



Sakralbauwerke
Sakralarchitektur (lat.
"sacer" = heilig) ist die zusammenfassende Bezeichnung
für alle Bauten, die kultischen und religiösen Zwecken dienen:
Kirchenbau
Schwerpunkt der Sakralarchitektur im europäischen Raum waren Tempelbau
und Kirchenbau.
Seit der Anerkennung des Christentums durch den römischen Kaiser
KONSTANTIN stand die Kirche unter staatlichem Schutz und konnte in aller
Offenheit ihre Gotteshäuser errichten. Als Versammlungsraum für
die Gemeindemitglieder eigneten sich am besten die großräumigen
profanen Basiliken. Es entwickelte sich ein Kirchenbauprogramm,
das
Im Kirchenbau unterscheidet man nach Funktion und Rang:
Kapellen etc.
und architektonisch nach den beiden Hauptgrundrissformen:

Der Langbau
Der Langbau (Longitudinalbau,
Bild 2 und 3) wird seit dem frühen Christentum meist
von West nach Ost ausgerichtet. Altar, Chor und Apsis befinden
sich im Osten der Gebäude. Als architektonische Bereicherung wirken
häufig
Ein Langbau kann als
ausgebildet sein. Während sich die romanischen
Kirchenbauten eher als "Burg des Himmelskaisers" verstanden,
symbolisierten die gotischen Skelettbauten
mit ihren himmelwärts strebenden, von farbigem Licht durchfluteten
Räumen das Abbild des "himmlischen Jerusalems".
Gemeinsam ist den Langbauten Symmetrie und Axialität, d. h.
die Beziehung eines Baus auf eine gedachte Gerade und die Richtungsbetonung
zu Chor und Altar. Viele christliche Sakralbauten erhielten erst nach
Jahrhunderten ihr gegenwärtiges Aussehen (Kölner
Dom, 1248-1880). Das Straßburger
Münster z. B. wurde um 1190 romanisch begonnen, gotisch
weitergebaut und erst im 16. Jh. vollendet.
Der Zentralbau
Den Zentralbau (Bild 4
und 5) beherrscht ein zentraler Raum, um den sich gleichmäßig
Teilräume gruppieren und der meist durch eine Kuppel
nach oben geschlossen wird. Symbolisch bedeutet die Kreisform
Unendlichkeit, Ewigkeit ohne Anfang und Ende. ANDREA PALLADIO schrieb
um 1750 über den Zentralbau:
"... alle Teile gleichen einander und nehmen teil an der Gestalt des Ganzen; und da überdies jeder Punkt vom Mittelpunkt gleich weit entfernt ist, so versinnbildlicht der Bau aufs Schönste die Einheit, die Unendlichkeit, die Ewigkeit und die Gerechtigkeit Gottes."
Die neben den Kirchen separat als Kultraum errichteten Taufkirchen
(Baptisterien) waren meist Zentralbauten
(Florenz, um 1059; Pisa, um 1167). Der Täufling wurde hier ehemals
in einem vertieften Tauchbecken (Piscina)
völlig untergetaucht.
Im Barock gibt es Kombinationen zwischen dem Langbau und dem Zentralbau. Im Kirchenbau der Gegenwart sind neben Variationen historischer Sakralbauten neue Grundrisse aufgenommen worden.
ermöglichen auch einen völlig neuartigen Baukörper (Wallfahrtskirche in Neviges, 1963-1969 von GOTTFRIED BÖHM; Marienkathedrale, 1961-1964,Tokio von KENZO TANGE, * 1913). Im Hinblick auf Symbolik erklären Architekten und Theoretiker die modernen Kirchen mit Urformen wie Weg, Zelt, Fels, Höhle, Arche, Burg u. Ä.