

Grundlagen des Symbolismus
Der Symbolismus, eine europäische
Strömung um 1880 bis 1900, wendet sich vor allem in der Literatur
und Malerei gegen Positivismus
und Materialismus,
gegen Realismus und Impressionismus,
gegen Historismus und akademischen
Naturalismus.
Er richtet sein Interesse auf Imaginäres, auf Ideen und Gefühle
und tut dabei manchmal des Guten zu viel.
Nachdem die Aufklärung des 18. Jahrhunderts jeglichem Irrationalismus
den Boden entzogen hatte, konnte im 19. Jahrhundert nur das als wahr
und wirklich gelten, was mit Vernunft einsichtig erklärt werden konnte.
In diesem Sinne wirkte auch die Naturwissenschaft (z. B. CHARLES
DARWIN, Bild 1) auf die Künstler, gelang es den Wissenschaftlern
doch immer mehr, den Zusammenhang aller Teile im Weltganzen zu definieren
und zu begründen und nährten somit die Gewissheit, in der denkbar
vernünftigsten Welt zu leben. Verlierer dieser Überzeugung war
in erster Linie die Religion.
Die Gegenwehr
Widerspruch gegen diese Haltung regte sich in der Kunst Europas bereits
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, erreichte aber seinen
Höhepunkt an der Wende zum 19. Jahrhundert.
Am 18. September 1886 erschien in der Zeitung "Le Figaro"
das "Symbolistische Manifest", in dem der französische
Schriftsteller JEAN MORÉAS die "aktuelle Strömung des
schöpferischen Geistes in der Kunst" definiert:
"Die wesentliche Eigenschaft der symbolistischen Kunst besteht darin, die Idee niemals begrifflich zu fixieren oder direkt auszudrücken. Und deshalb müssen sich die Bilder der Natur, die Taten der Menschen, alle konkreten Erscheinungen in dieser Kunst, nicht selbst sichtbar machen, sondern sie werden durch sensitiv wahrnehmbare Spuren, durch geheime Affinitäten mit den ursprünglichen Ideen versinnbildlicht."
Der Symbolismus war eine breite Strömung, aber kein Stil, sondern
eine sich bildende Kunst und Literatur manifestierende Weltanschauung,
die sich verschiedener Stile bediente.
Der Symbolismus versucht hinter der erfahrbaren Realität und den
wissenschaftlichen Erkenntnissen, eine andere, eine "endgültige"
Wahrheit zu finden, die nur subjektiv erfahren werden kann. Den Ausgangspunkt
bildet in der Regel ein reales Objekt, ein psychologisch nachvollziehbarer
Akt, von dem aus aber der Betrachter ins Unbekannte geführt wird.
Das Kunstwerk soll der Betrachter nicht rational verstehen, sondern er
soll sich ganz subjektiv in das Werk einfühlen.
Der Symbolismus ist auch interessiert an Ursprünglichkeit und Unverbrauchtheit. Der Maler PAUL GAUGIN (1848-1903, Bild 3) findet beides in den 1880er-Jahren zunächst in der Volkskunst der Bretagne und wenig später in der Kunst der Südseeinsulaner - ein früher Fall von Inspiration durch die Kunst der sogenannten Primitiven. Deren Anregungen nahm GAUGIN auf und versuchte sich als Holzbildhauer. Es entstanden zwar grobe, dennoch aber kraftvolle bemalte Reliefs, welche die Schnitzereien der späteren Expressionisten vorwegnehmen.