Auch in der Malerei
herrschte zunächst der griechische Einfluss vor. Eine spezifisch römische
Seite fand seit dem 3. Jh. v. Chr. in den sogenannten
"Triumphalgemälden"
ihre Ausprägung. Zur Ehrung siegreicher Feldherren führte
man Bilder als volkstümliche Berichterstattung in den Triumphzügen
mit und stellte sie anschließend öffentlich aus. Leider sind
diese Gemälde nicht erhalten und nur in der antiken Literatur bezeugt.
Mit
Wandmalereien
und bemaltem Stuck schmückte man die Fassaden und Innenräume von
öffentlichen Gebäuden, Grabbauten, Palästen und Villen. Dabei
wurde eine gemischte Technik angewandt: Man malte
- auf den noch feuchten Putz (Fresko) und
- auf den schon getrockneten Putz (Secco,
vgl. Bild 1).
Aus den erhaltenen Malereien der vom Vesuvausbruch verschütteten
Wohnhäuser und Villen Pompejis
und Herkulaneums kann man vier Stile
der römischen Innendekoration ableiten.
Vier Dekorationsstile
der Wandmalerei
Der früheste, sogenannte
"Inkrustationsstil"
oder
"erste Stil" (120 v. Chr.-80 v. Chr.),
imitierte architektonische Wandverkleidungen aus kostbaren Materialien.
Dieser Stil war hellenistisch. Es wurde eine aus Steinquadern gefügte
Wand nachgeahmt, indem plastischer Wandverputz (Stuck) aufgesetzt und bemalt
wurde.
Das System der griechischen Architektur wurde für die Malerei des ersten
Stiles übernommen:
- Sockel,
- hohe rechteckige Mittelzone,
- durchlaufende Zone.
Im späten Abschnitt des ersten Stiles wird die Wand nur noch mit
dem Pinsel bemalt, d. h. ohne Stuck versehen (Bild 1).
Der
"zweite Stil"
(80-15 v. Chr.), auch
"Architektur-
oder Illusionsstil", brachte
als Neuerung die illusionistische Erweiterung des Raumes mithilfe perspektivischer
Mittel. Hier werden hellenistische Bühnenprospekte nachgeahmt. Zwischen
gemalten Architekturelementen öffnete sich die Wandfläche scheinbar
und gab den Blick auf Landschaft oder andere Architekturen frei (Haus der
Livia, 36-37 v. Chr.)
Ein
dreidimensionaler
Effekt wurde durch die Licht- und Schattendarstellungen hervorgerufen.
Daneben gab es wandfüllende
Figurenmalerei
("Mysterienvilla" in Pompeji, um 50 v. Chr., Bild 2).
Attribute des
Dionysos-Kultes,
Masken, Statuen, menschliche Gestalten, Vögel, Girlanden, Gefäße
mit Früchten und Blumen entziehen sich bis heute genauen inhaltlichen
Deutungen. Während die Sockelzone meist in dunklen Tönen gehalten
wird, ist die Mittelzone stets hell. Es dominiert die Farbe Rot, die Architekturelemente
sind goldgelb oder cremefarben. Blau und Grün sind ergänzende
Farben für Details.
Augusteische
Kulturvorstellungen prägten die Malerei des
"dritten
Stils" (15 v. Chr-63 n. Chr.), die
kleinere figürliche oder landschaftliche Szenen zeigt, in Rahmen, die
mit kräftigen Farben aus abstrakten, geometrischen oder botanischen
Mustern bestanden (Villa Imperiale in Rom, um 15 v. Chr., "Haus
der vergoldeten Amoretten" in Pompeji, um 43 n. Chr.).
In die dargestellten Landschaften werden mehr und mehr mythologische Staffagen
eingefügt, wodurch der Ausblick immer mehr zum Anblick wird. Die architektonischen
Strukturen werden durch leicht fantastische Formen aufgehoben (Bild 3).
Die Säulen erhalten z. B. Pflanzen- und Stängelform oder
werden durch
Kandelaber (1) ersetzt.
Die Wand kommt wieder als Fläche zur Geltung.
(1) Kandelaber, lat. = candelabrum, von candela,
"Wachsschnur" sind mehrflammige Kerzenständer.
In der zweiten Phase des dritten Stils (unter Kaiser CLAUDIUS
41-54 n. Chr.) setzt sich ein
barockisierender
Stil durch (Bild 4). So treten konkave und konvexe Elemente auf,
Bildformen sind oval oder rund.
Der "vierte
Stil" (63 -79 n. Chr.)
ist der komplexeste Stil. Es erscheint die Architektur nun als Bühnenraum
für szenische Darstellungen aus der Mythologie. Die plastische Malerei
der Figuren, eine räumliche Behandlung in mehrfacher Tiefenstaffelung,
die Dramatik des Momentes und eine dekorative erotische Behandlung der
Körper bildeten das spezifisch Römische dieses Stils (Pompeji, um 70 n. Chr., Bild 5).
Seit dem 2. Jh. n. Chr. bahnte sich ein flächig linearer
Stil an, der unter anderem das frühchristliche Mosaik
vorbereitete.
Auch die frühen Christen pflegten die Wandmalerei schon zur Zeit
der Christenverfolgung in ihren Privatgemächern und in unterirdischen
Grabanlagen, den Katakomben. Wie in
Architektur und Skulptur folgten sie auch in Malerei und Mosaik der Gestaltungsweise
des "heidnischen Roms" und benutzten diese zur Darstellung biblischer
Szenen.
Römische
Porträtmalerei
Weniger gut ist die
Porträtmalerei
dokumentiert (Bild 6). Am besten lässt sie sich anhand von hölzernen
Tafeln, die in Ägypten gefunden wurden, zurückverfolgen. Die verwendete
Maltechnik nennt man
Enkaustik (= Wachsmalerei,
vom griechischen Wort
enkauston bzw. von
enkaio
= "dem Feuer ausgesetzt"). Es wurden Farbpigmente mit heißem
Wachs auf die Holztafeln aufgetragen. Aus dieser Zeit ist besonders das
Kaiserporträt des LUCIUS SEPTIMUS SEVERUS mit seiner Frau und den beiden
Söhnen bekannt.