








Fresko, Secco und Sgrafitto
Die Wandmalerei auf noch frischem, feuchten Kalkputz nennt man Freskomalerei
(ital. fresco = frisch). Dabei wird mit in Wasser angerührten
Farbpigmenten gearbeitet, der frische Kalkputz dient als Bindemittel.
Es muss rasch gearbeitet werden, damit die Farben in den feuchten Putz
einziehen können. Fehler können nicht korrigiert werden. Etappenweise
wird nur so viel Feinputz aufgebracht, wie an einem Tag bemalt werden
kann (Bild 2).
Es gibt auch die Möglichkeit auf trockenem Putz zu arbeiten. Das
ist die sogenannte Seccomalerei (ital.
secco = trocken), bei der die Farbpigmente mit Gummiarabikum, Kasein und
Leim gebunden werden.
Eine weitere Art ist das Sgrafitto, bei
dem über einen dunklen Putz eine dünnere, hellere Schicht gezogen
wird. Aus dieser werden Formen und Figuren herausgekratzt.
Temperamalerei
Einen schnellen Trocknungsprozess weist auch die Temperamalerei
(lat. temperare = mischen) auf. Es gibt eine wasserlösliche Art,
die als Bindemittel für die Farbpigmente Kasein verwendet wird (Kaseintempera)
und eine wasserfeste, deren Bindemittel für die Pigmente aus einer
Mischung aus Eigelb und Leinölfirnis besteht. Je nach Mengenverhältnis
erhält man Eitempera oder Öltempera
(Bild 3).
Es entsteht eine matte, deckende Farbschicht, die mehrfach übermalt
werden kann. So kann ein Bild in mehreren Schichten aufgebaut werden.
Nachteilig ist, dass durch das schnelle Trocknen die getrockneten Farben
stärker aufhellen, ein Nachmischen desselben Farbtons schwierig ist,
und dass sich farbige Übergänge kaum erreichen lassen. Als Abschluss
wird eine Schutzschicht auf das fertige Bild mit Firnis (frz. vernis =
Lack) aufgetragen. Grundierte Holztafeln und Leinwände dienten als
Malgrund. Die Temperamalerei war besonders in der Buchmalerei verbreitet
und die wichtigste Künstlerfarbe vor der Ölmalerei.
Fein geriebene Farbpigmente werden mit trocknenden Ölen (Walnuss-,
Mohn-, Leinöl u. a.) vermengt. Verschiedene Malmittel (z. B.
Terpentin oder Firnis) dienen als Verdünnungsmittel für die
Farbe. Zusätze ermöglichen einen schnelleren Trocknungsprozess
und eine gewollt matte oder glänzende Oberfläche. Als Malgründe
werden grundierte Holztafeln, Leinwand oder Karton verwendet. Im Gegensatz
zur Tempera besitzt Ölfarbe eine stärkere Leuchtkraft und es
können mit ihr fließende Farbübergänge erzielt werden.
Diese Farbe kann in mehreren hauchdünnen, lasierenden (durchscheinend) Schichten (Schichtmalerei) übereinander gemalt, aber auch deckend bis pastos (dick aufgetragen) mit einem Pinsel oder Spachtel aufgetragen werden (Bild 5). Aufgrund ihrer vielfältigen Möglichkeiten war diese Technik bis zur Mitte des 20. Jh.s die meist verwendete.
AquarellmalereiAber auch andere Techniken verwendeten die Künstler. Einige ließen die als Vorzeichnung dienenden Bleistiftlinien oder farbigen Kreiden bewusst stehen, setzten die Farben relativ trocken nebeneinander oder ließen die unterschiedlichen Papierstrukturen mit in die Gesamtwirkung einfließen. Während ALBRECHT DÜRER (Bild 6) das Aquarell noch als Vorzeichnung oder Studie diente, nutzten es spätere Künstler als eigenständige Bildgestaltung, wie PAUL CEZANNE, WILLIAM BRAKE, WILLIAM TURNER, EMIL NOLDE (Bild 7).
Gouachemalerei
Diese Deckfarbenmalerei
(franz. gouache = Deckfarbe) ist vielfältig einsetzbar und durch
Schulmalkästen heute weit verbreitet. Den Farbpigmenten sind weiße
Füllstoffe beigefügt, die zu einem deckenden, matt wirkenden
Farbauftrag führen. Als Bindemittel werden Gummiarabikum oder
Pflanzenleim genutzt, die die Farbe wasserlöslich machen. Der Untergrund
kann vielfältig sein und es können helle Farben auf bereits
getrocknete dunklere Töne gesetzt werden. Mit stark verdünnten
Farben kann man jedoch auch lasierend arbeiten (Bild 8). Diese Technik
fand im Mittelalter, z. B. in der Miniaturmalerei Anwendung.
Acrylmalerei
Acrylfarben sind sogenannte
Kunstharzdispersionsfarben (Dispersion = feinste Verteilung eines Stoffes
in einem anderen). Als Lösungsmittel fungiert ein Kunstharz, der
dem Acrylglas verwandt ist. Die Farbe kann beim Malen mit Wasser verdünnt
werden. Nach dem Trocknen ist der Anstrich wasserfest und lichtbeständig.
Die Herstellung synthetischer Bindemittel
bedeutete für die Malerei einen revolutionären Schritt.
Nach ihrer Entwicklung gab es Acrylfarben vorwiegend im Anstrich- und
Lackierbereich der Industrie, bevor Mitte der 1950er-Jahre Künstler
sie für ihre Arbeit entdeckten.
Die Technik eignet sich für die verschiedensten Malkonzepte; sowohl
für lineare als auch malerische und für Mischtechniken, wie
mit Ölfarbe oder Kreiden. Da Acrylfarbe sehr schnell trocknet, können
in kurzer Zeit mehrere Schichten übereinander gemalt werden und das
sowohl deckend bis pastos als auch lasierend. Häufig beziehen Künstler
den Untergrund mit ein, es wirken plastische Strukturen (Bild 9).
Die Farbe kann mit dem Pinsel oder Malspachtel aufgebracht werden.