






Ägyptische Architektur
Ägyptische Architektur war vor allem Grab-
und Sakralarchitektur. Die profanen
Bauten, wie Königspaläste, Priester- und Beamtenwohnungen, stellte
man aus vergänglichen Materialien, aus Nilschlammziegeln (Bild 1),
Schilfmatten und Holz her. Die dauerhafte Steinarchitektur blieb den "Häusern
für die Ewigkeit" vorbehalten, denn sie sollten unzerstörbar
sein. So entstanden bereits in der 1. und 2. Dynastie steinerne Grabbauten
- die sogenannten Mastabas
1) .
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Ägypten - Kunst
der Pharaonen 2620 v. Chr. -395 n. Chr. |
Altes Reich (2700-2160
v. Chr.)
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Mittleres Reich (2040-1797
v. Chr.)
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Neues Reich (1543-1075 v. Chr.)
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Spätzeit, Griechisch-Römische
Zeit
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1)
Mastaba arab. "Bank":
altägyptischer Grabtyp mit rechteckigem, flachen Oberbau aus Ziegeln
oder Stein mit leicht geböschten Wänden, errichtet über
unterirdischen Anlagen (Sargkammer, Vorratsräume). Im späteren
Alten Reich wurden dem Oberbau reich geschmückte Kulträume eingefügt.
Mastabas blieben bis ins Mittlere Reich als Bestattungsbau für Wesire,
andere Beamte und deren Frauen bzw. Kinder aktuell.
Da die Chephrenpyramide
auf einem höheren Felsplateau steht, wirkt sie scheinbar größer
und mächtiger als die Cheopspyramide
(Bild 4, mittlere Pyramide), für die schätzungsweise 2,5 Millionen Steinblöcke
verarbeitet wurden. An der Spitze ist noch ein Teil der ehemaligen Verkleidung
aus geschliffenen Kalksteinplatten zu sehen. Der pyramidenförmige
Schlussstein (Pyramidion) soll vergoldet gewesen sein.
Rätselhaft bleibt bis heute, wie diese tonnenschweren Steinquader
bei wachsender Bauhöhe nach oben befördert wurden. Alle Annahmen,
wie der Gebrauch von Hebebalken und Spiralrampen, ließen sich nicht
belegen.
Der zur Chephrenpyramide gehörende Grabkomplex ist am besten erhalten.
An der Ostseite der Pyramide liegt der sogenannte Pyramidentempel
- auch Totentempel oder "Verehrungstempel"
genannt. Fünf Kapellen, ein geräumiger Statuenhof und Magazinräume
dienten dem religiösen Totenopfer. Ein 494 m langer, überdachter
Steingang, der sogenannte "Aufweg", verbindet den Pyramidentempel
mit dem sogenannten Taltempel. Dieser war den kultischen Handlungen,
die den Statuen des Pharaos galten, vorbehalten.
Während des Neuen Reiches bestattete man die Pharaonen ausschließlich
in Felsengräbern.
Diese Entwicklung in der Königsbestattung muss mit entscheidenden
Veränderungen des Jenseitsbildes verbunden gewesen sein. Nach diesen
Vorstellungen - so die Deutung - stieg der Pharao nun nicht
mehr über die monumentale Himmelsleiter der Pyramiden ins Jenseits,
sondern ging über ein tief liegendes Grab im Fels in die Unterwelt
ein.
Außer den Grabtempeln entstanden zunehmend Göttertempel,
in denen die unterschiedlichsten Götter verehrt wurden. Neben Göttern
von lokaler Bedeutung gab es andere, die den Status eines "großen
Gottes" besaßen, so z. B. der Sonnengott
Re oder der Gott des Windes Amon.
Die Verschmelzung beider Hauptgötter gipfelt in dem Kult um Amun-Re.
Ihm zu Ehren wurde der große Tempel
von Karnak (Bild 6) in der damaligen Hauptstadt Theben gebaut.
Wie andere Göttertempel auch, diente er nicht nur zur religiösen
Verehrung, sondern auch der Selbstdarstellung der Pharaonen und war als
religiöses Zentrum auch politisch motiviert. Den Amun/Amontempel
in Karnak begann man schon um 2000 v.Chr. zu bauen und erweiterte
ihn ständig bis in die römische Kaiserzeit. Die Hauptbauherren
waren THUTMOSIS II. (18. Dynastie) und RAMSES II. (19. Dynastie).
Auch die Tempel von Dendera, Edfu, Kom Ombo, Philae wurden noch in ptolomäisch-römischer
Zeit ganz in der Tradition ägyptischer Architektur gebaut, obwohl
die Fremdherrschaft das Alltagsleben
bereits stark abendländisch beeinflusst hatte.
Die Tempelanlagen
Ägyptische Tempelanlagen
waren eine Stadt für sich und mit einer Lehmziegelmauer umgeben.
