




Allgemeines
Die BEATLES (Bild 1 und 2, Internetverweis 1)
waren eine britische Popgruppe mit den Mitgliedern
29. November 2001 in Los Angeles, Internetverweis 2),
8. Dezember 1980 in New York, ermordet),
Sie haben sowohl die Entwicklung der Rockmusik mit ihren Produktionen maßgeblich geprägt als auch eine Vielzahl von Songs geschaffen, die bis heute nichts von ihrer einst spektakulären Popularität verloren haben.
Die frühen Jahre
JOHN LENNON gründete 1956 eine Skiffle-Band, The
Quarrymen, der sich 1957 PAUL MCCARTNEY, 1958 GOORGE HARRISON und
1959 Bassgitarrist STUART
SUTCLIFFE (* 1940 in Edinburgh,
1962 in Hamburg) anschlossen.
Als 1960 Schlagzeuger PETE BEST
(* 1941 in Liverpool) hinzukam, benannte sich die inzwischen als The
Silver Beetles auftretende Gruppe in The
BEATLES um und schuf sich
mit regelmäßigen Auftritten in Liverpool und der umliegenden
Region eine begeisterte Anhängerschaft.
Ihr Repertoire setzte sich aus Rock'n'Roll-Songs, US-amerikanischen Pop-Balladen
und afroamerikanischen Rhythm-and-Blues-Songs zusammen. Als STUART SUTCLIFFE
die Band 1961 wieder verließ, wechselte PAUL MCCARTNEY von der Gitarre
zum Bass. Nachdem man sich zugunsten RINGO STARRs von PETE BEST getrennt
hatte, war die endgültige Zusammensetzung der Beatles komplett: LENNON
spielte Rhythmus-, HARRISON Leadgitarre, alle vier sangen, die hauptsächlichen
Vokalisten waren jedoch LENNON und MCCARTNEY.
Nach mehreren Engagements in diversen Hamburger Clubs in den Jahren 1960-1962 brachte ihr Manager BRIAN EPSTEIN (1934-1967) die Gruppe 1962 bei Parlophone, einem Schallplattenlabel der EMI, unter. Von Label-Chef GEORGE MARTIN (*1926) produziert, erschien die erste Single "Love Me Do" im Oktober desselben Jahres.
Beatlemania
Der Erfolg in Großbritannien kam schon 1963 mit drei Nr. 1-Singles,
darunter "She Loves You", und zwei LP-Bestsellern, die eine
Mischung aus Eigenkompositionen und Cover-Versionen amerikanischer Rock'n'Roll-
und Rhythm and Blues-Songs enthielten. Ende 1963 wurden die BEATLES bereits
in ganz Europa imitiert.
Tausende Bands entstanden, die aussahen wie die BEATLES mit ihren legendären
Pilzfrisuren und die zu klingen versuchten wie die "Fab
Four" - so ihr Spitzname
in den britischen Medien.
Im Februar 1964 lösten Auftritte im amerikanischen Fernsehen die sogenannte "British Invasion" des amerikanischen Popmusikmarktes aus - die BEATLES hielten im April 1964 mit "Cant Buy Me Love", "Twist and Shout", "She Loves You", "I Want to Hold Your Hand" und "Please Please Me" die fünf ersten Plätze der US-Single-Charts, was es in der an Superlativen reichen Geschichte der US-Popmusik nie zuvor und auch seither nie wieder gegeben hat.
Dokumentiert ist ihr früher Stil am ausgeprägtesten mit den Alben "Beatles For Sale" (1964) und "A Hard Day's Night" (1964) sowie "Help!" (1965), beide mit erfolgreichen Spielfilmen verbunden.
Der spektakuläre Erfolg des Quartetts aus Liverpools
war mit einer an Hysterie grenzenden Begeisterungswelle Heranwachsender
verbunden, für die 1964 in der britischen Presse die Bezeichnung
"Beatlemania"
aufkam.
