


In einer Moskauer Ausstellung von Bildern des französischen Impressionisten
CLAUDE MONET beeindruckten ihn die Kompositionen und die reiche Farbpalette.
Während einer Aufführung von RICHARD WAGNERs Oper "Lohengrin"
nahm er beim Hören der Musik Farben und Formen wahr.
1896 zog er mit finanzieller Unterstützung des Vaters nach München,
um Malerei zu studieren. In München
schloss er sich rasch der russischen Künstlerkolonie um ALEXEJ VON
JAWLENSKY und MARIANNE VON WEREFKIN an und wurde 1900 Schüler
von FRANZ VON STUCK an der Münchner Kunstakademie.
1901 gründete KANDINSKY mit einigen Künstlerkollegen die avantgardistische
Ausstellungs- und Künstlervereinigung "Phalanx",
der aber kein großer Erfolg beschieden war.
1902 wurde die junge deutsche Malerin GABRIELE
MÜNTER seine Schülerin und bald darauf seine langjährige
Lebensgefährtin. Mit ihr begab er sich ab 1904 auf Reisen unter
anderem nach Tunis, Paris und Berlin.
1909 kehrten KANDINSKY und MÜNTER nach Bayern zurück und erwarben
ein Haus im oberbayerischen Murnau,
wo auch die Künstlerkollegen JAWLENSKY und WEREFKIN häufig malten.
Im selben Jahr gehörte KANDINSKY zusammen mit MÜNTER, WEREFKIN
und JAWLENSKY zu den Begründern der Neuen Künstlervereinigung
München.
KANDINSKY organisierte Ausstellungen eigener Werke und pflegte Kontakte
zur russischen Avantgarde. 1911, nach dem Zusammentreffen mit FRANZ
MARC, gründeten die beiden Künstler den Almanach und die gleichnamige
Künstlervereinigung "Der Blaue Reiter",
der sich ALFRED KUBIN, AUGUST MACKE, MARIANNE VON WEREFKIN und PAUL KLEE
anschlossen. Die Jahre 1911 bis 1914 sollten die entscheidenden
und produktivsten Jahre des Künstlers KANDINSKY werden (Bild 2).
In ihnen fand er in Aquarellen und Gemälden zur abstrakten, gegenstandsfreien
Malerei und veröffentlichte seine viel beachtete Schrift "Über
das Geistige in der Kunst" (1912).
1914, mit Beginn des Ersten Weltkrieges,
war KANDINSKY als Ausländer in Deutschland gezwungen, das Land zu
verlassen. Über die Schweiz kehrte er nach Russland zurück.
Nach der Trennung von GABRIELE MÜNTER heiratete KANDINSKY 1917
in Russland NINA ANDREEWSKY.
In seinem Geburtsland war er eingebunden in die avantgardistische Kunstszene
und entfaltete nach der Oktoberrevolution 1918
als Professor und Kurator zahlreiche kunstpolitische Aktivitäten.
Meinungsverschiedenheiten mit den russischen Konstruktivisten
ließen ihn 1921 das Land verlassen und mit seiner Frau NINA nach
Deutschland zurückkehren.
1922 nahm er eine Professur an dem 1919 von WALTER GROPIUS in Weimar
gegründeten Staatlichen Bauhaus
an. Hier traf er die Künstlerkollegen und Freunde PAUL KLEE und LYONEL
FEININGER wieder, die an der Kunsthochschule ebenfalls unterrichteten.
KANDINSKY blieb im Unterschied zu beispielsweise PAUL KLEE bis zur endgültigen
Schließung der Kunsthochschule 1933 am Bauhaus und machte die beiden
Umzüge nach Dessau 1925 und nach Berlin 1932 mit.
Als 1933 seine Bilder in Deutschland beschlagnahmt und in der Ausstellung
"Entartete
Kunst" in München gezeigt
wurden, emigrierte KANDINSKY nach Paris, wo er in eine lockere Verbindung
mit der Gruppe "Abstraction-Création" trat. 1944 starb
KANDINSKY und wurde in Neuilly-sur-Seine bei Paris beigesetzt.
"In der Sache bin ich ziemlich weit gekommen und der Weg liegt ziemlich klar vor mir. Ohne zu übertreiben kann ich behaupten, dass ich, falls ich die Aufgabe löse, (einen) neuen, schönen, zur unendlichen Entwicklung geeigneten Weg der Malerei zeige. Ich habe eine neue Bahn, die manche Meister nur hie und da ahnten und die früher oder später anerkannt wird"
schrieb er 1904 an seine Lebensgefährtin und Malerkollegin GABRIELE MÜNTER. Es sollten aber noch einige Jahre vergehen, ehe KANDINSKY sein künstlerisches Vorhaben verwirklichen konnte.
In dem Ölbild "Komposition
VII" (1913; Moskau, Tretjakow-Galerie) zeigen sich vom Gegenstand gelöste Linien und freie Formen,
die entsprechend zur Musik und den von KANDINSKY beim Hören von Musik
erfahrenen Synästhesien eine Art "klingenden Kosmos" wiedergeben.
Doch lassen sich hier noch - anders als bei den russischen Konstruktivisten,
die etwa zeitgleich den Weg zur abstrakten Malerei beschritten -
gegenständliche Assoziationen und Verweise auf eine geistige Welt
ausmachen.
Zwischen 1911 und 1913 malte KANDINSKY sein "Erstes abstraktes Aquarell"
(Paris, Musée National Moderne); ohne erkennbare Gegenstandsbezüge
setzte er nun Farben, Formen und Linien auf den Bildgrund.
In der während seiner Lehrtätigkeit
am Bauhaus entstandenen Schrift "Punkt und Linie zur Fläche"
(1926) legte er seine fundamentale Harmonielehre der abstrakten Malerei
dar.
In dem in Paris entstandenen Spätwerk öffnete sich KANDINSKY
einer Formenwelt mit figurativen, biomorphen Assoziationen.
Als Grafiker bevorzugte KANDINSKY zunächst den Holzschnitt, später
die Radierung.