






Arten des Instrumentalkonzerts im
Barock
Im Barock kann man zwischen drei Arten
des Instrumentalkonzerts unterscheiden, die verschiedene Besetzungsmöglichkeiten
aufzeigen.
Das "Concerto grosso" ging aus der venezianischen Mehrchörigkeit hervor und stellt eine Übergangsstufe vom mehrchörigen Konzert zum Solokonzert dar. Hier vollzieht sich ein Wechselspiel zwischen dem Hauptorchester, dem Concerto grosso (ital. = großes Konzert), und einer kleinen Solistengruppe, dem Concertino (ital. = kleines Konzert). Dieser Besetzungstyp bestimmt die Gattung "Concerto grosso".
Herkunft des Concerto-grosso-Typus
Die Wurzeln des Concerto-grosso-Typus
liegen in der Triosonate mit
der charakteristischen Besetzung: zwei höhere Melodieinstrumente
(Violine, Flöte, Oboe u. a.) und Generalbass (Cembalo und Bassmelodieinstrument).
Diese dreistimmige Anlage entspricht dem Concertino-Part im Concerto grosso.
Die Triosonate tritt sowohl in Gestalt
Dabei handelt es sich um die zwei Hauptformen der Sonate, die seit der Mitte des 17. Jh. voneinander abzugrenzen sind.
Charakteristisch für die Kirchensonate ist ihre Viersätzigkeit (ausnahmsweise 3 oder 5 Sätze) und die kontrastierende Satzfolge: langsam - schnell - langsam - schnell (daneben: schnell - langsam - schnell - schnell). Einem langsamen geradtaktigen Einleitungssatz folgt meist ein schneller fugierter 2. Satz. Es schließt sich wiederum ein langsamer Satz an, diesmal aber in ungerader Taktart nach dem Vorbild einer Sarabande. Der schnelle Schlusssatz ist meist fugiert und oft in tanzartigem Rhythmus nach Art einer Gigue, eines Menuetts oder einer Gavotte gestaltet. Alle Sätze beruhen auf einem einheitlichen motivischen und melodischen Material sowie auf einem festen Modultationsgerüst.
Die Kammersonate besteht zumeist aus drei verschiedenen Tanzsätzen in gleicher Tonart. In der Regel handelt es sich um die Folge: Allemande - Corrente oder Sarabande - Giga oder Gavotte, denen oft noch ein Präludium vorangestellt ist.
Beide Sonaten-Formen näherten sich Ende des 17. Jh. einander an. Es wurden Sätze mit Tanzcharakter in die Sonata da chiesa überführt bzw. Sätze, die nach Art der Kirchensonate gebildet waren, in die Kammersonate eingefügt. In diesem Zusammenhang entsteht die Form des Concerto grosso, das die Satzfolge und die Formtypen beider Sonaten-Modelle in sich aufnimmt. Im Zuge der Angleichung von Kirchen- und Kammersonate entwickelt sich schließlich die "neutrale" Triosonate. ARCANGELO CORELLI (1653-1713, Bild 1) verwendete in seinen Concerti grossi (um 1680) überwiegend den viersätzigen Typus, der zum Vorbild wurde. Erst durch ANTONIO LUCIO VIVALDI (1678-1741) setzte sich das dreisätzige venezianische Muster: schnell - langsam - schnell durch.
Die Ritornellform im Concerto grosso
Das italienische Wort "Ritornell"
lässt sich mit "Wiederkehr" übersetzen. Im barocken
Instrumentalkonzert des ausgehenden 17. und 18. Jh. beschreibt der
Begriff die mehrfache Wiederkehr des Orchesterparts zwischen den einzelnen
Solo-Partien. Die Tutti-Abschnitte des Concerto grosso können also
als Ritornelle bezeichnet werden.
Die barocke Ritornellkonzertform tritt
in der Regel in den beiden Außensätzen des dreisätzigen
Konzerts auf. Ein Eingangsritornell und ein Abschlussritornell, beide
in der Grundtonart, umrahmen diese Sätze. Im Satzinneren treten die
Solisten des Concertino in Soloabschnitten aus dem Tutti des Concerto
grosso heraus. Es kommt daher zum festen Wechsel
zwischen Ritornell und Solo. Die solistischen Abschnitte werden
üblicherweise Couplets genannt.
In ihnen erklingt neues musikalisches Material, mit dem der Komponist
erzählt und mit dem er ein neues harmonisches Ziel erreicht. Tatsächlich
sind es die Episoden, in denen moduliert wird, während man in den
Ritornellen die harmonischen Ziele des Satzes verfolgen kann.
Damit ist die Ritornellkonzertform durch drei verschiedene Aspekte
geprägt.

Solo. Eine dritte Besonderheit der Ritornellform ist die spezifische
Arbeit mit dem musikalischen Material. Ritornell und Episode
haben verschiedenartiges Material, weil sie nicht denselben musikalischen
Zwecken dienen. Das Tutti spielt auf unterschiedlichen Tonstufen das
gleichbleibende in sich geschlossene Ritornell, das Solo die wechselnden
modulierenden Episoden. In der Regel sollte es zwischen Tutti- und
Soloabschnitten zu keiner Materialüberschneidung kommen. Manchmal
ergeben sich aber doch Berührungspunkte, wenn das Material eines
Ritornells in einem Soloabschnitt näher erklärt wird. Die
italienischen Bezeichnungen Ritornell 
Episode
werden im Französischen durch die Begriffe Refrain
Couplet
ersetzt.
Die Ritornellkonzertform bei ANTONIO
LUCIO VIVALDI (1678-1741)
Die Entwicklung der Ritornellkonzertform verbindet sich in besonderem
Maße mit den Concerti ANTONIO
LUCIO VIVALDIs (1678-1741,
Hörbeispiel 1: Violinkonzert g-Moll op. 8
- "Die vier Jahrezeiten", 3. Satz). Mit ihnen beginnt
zwar nicht die Geschichte dieser Form, aber sie zeigen in bis dahin nicht
gekannter Weise die kunstreichen Möglichkeiten der Variation von
Ritornellen auf. Dieser Abwechslungsreichtum VIVALDIs wird durch die Unterteilung
des Eingangsritornells in die drei Abschnitte:
"Vordersatz", "Fortspinnung" und "Kadenz"
ermöglicht. Oftmals wird diese Anzahl der Formteile durch eine "Überleitung"
vor der "Kadenz" erweitert. Diese vier Teile a - b -
c - d bilden den Ausgangspunkt für die Auswahl bzw. die Abspaltung
der späteren Tutti-Abschnitte, in denen das Material "wiederkehren"
kann. Deshalb weisen die einzelnen Tutti-Abschnitte unterschiedliche Längen
auf.
Der bedeutendste Komponist in dieser Tradition war GEORG
FRIEDRICH HÄNDEL (1685-1759, Bild 2). Durch die Aufnahme
einzelner Suitensätze zeigen seine Concerti grossi in besonderem
Maße eine abwechslungsreiche und farbige Satzfolge (Hörbeispiel 4:
Concerto grosso B-Dur op. 3 Nr. 2 1. Satz).