Schreikrämpfe, Weinkrämpfe, Ohnmachtsanfälle und Nervenzusammenbrüche
waren tatsächlich nicht selten die Begleiterscheinungen von Auftritten
der BEATLES. Allerdings ist dieses Phänomen in den Medien maßlos
übertrieben worden, was den Live-Auftritten der BEATLES wiederum
schon im vorhinein eine Aura des Sensationellen gab, die dann ihrerseits
zum Auslöser derartiger Exzesse wurde.
Von der Bühne ins
Studio
Von 1964 bis 1966 waren die Beatles nahezu ohne Unterbrechung weltweit
auf Tournee. Am 28. August desselben Jahres fand ihr letztes Konzert in
San Francisco statt.
Schon in ihren Alben "Rubber Soul" (1965) und stärker noch
in "Revolver" (1966) führten sowohl die Möglichkeiten
einer avancierten Studiotechnik als auch der Einfluss von Musikern wie
BOB DYLAN (* 1941) und ein neues Lebensgefühl zu einem reflektierteren
Kunstverständnis in ihrer Musik.
Während die BEATLES in das Umfeld von Hippiekultur, Drogengebrauch
und fernöstlichen Mystizismus gerieten, präsentierten ihre äußerst
einflussreiche LP "Sgt.
Pepper's Lonely Hearts Club Band"
(1967) und die Musik zu "Magical Mystery Tour" (1967),
einem surrealistischen Fernsehfilm, den in der damaligen Zeit fortgeschrittensten
Gebrauch der Aufnahmetechnik sowie ein völlig neuartiges Verständnis
von Popmusik als "Pop-Kunst".
Die Musik
Obwohl die frühen Beatles eine beeindruckende Live-Band waren, ist
ihre Musik wie bei noch keinem ihrer Vorgänger von den Möglichkeiten
der Aufnahmetechnik im Studio geprägt. Sie waren Meister im Erfinden
eingängiger, klanglich effektvoller Melodien, die sie unter voller
Ausschöpfung der aufnahmetechnischen Möglichkeiten des Studios
realisierten. Ihre Alben waren die ersten, die noch vor der Geburt des
"Konzeptalbums"
in Auswahl und Abfolge der Songs einem erkennbaren Konzept verpflichtet
waren und nicht - wie vordem üblich - eine bloß zufällige
Aufeinanderfolgen von Songs darstellten. Damit verwandelten sie die Schallplatte
in ein eigenständiges künstlerisches Medium, was in "Sgt.
Pepper" mit einem durchgestalteten Songzyklus seinen Höhepunkt
findet.
Die Musik der BEATLES wurde von vielfältigen Einflüssen geprägt, neben den zeitgenössischen afro- und euroamerikanischen Stilen auch vom anglo-irischen Volkslied und dem traditionellen populären Lied. Im Laufe ihrer Entwicklung erweiterten sich diese Einflüsse auch auf eine Reihe älterer Genres wie Ragtime, Walzer, Music Hall sowie auf klassische, asiatische und elektronische Musik sowie diverse Anregungen aus der musikalischen Avantgarde. Allerdings gingen die musikalischen Interessen und Vorlieben der vier BEATLES jenseits des Rock'n'Roll beträchtlich auseinander, ergänzten jedoch einander, z.B. MCCARTNEYs Gespür für interessante Melodien und ungewöhnliche harmonische Wendungen und LENNONs Sinn für Rhythmus, Klang und Wortspiel.
Die Zusammenarbeit von LENNON und MCCARTNEY als Songschreiber war nicht immer gleich eng, doch die Musik, die sich in der Studioarbeit entwickelte, war immer ein gemeinsames Produkt aller vier, ergänzt durch GEORGE MARTINs Beitrag vor allem zu Orchestration und Arrangement. Solche Formen einer kollektiven Kreativität waren für die Popmusik neuartig und wurden zum Modell.
In den wenigen Jahren von der ersten Veröffentlichung
der BEATLES 1963 bis zu ihrer Auflösung als Gruppe 1970, ist ihre
Musik durch eine beachtliche Zunahme der Komplexität von Text und
Musik gekennzeichnet. Ihr Stil war geprägt vom Prinzip der Synthese.
