ANTOINE DOMINO (Bild 1),
wegen seiner Körperfülle "FATS"
genannt, wurde am 26. Februar 1928 in New Orleans (Louisiana) als
Kind eines Geigers geboren und wuchs zusammen mit seinen acht Geschwistern
im französischsprachigen Teil von New Orleans auf. Später selbst
Vater von acht Kindern, war der junge DOMINO schon frühzeitig gezwungen,
mit Jobs zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Schon als Siebenjähriger
hatte er sich mithilfe eines Onkels das Klavierspielen
beigebracht und bereits im Alter von zehn Jahren begann er in den lokalen
Bars und Tanzklubs der Region mit einzelnen Klaviernummern aufzutreten.
Die Schule brach er fünfzehnjährig ab und verdingte sich zunächst
in einer Fabrik als ungelernter Arbeiter. Über seine abendlichen
Klubauftritte kam DOMINO in Berührung mit den Bluespiano-Stilen
der Region und der reichhaltigen Boogie-Tradition
von New Orleans, deren prominentester Vertreter er werden sollte.
The Fat Man
In einem dieser Klubs, dem "Hideaway",
traf er 1949 auf LEW CHUDD (1911-1998),
den Eigentümer der in Los Angeles ansässigen Plattenfirma "Imperial
Records", und DAVE BARTHOLOMEW
(* 1920), Leiter der Band des Labels. Die ungehobelte und spontane
Art des übergewichtigen singenden Pianisten faszinierte die beiden
derart, dass sie ihn umgehend unter Vertrag nahmen. Wenig später
stand DOMINO - begleitet von der DAVE BARTHOLOMEW BAND - mit
einem umgetexteten Blues von WILLIAM THOMAS
"CHAMPION JACK" DUPREE (1909-1992), dem in der Originalfassung
1941 erschienenen "Junker
Blues", das erste Mal im Studio.
In DOMINOs Version hieß der einstige Drogen-Song in Anspielung auf
seinen voluminösen Körperumfang "The
Fat Man" (1950).
Mit dieser Produktion begann zugleich die langjährige Zusammenarbeit
mit BARTHOLOMEW, der in fast allen Titeln DOMINOs, sofern sie nicht auf
Standards oder Traditionals zurückgehen, als Co-Autor ausgewiesen
ist. "The Fat Man", obwohl fest in der lokalen Tanzblues-Tradition
verankert, gilt als eines der ersten Zeugnisse jener Entwicklung, für
die einige Jahre später die Sammelbezeichnung "Rock
and Roll" (Rock 'n' Roll)
geprägt wurde. Sie war es auch, die 1952 den Anlass für den
ersten, in der amerikanischen Branchenzeitschrift "Variety"
erschienenen Bericht über die sich abzeichnenden ungewöhnlichen
Musikvorlieben von Teenagern aus den weißen Mittelschichten lieferte.
Der gleichen Aufnahmesession wie "The Fat Man" entstammte auch
das im selben Jahr erschienene "Every
Night About This Time" (1950),
in dem die zum Markenzeichen DOMINOs gewordene triolische
Begleitfigur das erste Mal bei ihm zu hören ist.
Der Durchbruch
Zwar gehört DOMINO zu jenen afroamerikanischen Musikern, die mit
ihren Produktionen die Aufmerksamkeit weißer Teenager erregten,
doch auch für ihn kam der Durchbruch
erst, als 1955 sein "Aint That
a Shame" (1955) von einem weißen Musiker, PAT
BOONE (* 1934), nachproduziert und diese Version auf Anhieb zum Hit
wurde.
Für DOMINO, der bis dahin noch immer hauptsächlich im Süden
aufgetreten war, begann daraufhin eine Phase ausgedehnter Tourneen kreuz
und quer durch die USA. Er erschien in mehreren Rock n Roll-Filmen,
darunter
in denen er erfolgreich sich selbst spielte.
1957 startete RICKY NELSON (1940-1985)
mit einem Domino-Titel - "Im
Walkin" (1957) - seine Karriere als jugendlicher
Star des Rock n Roll, was auch FATS DOMINO, der
inzwischen als einer der Väter des Rock n Roll
auch in Europa gefeiert wurde, noch einmal einen kräftigen Popularitätsschub
brachte. Die Erfolgssträhne riss erst ab, als CHUDD 1963 "Imperial
Records" aufgab, was auch der Zusammenarbeit von BARTHOLOMEW und
DOMINO ein Ende setzte. Im Jahr darauf eroberten sich die BEATLES den
amerikanischen Musikmarkt, und um DOMINO, der zu "ABC Paramount"
gewechselt war, wurde es merklich ruhiger.
Rock n Roll Forever
Auch wenn das Zeitalter des Rock n Roll unwiderruflich
beendet schien, tourte DOMINO trotz schwindender Publikumszahlen unverdrossen
weiter. Seine Plattenveröffentlichungen
beschränkten sich allerdings auf Neuausgaben und Neueinspielungen
alter Titel und auf eigene Fassungen von aktuellen Pop-Standards, darunter
auch eine Version des John Lennon/Paul McCartney-Songs "Lady
Madonna" (1968) der BEATLES.
Als in den 1970er-Jahren die Revival-Shows
mit den Rock n Roll-Legenden einsetzten, war DOMINO nicht
nur dabei, sondern zu diesem Zeitpunkt noch immer aktiv. Die Stetigkeit,
mit der er sich sein Publikum über alle Wechselfälle des Musikmarktes
hinweg zu erhalten wusste, haben ihn mit mehr als 100 000 000
verkaufter Platten zu einem der erfolgreichsten afroamerikanischen
Musiker überhaupt gemacht, der selbst im Alter von über siebzig
Jahren noch immer einen großen Teil des Jahres auf Tournee ist.