Kunst
Wassily Kandinsky
WASSILY KANDINSKYWASSILY KANDINSKY: "Improvisation 20"WASSILY KANDINSKY: "Murnau" WASSILIY KANDINSKI: "Erstes abstraktes Aquarell"
WASSILY KANDINSKY - Einer der Begründer der abstrakten Malerei
WASSILY KANDINSKY wurde am 4. Dezember 1866 in Moskau geboren und wuchs in Odessa auf (Bild 1).
1886 begann er an der Universität in Moskau Jura und Volkswirtschaft zu studieren und heiratete nach bestandenem Examen seine Kusine ANJA SEMJAKINA (die Ehe wurde 1911 geschieden). Verschiedene Erlebnisse bestärkten ihn aber bald in seinem Wunsch, die angestrebte Universitätslaufbahn aufzugeben und Maler zu werden.

In einer Moskauer Ausstellung von Bildern des französischen Impressionisten CLAUDE MONET beeindruckten ihn die Kompositionen und die reiche Farbpalette.
Während einer Aufführung von RICHARD WAGNERs Oper "Lohengrin" nahm er beim Hören der Musik Farben und Formen wahr.
1896 zog er mit finanzieller Unterstützung des Vaters nach München, um Malerei zu studieren. In München schloss er sich rasch der russischen Künstlerkolonie um ALEXEJ VON JAWLENSKY und MARIANNE VON WEREFKIN an und wurde 1900 Schüler von FRANZ VON STUCK an der Münchner Kunstakademie.
1901 gründete KANDINSKY mit einigen Künstlerkollegen die avantgardistische Ausstellungs- und Künstlervereinigung "Phalanx", der aber kein großer Erfolg beschieden war.
1902 wurde die junge deutsche Malerin GABRIELE MÜNTER seine Schülerin und bald darauf seine langjährige Lebensgefährtin. Mit ihr begab er sich ab 1904 auf Reisen unter anderem nach Tunis, Paris und Berlin.
1909 kehrten KANDINSKY und MÜNTER nach Bayern zurück und erwarben ein Haus im oberbayerischen Murnau, wo auch die Künstlerkollegen JAWLENSKY und WEREFKIN häufig malten. Im selben Jahr gehörte KANDINSKY zusammen mit MÜNTER, WEREFKIN und JAWLENSKY zu den Begründern der Neuen Künstlervereinigung München.

KANDINSKY organisierte Ausstellungen eigener Werke und pflegte Kontakte zur russischen Avantgarde. 1911, nach dem Zusammentreffen mit FRANZ MARC, gründeten die beiden Künstler den Almanach und die gleichnamige Künstlervereinigung "Der Blaue Reiter", der sich ALFRED KUBIN, AUGUST MACKE, MARIANNE VON WEREFKIN und PAUL KLEE anschlossen. Die Jahre 1911 bis 1914 sollten die entscheidenden und produktivsten Jahre des Künstlers KANDINSKY werden (Bild 2). In ihnen fand er in Aquarellen und Gemälden zur abstrakten, gegenstandsfreien Malerei und veröffentlichte seine viel beachtete Schrift "Über das Geistige in der Kunst" (1912).
1914, mit Beginn des Ersten Weltkrieges, war KANDINSKY als Ausländer in Deutschland gezwungen, das Land zu verlassen. Über die Schweiz kehrte er nach Russland zurück. Nach der Trennung von GABRIELE MÜNTER heiratete KANDINSKY 1917 in Russland NINA ANDREEWSKY.
In seinem Geburtsland war er eingebunden in die avantgardistische Kunstszene und entfaltete nach der Oktoberrevolution 1918 als Professor und Kurator zahlreiche kunstpolitische Aktivitäten. Meinungsverschiedenheiten mit den russischen Konstruktivisten ließen ihn 1921 das Land verlassen und mit seiner Frau NINA nach Deutschland zurückkehren.
1922 nahm er eine Professur an dem 1919 von WALTER GROPIUS in Weimar gegründeten Staatlichen Bauhaus an. Hier traf er die Künstlerkollegen und Freunde PAUL KLEE und LYONEL FEININGER wieder, die an der Kunsthochschule ebenfalls unterrichteten. KANDINSKY blieb im Unterschied zu beispielsweise PAUL KLEE bis zur endgültigen Schließung der Kunsthochschule 1933 am Bauhaus und machte die beiden Umzüge nach Dessau 1925 und nach Berlin 1932 mit.
Als 1933 seine Bilder in Deutschland beschlagnahmt und in der Ausstellung "Entartete Kunst" in München gezeigt wurden, emigrierte KANDINSKY nach Paris, wo er in eine lockere Verbindung mit der Gruppe "Abstraction-Création" trat. 1944 starb KANDINSKY und wurde in Neuilly-sur-Seine bei Paris beigesetzt.