Außer den Priestern und Pharaonen durfte kein Gläubiger die
Tore durchschreiten. Die Tempel bildeten den Rahmen für große
kultische Prozessionen. Die Anlagen begannen mit langen Sphinx-
oder Widderalleen (Bild 7), führten
durch mehrere Torbauten mit prächtigen Schauseiten (Pylone,
griech. "Portal": massiver, nach oben sich verjüngender
rechteckiger Torturm, der paarweise den Eingang altägyptischer Tempelanlagen
flankiert.), den Säulensaal, Statuenhöfe, vorbei an Stationskapellen,
in denen das Götterbild bei rituellen Ausfahrten vorübergehend
Platz zu nehmen hatte, bis ins Allerheiligste (Sanktuar) mit dem Götterbild.
Die ägyptischen Göttertempel
waren als Abbilder der Welt angelegt. Jeder Teil des Bauwerkes hatte eine
symbolische Bedeutung: z. B. galten die Pylone als Gebirgszüge, zwischen
denen die Sonne aufging. Durch eng stehende Säulen glichen die Hallen
einem steingewordenen Wald. Ihre Kapitelle
waren pflanzlichen Formen - Papyrus, Lotos, Palme - nachempfunden,
mit Reliefs und Hieroglyphen geschmückt und bemalt.
Felsentempel von Abu Simbel
Eine Sonderform ägyptischer Tempelanlagen sind die beiden Felsentempel
von Abu Simbel, die RAMSES II. (19.
Dynastie) 280 km südlich von Assuan am Nil anlegen ließ.
Beim großen Tempel symbolisierte die abgeschrägte Felswand
die Eingangspylone eines Göttertempels, vor denen vier 22 m hohe
Sitzfiguren angeordnet wurden. Sie verkörpern den Pharao als Gott
(Bild 8). Aus dem Felsen wurden auch alle notwendigen Räume -
Pfeilersaal, Magazine, Allerheiligstes - herausgebrochen. Zweimal
im Jahr werden die 60 m tief im Allerheiligsten stehenden Kultbilder
für wenige Minuten von der aufgehenden Sonne beleuchtet. Der benachbarte
kleinere Tempel ist der Göttin Hathor und der vergöttlichten
Königin NEFERTARI geweiht. Sie und RAMSES sind hier als Schreitfiguren
vor die Fassade gesetzt.
Die beiden Tempel wurden unter der Schirmherrschaft
der UNESCO 1964-1968 durch ein spektakuläres Bauvorhaben zerlegt
und versetzt. Ihre Rettung geschah buchstäblich in letzter Minute.
Ausgelöst durch den Bau des Assuanstaudamms,
wären sie sonst von den ansteigenden Wassermassen des Nils überflutet
worden.
Die Rettung der Tempel von Abu Simbel
Für die Rettung der Tempel wurde ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben,
an dem sich verschiedene Nationen beteiligten. Von den vielen eingegangenen
Vorschlägen kamen fünf in die engere Wahl.
Projekt 1 sah eine mehr als 70 m hohe
halbkreisförmige Betonmauer vor, die in unmittelbarer Nähe die
Tempel vor den ansteigenden Wassermassen schützen sollte. Mit diesem
Mauerbau wären die natürliche Verbindung zum Nil und das sogenannte "Sonnenwunder" nicht mehr gewährleistet.
Projekt 2 wollte durch eine neue seeähnliche
Wasserfläche und einen Erde-Gesteinsdamm, der in 300 m Entfernung
von den Tempeln aufgeschüttet werden sollte, die architektonische
Einheit Nil-Tempel und das Sonnenwunder erhalten.
Im Projekt 3 sollten die Tempel durch
eine dünnwandige Stahlbetonschale unterhalb des künftigen Wasserspiegels
abgedeckt werden. Die Zugänge zu den "Unterwassertempeln"
sollten mit Aufzügen in einem besonderen Schacht erfolgen.
Das Projekt 4 sah vor, die Tempel in
ein Stahlkorsett einzuspannen und sie allmählich 62 m hydraulisch
zu heben.
Schließlich entschieden sich die ägyptische Regierung und die
UNESCO für das Projekt 5. Fassade,
Decken und Tempelräume wurden von den überlagernden Materialien
befreit bis nur eine Steindicke von 80 cm übrig blieb. Das so entstandene
freistehende Bauwerk konnte nun nach genauen Vermessungen in über
8 000 einzelne Blöcke zerschnitten und abtransportiert
werden. Auf dem höher gelegenen Standort baute man unter einer Kuppelkonstruktion
aus Stahlbeton die Tempel wieder auf. Der große Stahlbetondom wurde
anschließend mit Steinmassen und Sand überdeckt. Dadurch fügte
sich der künstliche Hügel perfekt in die Natur ein. Seitdem
beeindruckt Abu Simbel wie vor dem Eingriff.