Römische
Plastik nach griechischem Vorbild
Die griechische Skulptur wurde im Römischen Reich hoch geschätzt
und bewundert. Für Kultbilder und Giebelschmuck der Tempel verwandte
man häufig griechische Originale oder kopierte sie. Formverwandte griechische
Idealplastiken zierten auch
als Götterbildnisse und allegorische Statuen die Bibliotheken, Paläste,
Thermen und Nymphäen (Brunnenanlagen).
Unter AUGUSTUS verwendete man für
Kultbilder
meist griechische Originale. Götterbilder standen in Tempeln, mythologische
und allegorische Statuen in Bibliotheken, Palästen, Nymphäen und
Thermen.
Ehrenstatuen, die auf Foren und in Basiliken Aufstellung fanden, sollten
eine individuelle Person sachlich wiedergeben, wobei das Hauptaugenmerk
dem Kopf galt. Die Köpfe der Statuen wurden gesondert gearbeitet. Das
Porträt war von vornherein
als Büste konzipiert.
Das Porträt
Im Verlauf der Jahrhunderte wandelte sich die Auffassung vom Bildnis mehrmals.
Die Wurzeln dieser Kunst lagen in der
Ahnenverehrung.
In diesem Zusammenhang war es Sitte, Wachsmasken von den Toten abzunehmen
und diese Masken im Haus aufzustellen. Bereits in der Zeit der
römischen
Republik gelangen mit der Ersetzung des Wachses durch dauerhaftere
Materialien realistische Abbilder von Personen. Die
Porträts
aus dieser Zeit betonen das Individuelle durch Derbheit und charaktervolle
Unverfälschtheit (JULIUS CÄSAR, 40-30 v. Chr.;
POMPEJUS MAGNUS, um 50 v. Chr., Bild 1).
Seit AUGUSTUS erhielten
Repräsentationsstatuen,
die zwar bekleidet aber nach griechischem Vorbild im Kontrapost und
typisiert gearbeitet wurden, nur individuelle Porträtköpfe (Panzerstatue
des AUGUSTUS, um 19 v. Chr., Bild 2). Der Staat beeinflusste
eine Denkmalkunst, in der Typen klassizistisch-idealer Kaiserporträts
mit pathetischen oder auch realistischen wechselten. Als Kopien in allen
Teilen des Großreiches verbreitet, war der Begriff einer
"Reichskunst"
gerechtfertigt.
Während sich Porträts in augusteischer Zeit an die alterslose
Auffassung der griechischen Klassik anlehnten, wurden ab der 2. Hälfte
des 2. Jh. wieder realistischere Physiognomien gestaltet. Im 3. Jh.
folgten Charakterbildnisse, die auch Verzerrungen nicht scheuten. Die
Bildniskunst wandelte sich mit der jeweiligen Auffassung kaiserlicher
"Selbstdarstellung"
erneut. Spätantike Herrscherbildnisse waren überlebensgroße
Statuen mit keinerlei individuellen Gesichtszügen (Kolossalkopf
KONSTANTINs, 4. Jh. n. Chr., Bild 3).
Die römische
Reliefkunst
In der
Reliefkunst gewann das
Ornament als Bauornamentik (Kymation, v. a. Eierstab; Bukranion; Girlanden)
an Kapitellen und Säulenbasen stark an Bedeutung. Im figürlichen
Relief entwickelte die römische Kunst eine große Erzählfreude.
Als dekorative Ausgestaltung von Plätzen und Gebäuden wurden repräsentative
historische Reliefs an Triumphbögen
und Monumentalsäulen bedeutungsvoll. Mit der Schilderung historischer
Ereignisse drückte sich ein ganz neues Interesse am Verlauf römischer
Geschichte aus. Schon die Prozession auf der Ara Pacis Augustae ist als
bestimmtes Ereignis dargestellt (Bild 4).
Die Situationsschilderungen der historischen Reliefs z. B. am Titusbogen
(81-96 n. Chr.) wurden seit dem 2. Jh. ins Bedeutungshafte
gesteigert ( Trajansbogen in Benevent,114 n. Chr.; Galeriusbogen
in Saloniki, um 300 n. Chr.). Die
Trajanssäule
(113 n. Chr.) wurde z. B. mit einer
Bildchronologie
der Feldzüge gegen die Daker geschmückt.
Anfang des 2. Jh. n. Chr. änderten
sich die römischen Grabsitten. Man ging von der Leichenverbrennung
zur Körperbestattung über. Statt Urnen wurden nun Erdgräber
oder steinerne Sarkophage benutzt, die je nach Aufstellung an allen vier
Seiten oder nur dreiseitig mit Reliefschmuck versehen waren. Man unterscheidet
architektonisch gegliederte Sarkophage von sogenannten Friessarkophagen. Im Bildprogramm der Sarkophage wurden sinnbildhaft die Tugenden der Verstorbenen,
eine Folge von Ereignissen aus Feldzügen und mythologische
Szenen konzipiert. Die prunkvollsten Sarkophage stammen aus dem 3. Jh.
n. Chr. Dicht gedrängte Figuren füllen die tief zerklüfteten
Reliefflächen.
Ein weiteres Beispiel für die Reliefkunst der Römer ist das Relieffragment aus der ehemaligen Stadt Glanum in der Nähe der heutigen Stadt St. Remy (Bild 5).
Nach der Anerkennung des Christentums wurde die prächtige Sarkophagkunst auch für christliche Begräbnisse genutzt. In den Reliefs tauchten
nun neben antiken auch Themen aus dem Alten und Neuen Testament auf.