








Kennzeichen der romanischen sakralen Baukunst sind:
Für den Bau der Kirchen benutzte man Naturstein:
Sandstein, Kalkstein, Porphyr (= Vulkangestein) u. a. In Norddeutschland wurde oft mit Feldstein gebaut. Eine seltene Sonderform der romanischen Sakralarchitektur stellen allerdings die norddeutschen Backsteinbauten dar, wobei bis heute nicht geklärt ist, auf welchem Wege der Backsteinbau nach Norddeutschland gelangte. Nachgewiesen ist diese Art des Bauens in romanischer Zeit u. a. für den Brandenburger Dom sowie für das Kloster Jerichow.
Das Vierungsquadrat (Kreuzung) aus Querschiff und Mittelschiff legte das Maß für alle anderen Joche fest:
Seitenschiff = halbe Breite des Mittelschiffs, jochgebundenes System.
Eine Unterkirche, die sogenannte Krypta,
befand sich oft unterhalb des (erhöhten) Chorraums. Laien- und Klerikalbereich
bzw. Chor und Mittelschiff trennte zunächst die sogenannte Chorschranke,
ab 1225 der Lettner.
Romanische Architektur erkennt man leicht an ihrer typischen Leitform,
dem Rundbogen. Rundbögen gibt es an fenstern, Portalen, an den die
Kirchenschiffe begleitenden Bogenreihen, an Blendarkaden, Friesen, Galerien,
Emporen.
Große Kirchenräume (Mittelschiffe) werden in der regel mit einer flachen Holzdecke gedeckt, kleinere (Seitenmschife) können gewölbt sein, entweder mit einem Tonnengewölbe oder mit einem Kreuzgratgewölbe. Kreuzgewölbe entstehen bei der Durchkreuzung zweier Tonnen von gleicher Scheitelhöhe und haben den statischen Vorzug, die Hauptlast des Gewölbes auf seine Eckpunkte zu übertragen.
Rundbögen und Gewölbe werden von Pfeilern (Stützen mit quadratischem oder rechteckigem Querschnitt) oder Säulen (runder Querschnitt) getragen. Sie können z. B. zwischen Mittel- und Seitenschiffen abwechselnd eingesetzt sein, man nennt dies rhythmischer Stützenwechsel:
Romanische Säulen stehen auf einer Basis (Fußring), eventuell mit untergelegter Plinthe) und enden oben mit einem Kapitell (von lat. caput = Haupt, Kopf). Neben stilisierten Blatt- oder Tiermotiven gibt es in Deutschland seit Anfang des 11. Jahrhunderts Würfelkapitelle (Bild 3), die den Übergang von den runden Säulen zur viereckigen Wandauflage auf besoonders anschaulöiche Weise demonstrieren.
Stiftskirche in Gernrode
Beispiel für frühromanische (ottonische) Klosterkirchen ist
die dem Heiligen Cyriakus gewidmete Stiftskirche
in Gernrode (Baubeginn 961, Grundriss Bild 4), die noch als flachgedecktes
dreischiffiges Langhaus mit Querschiff, West- und Ostapsis und Doppeltürmen
errichtet wurde. Die Seitenwände des Mittelschiffs weisen bereits
einen Stützenwechsel Pfeiler-Säule-Pfeiler
auf. Sie sind mit Emporen ausgestattet. Darüber befinden sich Oberlichter,
sogenannte Lichtgaden bzw. Obergaden, die das Mittelschiff erhellen.
Der Kreuzgang aus späterer Zeit weist ein Kreuzgewölbe auf (Bild 6).
Kloster von Cluny
Im 11. Jahrhundert beeinflusste die Cluniazensische
Kirchenreform (die Klöster befreiten sich aus weltlicher und
bischöflicher Abhängigkeit, unterstanden dem Papst nun direkt)
auch den Baustil der Sakralbauten. Der Abt von Cluny,
HUGO (1049-1109), ließ ab 1088 ein monumentales, 187 m
langes, fünfschiffiges Langhaus von elf Jochen mit einem Querhaus
an der östlichen Seite errichten (Bild 5), das als Vorbildbau
für viele Klosterbauten in Frankreich und dem übrigen Europa
diente. Es sollte eine "Festung Gottes" sein, baulich nicht
nur die Nähe zu Gott symbolisieren, sondern auch demonstrieren, dass
der Glaube an Gott und die Kirche als Institution über jeglicher
weltlicher Macht standen. Cluny wurde zum christlichen Leitbild des Mittelalters.