Bluesharmonien, Rockriffs, traditionelle Reihungsformen, modale Wendungen,
folkloristische Melodien, eine Vielzahl von Gesangstechniken und andere
Elemente verschmolzen in ihren Produktionen zu einem einzigartigen Ganzen.
Um 1965/66 sind neue Einflüsse erkennbar: Neben extrovertierten Rocksongs
wie "Day Tripper" (1965) und einfache strukturierten Balladen
wie "Yesterday" (1965) stehen nun Songs mit sorgfältig
ausgearbeiteten unorthodoxen Akkordwechsel, ungewöhnlichen Phrasenverbindungen
und irregulären rhythmische Mustern ("Drive My Car", 1956;
"She Said, She Said", 1966; "Good Day Sunshine", 1966)
oder unkonventionellen Arrangements (die Streicher in "Eleanor Rigby",
1966; die Bachtrompete und die Flöten in "Penny Lane",
1967; das Flügelhorn in "For no One", 1966).
In diese Periode fallen auch der erstmalige Einsatz synthetischer Klänge,
die Nutzung von elektronisch bearbeiteten vokalen und instrumentalen Klangfolgen
und von Tonbandcollagen ("Rain", 1966; "Tomorrow Never
Knows", 1966; "Strawberry Fields Forever", 1967; "Being
for the Benefit of Mr. Kite", 1967; u.a.).
Die Bedeutung
Auch wenn die direkten musikalischen Einflüsse, die von den BEATLES
und ihrer Musik ausgingen, in einem merkwürdigem Missverhältnis
zu ihrem Erfolg stehen - ihr Stil blieb ohne Folgen und Nachfolger
-, ihre Songs gehören dennoch zu denen, die in immer wieder
neuem musikalischen Gewand zu Nachproduktionen herausforderten und dadurch
zu Klassikern wurden. So brachte es
"Yesterday"
(1965) bis heute auf die meisten Versionen, die in der Geschichte der
Popmusik von einem einzelnen Song erschienen sind und noch immer kommt
er in neuen Fassungen auf den Markt.
Der strukturelle Einfluss dagegen, den die BEATLES auf die Popmusik und ihre Entwicklung ausübten, ist kaum zu überschätzen. Insbesondere das Gruppenkonzept, die kollektive Organisation kreativer Prozesse, hatte weitreichende Folgen für die Entwicklung der populären Musik. Es gab den Musikern die Kontrolle über ihre Musik zurück, die sie im Zuge der Aufsplitterung der kreativen Funktionen an spezialisierte und unabhängig voneinander arbeitende Texter, Komponisten, Arrangeure und Produzenten an die diese Funktionen zusammenführenden Musikverlage und Plattenfirmen verloren hatten. Die BEATLES realisierten mit Hilfe ihres engagierten Produzenten GEORGE MARTIN so nicht nur ihre eigenen, oft unorthodoxen Ideen, sondern sie komponierten den Großteil ihres Repertoires auch selbst - in der Popmusik bis dahin eher die Ausnahme. Dabei gehörten sie zu den ersten, die die nahezu grenzenlosen musikalischen Möglichkeiten der Aufnahmetechnik im Studio erkannten und für die Realisierung ihrer Ideen auch konsequent nutzten.
Mit dem Namen der BEATLES verbindet sich schließlich auch die Herausbildung eines modernen Musikmarketing. Der Stellenwert des Exportartikels "Beatles" in der Außenhandelsbilanz Großbritanniens - der Musikexport hatte sich durch die Gruppe verzwanzigfacht - veranlasste 1965 das britische Repräsentantenhaus zu dem ungewöhnlichen Schritt, die BEATLES dem britischen Königshaus für die Verleihung des prestigeträchtigen Ordens M.B.E. (Most Excellent Order of the British Empire) vorzuschlagen. JOHN LENNON allerdings sandte seinen Orden 1970 wegen der Rolle Großbritanniens im Vietnamkrieg zusammen mit einem offenen Brief an die britische Königin zurück.