








Begriff Stillleben
Der Begriff Stillleben
(Bild 1) zu niederländ. stilleven wurde
erstmals um 1650 in einem holländischen Bilderverzeichnis erwähnt.
Vorrangig werden in diesem Genre unbelebte Objekte, Arrangements aus "toten
Naturdingen" (frz.: nature morte) oder vom Menschen produzierte Dinge
abgebildet. Dekorativ angeordnete Dinge mit meist besonderer Ästhetik
werden dargestellt.
Typen von Stillleben
Seit dem 17. Jahrhundert gibt es verschiedene spezielle Typen
der Bildgattung:
Im 16. und 17. Jahrhundert erhielt das Stillleben besondere Sinnaufladung
im Vanitas-Stillleben oder in Darstellungen
mit mehreren Sinnschichten. Oft muss der ästhetisch-visuelle Genuss
des Betrachters als Ersatz für nie zu erreichende Güter herhalten,
gelegentlich dominiert die Funktion des Erinnerungsbildes.
Zunehmende Bedeutung erhielt das Stillleben in der italienischen Spät-Renaissance
(15. Jh.). Es wurde dem neu erwachten Naturalismus und dem fast wissenschaftlichen
Interesse an rein malerisch-gestalterischen Problemen gerecht, so an der
Darstellung der unterschiedlichen Stofflichkeit von Glas, Metall, Fell,
an perspektivischen Zerrungen, Spiegelungen. Für die Zeit immens
wichtig war, die allegorischen und enblematischen Vorstellungen wirkungsvoll
darstellen zu können.
Stillleben als eigenständige
Bildgattung
Das Stillleben wurde im 16. Jahrhundert eine eigenständige
Bildgattung, ein erster Höhepunkt
sind die Stillleben CARAVAGGIOs (1573-1610).
Schon das frühe Barockzeitalter wurde zur Blüte der Stilllebenkunst
mit oft stark symbolhafter Prägung (Vanitasgedanke),
es erhielt eine sinnbildliche Bedeutungsaufladung. Augenfällig bei
der Darstellung sind die zerbrochenen Gläser, Uhren, Totenschädel,
Insekten , Blumen und andere Pflanzen in verschiedenen Existenzformen
oder Lebensstufen. Erinnern sollen sie an die Vergänglichkeit alles
Irdischen, an Unmoral, Völlerei und fleischliche Genusssucht. Das
Sillleben sollte mahnen.
Bildsprache
Stillleben verbargen damals religiös-moralische, sinnbildliche oder
sogar mit Textverweisen angereicherte Inhalte hinter ihrer ästhetisch
reizvollen Oberfläche. Diese Bildsprache
(Sinnbilder aus Religion und Literatur) wurde von den Betrachtern verstanden,
z.B. waren im Blumenstillleben
Niederländische Kunst des 17.
Jahrhunderts
Die niederländische
Kunst des 17. Jahrhunderts brachte eine Motiv-Spezialisierung
der Werkstätten und Einzelkünstler hervor:
Es gab sogar Stilllebendetails in der Genre- und Bildnismalerei, wie etwa bei REMBRANDT (1606-1669, Bild 2) und RUBENS (1577-1640) in Flandern.
Zu den verschlüsselten Botschaften kamen nun unmittelbar erzählende Bildaussagen. So zeigen Markt- und Küchenstücke das reiche Angebot einer ertragreichen Landwirtschaft. Sie sind Zeugnisse bürgerlichen Wohlstandes (Bild 7), sie zeigen Qualität und Quantität der abgebildeten Waren und dokumentieren sicheres materielles Vermögen.
Die Verfeinerung der Lebensweise zeigt sich in Delikatessen-Stillleben
mit Konfekt, Hummern, Marzipan und Südfrüchten. Nun rückt
das Stillleben endgültig aus dem "monochromen
banketje" (gleichfarbige Anordnung), wie bei WILLEM CLAESZ.
HEDA (1594-1680/82, Bild 8) und erhält farbige Effekte und spannungsvollere
Kompositionen (barocke Dynamik). Der faszinierende Glanz der Bilder unterhöhlt
immer mehr moralische Appelle.
im 18. und 19. Jahrhundert sank die Bedeutung des Stilllebens in die Drittklassigkeit, Porträt- und Historienmalerei sowie Landschaften (Romantik und Realismus) dominierten.
Erst die Impressionisten, die Nach-Impressionisten und die Expressionisten schenkten dem Stillleben wieder mehr Aufmerksamkeit. Berühmt wurden VINCENT VAN GOGHs Sonnenblumen. Auch seine anderen Stillleben frappieren mitunter durch die VAN GOGH eigene Behandlung der Perspektive (Bild 10).