Wege zur Abstraktion
KANDINSKYs frühen Bildern ist eine Verbindung aus Jugendstil, Impressionismus und russischer Volkskunst eigen. Ihre Ikonografie wirkte lange nach und zeigt sich auch in den um 1909 entstandenen, dem expressionistischen Stil verpflichteten Gemälden.
Seine impulsiven "Impressionen", seine den unmittelbaren Natureindruck wiedergebenden "Improvisationen" und die auf einem farblichen Bezugssystem beruhenden "Kompositionen" genannten Werke nähern sich zunehmend einer abstrakten Malerei, lassen jedoch immer noch Anklänge an die Gegenstandswelt erkennen (Bild 3).
Dann folgten - nach der Begegnung mit den russischen Konstruktivisten - zunehmend geometrisch und linear gefestigte Bilder, in denen die Richtungskräfte von farbiger Fläche und Linie dynamische Spannkraft erzeugen.
"In der Sache bin ich ziemlich weit gekommen und der Weg liegt ziemlich klar vor mir. Ohne zu übertreiben kann ich behaupten, dass ich, falls ich die Aufgabe löse, (einen) neuen, schönen, zur unendlichen Entwicklung geeigneten Weg der Malerei zeige. Ich habe eine neue Bahn, die manche Meister nur hie und da ahnten und die früher oder später anerkannt wird"

schrieb er 1904 an seine Lebensgefährtin und Malerkollegin GABRIELE MÜNTER. Es sollten aber noch einige Jahre vergehen, ehe KANDINSKY sein künstlerisches Vorhaben verwirklichen konnte.

In dem Ölbild "Komposition VII" (1913; Moskau, Tretjakow-Galerie) zeigen sich vom Gegenstand gelöste Linien und freie Formen, die entsprechend zur Musik und den von KANDINSKY beim Hören von Musik erfahrenen Synästhesien eine Art "klingenden Kosmos" wiedergeben. Doch lassen sich hier noch - anders als bei den russischen Konstruktivisten, die etwa zeitgleich den Weg zur abstrakten Malerei beschritten - gegenständliche Assoziationen und Verweise auf eine geistige Welt ausmachen.

Zwischen 1911 und 1913 malte KANDINSKY sein "Erstes abstraktes Aquarell" (Paris, Musée National Moderne); ohne erkennbare Gegenstandsbezüge setzte er nun Farben, Formen und Linien auf den Bildgrund.

"Über das Geistige in der Kunst"
1910 verfasste WASSILY KANDINSKY seine Schrift "Über das Geistige in der Kunst", die 1912 veröffentlicht wurde. Dabei handelt es sich um die Niederlegung von Gedanken, Ausführungen zu seiner Kunsttheorie über abstrakte Malerei, in der auch eine Form der Abgrenzung gegenüber anderen Künstlern und ihren Bestrebungen auf dem Weg zu einer abstrakten, gegenstandsfreien Malerei zu sehen ist, wie sie beispielsweise der französische Maler ROBERT DELAUNAY verfolgte. KANDINSKY formuliert darin den Anspruch der abstrakten Malerei, die materialistische Haltung des 19. Jahrhunderts zu überwinden.
Wesentlich in seinem kunsttheoretischen Hauptwerk ist der Glaube an eine "geistige Welt", die es hinter den sichtbaren Erscheinungen zu entdecken gelte und die der Künstler nach einem "Prinzip der inneren Notwendigkeit" auszudrücken habe.
KANDINSKY suchte aus reinen Farben und Formen eine eigenständige bildnerische Welt aufzubauen. Wie die Farben, die KANDINSKY als selbstständige, die herkömmliche Gegenständlichkeit vollgültig ersetzende Bildelemente betrachtete, hatten auch die Formen vielfache Ausdrucksmöglichkeiten, unabhängig davon, ob sie etwas Erkennbares darstellten. So konnte eine Form für KANDINSKY ruhig oder bewegt, traurig oder fröhlich, ernst oder verspielt erscheinen. Die Linie hatte für ihn nicht mehr die Funktion, den Umriss für eine Figur, einen Gegenstand oder ein Gebilde anzugeben, sondern war ein freies kompositorisches Element (Bild 4).

In der während seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus entstandenen Schrift "Punkt und Linie zur Fläche" (1926) legte er seine fundamentale Harmonielehre der abstrakten Malerei dar.
In dem in Paris entstandenen Spätwerk öffnete sich KANDINSKY einer Formenwelt mit figurativen, biomorphen Assoziationen.
Als Grafiker bevorzugte KANDINSKY zunächst den Holzschnitt, später die Radierung.

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