Die Kirche des Abtes HUGO wies neben mehreren Chören vier Türme
sowie einen Vierungsturm auf und trat somit auch bewusst in Konkurrenz
zum Kaiserdom zu Speyer. Sie war bis zum Bau des Petersdoms in Rom der
größte Kirchenbau der Christenheit. Die Monumentalität
erreichte man durch folgende romanische
Bauprinzipien:
Dabei griffen die Konstrukteure auf wenige Grundformen zurück:
Der normannische Baustil entstand in Nordfrankreich. Von dort gelangte er nach England und Süditalien. Er ist gekennzeichnet durch
Ursprünglich waren die normannischen Kirchen mit einer hölzernen Flachdecke ausgestattet, später baute man Tonnengewölbe, danach Kreuzrippengewölbe ein.
entstanden die ersten romanischen Kirchen normannischen Stils. Sie wurden zur wichtigsten Vorstufe der Gotik in Nordfrankreich: Sie wiesen bereits Dienste sowie Ansätze zu einem Strebewerk auf.
In Apulien (Süditalien) und auf Sizilien entwickelte sich ein eigenständiger
normannischer Stil, der durch arabische und byzantinische Einflüsse
gekennzeichnet ist. Der Normannendom von Monreale bei Palermo ist mit
einem arabischen Kreuzgang, arabischen Spitzbögen und byzantinisch
beeinflussten mosaikverzierten Säulen ausgestattet. Die Kirche enthält
6300 qm Goldmosaike. Das Hauptschiff erzählt Szenen des Alten
Testaments, das Querschiff Szenen aus dem Neuen Testament. Errichtet wurde
der bedeutendste Bau des italienischen normannischen Stils 1172-1185
unter dem König WILHELM II. (um 1153-1189). Ein Beispiel
für den normannischen Profanbau ist der Palazzo
dei Normanni in Palermo.
Kaiserdome
In Deutschland ließen sogenannte Reisekaiser, die von Pfalz zu
Pfalz zogen, die Kaiserpfalzen und ihre Vasallen Burgen errichten. Diese
bestanden i. d. R. aus
Die Kirchen wurden später oft zu Bischofssitzen (Domen) erhoben. Der salische Kaiser KONRAD II. ließ um 1030 auf salischem Familienbesitz in Speyer die dreischiffige Pfeilerbasilika (Bild 8) mit gewölbten Seitenschiffen, allerdings einer hölzernen Flachdecke im Mittelschiff, bauen. KONRADs Ehrgeiz war es, den größten Dom des christlichen Abendlandes zu errichten. Unter HEINRICH IV. erfuhr er einige Umbauten, so erhielt das Mittelschiff ein imposantes Kreuzgewölbe, welches das erste seiner Art in dieser Größe darstellt. Ein Laufgang (Zwerggalerie) zieht sich um das ganze Bauwerk. Erstmals wurden auch sogenannte Blendbögen gebaut, das sind der Mauer dekorativ oder gliedernd vorgebaute Bögen, die jedoch keine Maueröffnungen umschließen. Das imposante Westwerk sollte die Dimensionen kaiserlicher Macht verdeutlichen und ein bauliches Gegengewicht zur klerikalen Ostseite schaffen.
Der Dom zu Speyer (Bild 8 und 9) besitzt
eine Gesamtlänge von 134 m
(von den Eingangsstufen bis zur Außenwand der Ostapsis), das Langhaus
misst 37,62 m (von Außenmauer zu Außenmauer). Das Mittelschiff
ist bis zum Scheitelpunkt der Gewölbe 33 m hoch.
Vier Türme rahmen den Kaiserdom
ein. Sie sind 71,20 m bzw. 65,60 m hoch. Die Krypta
diente als Bestattungsstätte salischer und staufischer Kaiser. Auch
die Kaiserdome von Worms und Mainz wurden als dreischiffige Großbasiliken
mit Kreuzgewölben, Doppelchören, Querhäusern und sich darüber
erhebenden Vierungstürmen gebaut.
