typs der profanen dreischiffigen Basilika. Die frühchristlichen Basiliken besaßen alle einen offenen Säulenhof (Atrium oder Paradies, häufig mit Brunnen) oder eine offene Vorhalle (Narthex), von denen man in den sakralen Kirchenraum gelangte. Dieser bestand aus einem hohen Mittelschiff mit Fenstern (Obergaden) über dem Dachansatz der niedrigeren Seitenschiffe. In der dem Haupeingang gegenüberliegenden Apsis4) befanden sich der Bischofsstuhl (Cathedra) und die Priesterbank, vor der Apsis meist der Altar (Sant' Apollinare in Classe, Ravenna, um 549 n. Chr., Bild 15). Im Mittelalter wurde dieser Bautyp zum bestimmenden Element des europäischen Kirchenbaus.

4) Apsis, griech. "Bogen": Meist im Grundriss halbkreisförmiger, mit einer Halbkuppel überwölbter Raum, der einem Hauptraum (Kirchenschiff, Chor) zugeordnet ist, z. T. mit Mosaikschmuck in der Halbkuppel.
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