
Lebenslauf
CHARLES IVES (Bild 1)
wurde am 20. Oktober 1874 in Danbury, Connecticut, als Sohn eines
US-Army-Kapellmeisters geboren. Bereits in frühem Alter bekam er
Musikunterricht von seinem Vater, wurde als 14-Jähriger mit Organistenstellen
betraut, studierte dann 1894-1898 Musik an der Yale University bei
HORATIO PARKER (1863-1919). Er
entschloss sich anschließend zur Laufbahn als Versicherungsverkäufer
und betrieb die Komposition als Hobby.
Nach seiner Hochzeit 1908 mit HARMONY TWITCHELL (1876-1979) zog IVES
nach New York und wurde Teilhaber an der Versicherung
"Ives & Myrick". Infolge von Erkrankungen (ein erster
Herzinfarkt 1918, Diabetes) und Depressionen schränkte er das Komponieren
mehr und mehr ein, 1925 entstand sein letztes Stück "A
Farewell to Land". 1930 zog sich Ives aus dem Berufsleben
zurück, er lebte fast ohne Kontakt zum zeitgenössischen Musikgeschehen
und ohne sich um die Aufführung seiner Werke zu bemühen. Erst
durch die Unterstützung des Komponisten LOU
HARRISON (1917-2003), den er 1940 kennen lernte, erreichte er
eine größere Öffentlichkeit, und erhielt für die
von HARRISON dirigierte 3. Sinfonie
1947 den Pulitzer Preis für Musik.
Er starb am 09.05.1954 in New York.
IVES Kompositionstechnik
Nur einen Monat nach ARNOLD SCHÖNBERG (1874-1951) geboren, entwickelt
IVES vor dem Hintergrund klassischer Satztechniken einen eigenen Weg
in die Moderne ("Vater der modernen amerikanischen Musik").
Sein Schlüsselerlebnis von räumlich
entfernt spielenden Gruppen findet sich in vielen seiner Werke
in Form von
wieder, woraus sich atonale harmonische Felder ergeben. Etwa in "The Unanswered Question" von 1908 arbeitet IVES mit drei unabhängigen Schichten:
Während die Streicher in dreifachem Pianissimo, mit Dämpfer und in räumlicher Entfernung ein langsames Klangband reiner Dreiklänge spinnen (IVES notiert in der Partitur: "die Stille"), intoniert die Trompete siebenmal eine "fragende" Zweitaktphrase (IVES: "die ewige Seinsfrage"), die von der Holzbläsergruppe in zunehmend längerem, lauterem und tonreicherem dissonanten Satz nur unzureichend beantwortet wird (IVES: "die Jagd nach der unsichtbaren Antwort"), bis nach der letzten Frage nur noch die Klangfläche der Streicher übrig bleibt. IVES nimmt hier auch Bezug auf die transzendentalistischen Schriftsteller
denen er schließlich in seiner zweiten Klaviersonate mit dem programmatischen
Titel "Concord, Mass., 1840-1860" jeweils einen Satz widmet.
IVES verarbeitet auch, durchaus humorvoll, folkloristisches
Material als Ausdrucksmedium amerikanischer Geschichte und Lebensart
in seine collagierten Kompositionen, wie den
IVES letztes, unvollendetes Projekt war die "Universe Symphony", zu der erste Skizzen 1911-1915 entstanden, an der er aber 1927/1928 und bis drei Jahre vor seinem Tod weiterarbeitete. Zunächst schwebte IVES eine Besetzung von 4 520 Musikern vor, die in 5-14 Gruppen aufzuteilen wären. Die von dem amerikanischen Komponisten LARRY AUSTIN (* 1930) schließlich nach nahezu 20-jähriger Arbeit zusammengestellte und 1994 uraufgeführte Version kam zwar mit 200 Musikern in sieben Gruppen aus, ließ aber die Grundidee unangetastet: Ein riesig besetztes und im Freien aufgeführtes Werk, das den Zuhörern durch ihr Wandern im Raum zwischen den Ensembles vielfältige Zusammenklänge der verschiedenen musikalischen Schichten eröffnete.
Werke
IVES Gesamtwerk umfasst: