



Sie war also vor allem in religiösen Werken präsent. Diese
Malereien waren keine realistischen Abbilder, sondern Sinnbilder und sie
fungierten als Lesebilder. Die Mimik und Haltung der dargestellten Figuren
wirkt deshalb oft stark archaisch. Man griff künstlerisch vor allem
auf spätantike und byzantinische Vorbilder zurück. Die Künstler
signierten ihre Werke nicht.
Bedeutungsperspektive
Bedeutungsperspektive
heißt, dass die Figuren ihrer weltlichen bzw. klerikalen Bedeutung
gemäß dargestellt wurden. Die bedeutendste Figur wurde größer,
die weniger bedeutenden Figuren kleiner dargestellt. Der Raum war nicht
perspektivisch gemalt.
Buchmalerei
Die Buchmalerei wurde mit
Wasserfarben durchgeführt. Eine Illustration der Bibel ist die "Apokalypse"
(Bild 1) eines englischen Meisters aus dem 13. Jahrhundert. Der obere
Teil des Bildes verweist auf Apokalypse 4.4: In einem Rhombus in der Mitte
thront der Herr.
"Und um den Thron waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf ihren Häuptern goldene Kronen."
Sie huldigen ihm mit den Worten "Amen Halleluja". Die vier Gestalten an den vier Seiten des Rhombus illustrieren Apokalypse 4.7.
"Und die erste Gestalt war gleich einem Löwen, und die zweite Gestalt war gleich einem Stier, und die dritte Gestalt hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und die vierte Gestalt war gleich einem fliegenden Adler."
Im linken Bildteil sieht man Johannes, der das Geschehen beobachtet.
Der untere Bildteil zeigt das Lamm Gottes neben dem Herrn, umgeben von
den Königen mit Harfe und Laute.
Da der Bauer oder Städtebürger nicht lesen und schreiben konnte,
war er auch nicht Adressat
der Bücher. Bücher wurden
in den Schreibstuben der Klöster hergestellt. Sie wurden handgeschrieben
und handbemalt. Sie waren für den Klerus oder die weltlichen Herrscher
bestimmt.
Bücher wurden auf Pergament (=
gegerbte Tierhäute) geschrieben.
Holzmalerei
Ein Beispiel für Holzmalerei
stellt die bemalte Flachdecke in der Hildesheimer Benediktiner-Klosterkirche
St. Michel (Bild 3) dar. Der Schöpfer dieser Tempera-Arbeit blieb
namenlos. Adam und Eva sind um den Apfelbaum (Baum der Erkenntnis) gruppiert,
an dessen Stamm eine Schlange züngelt. Adam und Eva halten in der
rechten bzw. linken Hand die Früchte der Erkenntnis. Aus dem Baum
am linken oberen Bildrand schaut Gott der Szenerie zu. Dem Zeitgenossen
wird sofort klar, dass sich die Vertreibung aus dem Paradies anschließen
wird.
Diese Deckenmalerei des Niedersächsischen Meisters ist ungefähr
auf 1200 datiert. Auch hier sind typische Merkmale der Romanik zu erkennen,
wie Umrisshaftigkeit und Flächenhaftigkeit der Gesichter und Körper,
Andeutung der Raumebenen, Symbolhaftigkeit der Darstellung.
Tafelmalerei
Tafelmalerei ist eine bildliche
Darstellung auf flachem, festem Material. in der orthodoxen Ikonenmalerei
(von griech.: eikon = Bild) benutzt man Holz. Darauf wird Leinen
fest verleimt, grundiert und plan geschliffen. Auf diesen Malgrund zeichnet
der Ikonenmaler (Ikonograph) seine
Vorzeichnung. Diese wird mit einem Reißnagel in den Malgrund geritzt.
Nun kann die Farbe aufgetragen werden. Ikonenmalfarben sind stets natürlich
vorkommende Farben. Sie werden in Eigelb mit Wasser und etwas Essig aufgelöst.
Ikonenmaler malen zunächst die dunklen Partien der Ikone, darauf
die helleren bis zum Weiß. Sie gehen davon aus, dass Gott erst das
Licht geschaffen hat. Deshalb werden die lichten Partien zum Schluss gesetzt:
vom Dunkel zum Licht.
Ikonen konnten außer als Tafelbild auch in anderen Techniken gearbeitet
sein. Die Ikone des Erzengels Michael (10. Jh, Venedig, San Marco; Bild
4) ist zum Teil als Emaille (Glasfluss) gearbeitet und mit Edelsteinen
und Halbedelsteinen besetzt.
Die Technik der Ikonenmalerei wurde
im katholischen Europa nicht praktiziert. Ikonenmalerei ist jedoch de
facto die erste Tafelmalerei der Nachantike. Die Ursprünge der Ikonenmalerei
liegen in ägyptischen Porträtmalereien. Im Unterschied dazu
wurde jedoch die Technik der Enkaustik (Wachsmalerei) benutzt.
Als eigenständiges Genre der Malerei setzte sich die Tafelmalerei
im westlichen Europa erst in der Spätgotik und in der Renaissance
durch. Auf Holz gemalt wurden allerdings bereits früh Altarbilder.
Aus schlichten ikonenhaft gemalten Darstellungen entwickelten sich in
der Gotik dreiteilige (Triptychen) oder vielflügelige Altarbilder
(Polyptychen), daraus wiederum Andachtsbilder, die in der Renaissance
dann zu bürgerlichen Porträts führten.
Frühe Tafelmalereien sind seit dem 12. Jahrhundert bezeugt. Allerdings
dürften die Anfänge der Tafelmalerei in Westeuropa um einiges
früher liegen.
Wandmalerei
Die Wandmalerei war die am
weitesten verbreitete Malerei der Romanik. Von ihr sind heute allerdings
nur noch Bruchstücke erhalten. Sie wurde vor allem als Fresko
ausgeführt. Das bedeutete, dass die Farbe direkt auf den noch feuchten
Putz aufgetragen wurde. Beherrschte man diese Technik nicht perfekt, konnte
es passieren, dass Putz bzw. Farben nicht hielten. Das mag auch ein Grund
dafür sein, dass in Deutschland relativ wenige romanische Fresken
erhalten sind. Denn die großen geschlossenen Wandflächen romanischer
Kirchen waren ursprünglich fast vollständig mit Fresken ausgemalt.
Nördlich der Alpen wurde außerdem zumeist eine Mischtechnik
aus Fresko und Secco (a secco = trocken)
verwendet, die nicht so haltbar war, wie die reine Freskomalerei.
Im einstigen Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gibt es trotz
alledem noch viele Überreste romanischer Wandmalerei:
Der Freskenzyklus der ehemaligen Pfarrkirche von Prugiasco in Val Blenio (1050-1100; Bild 5) in der Schweiz zeigt Christus und die Apostel. Der auferstandene Christus, gehüllt in ein weißes Gewand und einen purpurnen Mantel, wird erhöht dargestellt (Bedeutungsperspektive). Er segnet die Apostel. Von den Aposteln in der linken Bildhälfte sind nur die Gesichter von vieren voll zu sehen, zwei weitere Gesichter werden von den Heiligenscheinen der vor ihnen Platzierten etwas verdeckt. Der Fries über ihnen zeigt neben Non-Figürlichem das Lamm Gottes.
Die 854 m über NN zwischen den Orten Leontica und Prugiasco liegende romanische Kirche San Carlo stammt ungefähr aus dem Jahre 1000. Aus derselben Zeit dürften die Fresken stammen.