


Musiker
Zu den Musikern,
die an der Ausarbeitung dieser Spielweise des Jazz maßgeblich beteiligt
waren, gehörten
Ihr Versuch zu einer Erneuerung des Jazz, der ab Mitte der 1940er-Jahre
mit Vehemenz die Jazzentwicklung erfasste, stand im Zeichen eines neuen
politischen Selbstbewusstseins der Afroamerikaner und richtete
sich ganz bewusst gegen das soziale und ästhetische Normensystem
der weißen Mittelschichten, an das sich die Big Bands des Swing
um den Preis wachsender Kommerzialisierung mehr und mehr angepasst hatten.
Vor dem Hintergrund des sich auch politisch wandelnden Selbstverständnisses
der Farbigen in den USA entstand so eine Musik, die nicht mehr den Weißen
zum Geschäft werden, sondern das Recht der afroamerikanischen Bevölkerungsminderheit
auf ihre eigene kulturelle Identität behaupten sollte. In der Forderung
nach künstlerischer Freiheit und ihrer Verwirklichung sahen diese
Musiker auch ein Stück sozialer Freiheit, was für sie den Jazz
zu einem künstlerischen Ausdrucksmedium
im Kampf um soziale Gleichstellung werden ließ. Die Suche
nach neuen musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten führte zu einem
intellektuell anspruchsvollen Musizieren, das den Jazz endgültig
aus seiner funktionalen Bindung als Tanzmusik befreite. Der Bebop leitete
damit die Ära des Modern Jazz
ein.
Musikalische Merkmale
Zu Kennzeichen dieser Spielweise
(Hörbeispiel 1 und 2) wurden
Der Ausgangspunkt für die Entwicklung des Bebop liegt im Solistenkonzept
des Swing und den im Umfeld der Swing
Big Bands entstandenen kleinen Experimentalformationen - auch wenn
sie sich die Musiker des Bebop selbst als radikale
Alternative zum Swing begriffen, was sie im Hinblick auf die Big-Band-Version
des Swing und dessen überperfektionierte Arrangements ja auch waren.
Feste Besetzungsstandards
gab es im Bebop nicht, obwohl das Quintett mit Trompete, Saxphon, Klavier,
Kontrabass und Schlagzeug eine häufig gebrauchte Zusammenstellung
war.
In Instrumentenbehandlung
und Spielweise begann sich die Grenze zwischen Melodie- und Rhythmusinstrumenten
allmählich zu verwischen, was vor allem für das Schlagzeug
mit Konsequenzen verbunden war. Es wurde jetzt mit fast melodieartiger
Wirkung sowie als Background-Klangfarbe gespielt, statt wie bisher lediglich
die metrische Basis des musikalischen Ablaufs vorzugeben. Der durchlaufende,
gleichmäßig stark betonte Beat ging auf den Kontrabass
über. Ein ausgeprägtes Offbeat-Spiel
ließ jetzt erste Ansätze zur Polyrhythmik
erkennen, da die Offbeat-Akzente nun unregelmäßig fielen. Die
Bassstimme wurde melodisch weitaus flexibler als bisher gehandhabt und
entwickelte sich zu einer selbstständigen Gegenstimme.
Hinter all dem stand die Suche nach einer möglichst unvermittelten
Expressivität, die sich auch in der Improvisationstechnik
niederschlug. An die Stelle der improvisierenden Umformung vorgegebenen
Materials trat nun ein viel freierer Bezug auf das vereinbarte Thema,
dessen bislang verbindliches harmonisches Grundgerüst durch Erweiterung
und Alteration häufig soweit verändert wurde, dass es schließlich
in der Improvisation als Thema gar nicht mehr erkennbar war. CHARLIE
PARKER führte in seinen Soli dann zusätzlich noch die
weitgehende Dissoziation des zunächst
entwickelten melodischen Materials durch Reduktion auf seine Zentral-,
Ziel- und Spitzentöne ein - eine Spielweise, die später
von MILES DAVIS (1926-1991) vervollkommnet wurde. Die Rekonstruktion
des melodischen Verlaufs blieb dem Hörer überlassen.
Bebop-Rezeption
Trotz einhelliger Ablehnung dieses Stils seitens der (weißen) Jazzkritik
erweiterte sich der Kreis der Bebop-Musiker ab Mitte der 1940er-Jahre
rasch und fand eine unerwartete Resonanz bei der weißen amerikanischen
Nachkriegsjugend, die diese Musik als Zeichen des Nonkonformismus schlechthin
annahm. Aus dem Bebop wurde damit die "Bopper-Kultur"
- Sammelbecken weißer wie schwarzer Aussteiger aus dem "American
way of life", wenn auch jeweils aus unterschiedlichen Gründen.
In musikalischer Hinsicht hat der Bebop die harmonischen, melodischen
und rhythmischen Grundlagen für alle weiteren Entwicklungsformen
des Jazz, bis hin zum Free Jazz, gelegt.