




Neben DIEGO VELÁZQUEZ ist MANET als der bedeutendste "Schwarzmaler"
in die Kunstgeschichte eingegangen. Er verlieh der "Nichtfarbe"
Schwarz eine unvergleichliche Ausdruckskraft, indem er sie in all ihren
möglichen Valeurs - vor allem in der Kleidung Porträtierter
- wiedergab. Diese Souveränität, mit der er Schwarzwerte
in sein Bildkolorit aufnahm, weist ihm, dem Wegbereiter des Impressionismus,
einen besonderen Rang in der Kunst zu.
1883 starb MANET in Paris.
Sie schätzten das intensive Kolorit der Werke von TIZIAN, VERONESE und DELACROIX, die weiche, sichtbare Pinselführung bei DIEGO VELÁZQUEZ. Ihre direkten Wurzeln hatten sie im antiakademischen Realismus GUSTAVE COURBETs und in der Freilichtmalerei der Schule von Barbizon. Wie diese lehnten sie das Malen von Historienbildern, von religiösen, mythologischen und literarisch inspirierten Szenen ab und konzentrierten sich auf zeitgenössische Motive (Bild 6). MANET, EDGAR DEGAS und GUSTAVE CAILLEBOTTE fanden ihre Bildthemen im Großstadtleben von Paris, auf den neu entstandenen Boulevards, in lichtdurchfluteten Parkanlagen und Bahnhöfen, bei Pferderennen und Konzerten und in Tanzlokalen auf dem Montmartre.
MANET, der stets engen Kontakt zu seinen impressionistischen Malerkollegen hielt, von ihnen verehrt wurde, sie wesentlich beeinflusste und selbst Anregungen von ihnen empfing, hat jedoch nie gemeinsam mit ihnen ausgestellt. Er war einer der großen Einzelgänger in der Malereigeschichte des 19. Jahrhunderts. Trotz vielfacher Schwierigkeiten in der Pariser Kunstszene anerkannt zu werden, versuchte MANET immer wieder, seine Bilder im "Salon" zu zeigen. Die jährlich stattfindenden offiziellen Salons waren das wichtigste Forum für die Künstler in Paris, die, nachdem sie nicht mehr für kirchliche, höfische oder bürgerliche Auftraggeber arbeiteten, ihre Werke in diesen Ausstellungen einer größeren Öffentlichkeit zeigen und verkaufen konnten. Über die Zulassung und die bei bis zu 5 000 ausgestellten Werken wichtige Platzierung in den Räumen der Salons entschied eine Jury, die vorwiegend aus konservativen Mitgliedern der Kunstakademie und anerkannten Künstlern bestand. Unangepasste, fortschrittliche Künstler wurden oft jahrelang abgewiesen.
1863 schloss eine besonders konservative Jury so viele Werke von der
Ausstellung im Salon aus, dass NAPOLEON III. nach heftigen Protesten
den heute berühmten "Salon des Refusés"
("Salon der Zurückgewiesenen") gestattete. Dort waren dann
aber auch die Meisterwerke MANETs dem Spott der Massen, die das Neue und
Außerordentliche dieser Kunst nicht erkannten, ausgesetzt.
"Das
Frühstück im Grünen"
Laszive Darstellungen der unbekleideten Venus und badender Nymphen waren
im 19. Jahrhundert in den offiziellen Pariser Ausstellungssalons
ebenso zahlreich wie beliebt. Doch ÉDOUARD MANETs großformatiges
Gemälde "Le Bain", das später als "Das Frühstück
im Grünen", 1863; (vgl. Bild 3)
bekannt geworden ist, provozierte einen Skandal.
Die staatliche Ausstellungsjury
hatte das Bild von der Teilnahme am Salon ausgeschlossen. Im "Salon
des Refusés" zog es wie kein anderes Gemälde den Spott
der konservativen Kreise, aber auch die Bewunderung der wenigen Freunde
avantgardistischer Kunst auf sich.
MANET zeigt hier nicht, wie die Salonmaler, einen idealisierten Akt in
arkadischer Landschaft, sondern eine selbstbewusst und provozierend aus
dem Bild blickende Pariser Bürgerin,
die während eines Picknicks neben ihren männlichen Begleitern
sitzt und sich ausgezogen hat. Nur wenige erkannten, dass MANET berühmte
Vorbilder der Kunstgeschichte, wie GIORGIONEs im Pariser Louvre befindliches
"Ländliches Konzert" (um 1510) zitierte und so Geschichte
und Gegenwart zu einem konsequent modernen Bild verband.
MANET durchbrach aber nicht nur die Regeln
der Moral, sondern auch die der
gängigen Vorstellung von "guter Malerei": Die Frau im Bildhintergrund
ist nach perspektivischen Gesetzmäßigkeiten zu groß,
die klaren, mit sichtbaren Pinselstrichen aufgetragenen Farben erschienen
den Zeitgenossen - im Gegensatz zu den brauntonigen Salonbildern
- grell und flach. Doch für
die jungen Maler des Impressionismus wurde MANET damit zum neuen Vorbild
einer antiakademischen Malerei.