


Charakteristisch für den Generalbass ist die Ableitung der begleitenden Akkorde eines Musikstückes aus der notierten Bassstimme nach festgelegten Regeln. Die Grundlage der Notation ist eine Kurzschrift aus Zahlen, die üblicherweise unter dem Notensystem notiert wurde. Die Ziffern 1, 2, 3 usw. stehen für die Intervalle, die sich jeweils auf den Basston beziehen. Eine 4 und 6 bedeutete demnach, dass der Spieler Quarte und Sexte über dem Grundton zu greifen hat, wobei er die Lage der Töne frei wählen kann. Akkorde in Grundstellung bleiben unbeziffert und für nichtleitereigene Terzen werden meist nur Erhöhungs- oder Erniedrigungszeichen angegeben. Soll eine Harmonie bis zum nächsten Basston liegen bleiben, so wird dies mit waagerechten Strichen notiert. Da also durch die Bezifferung nur die Harmonie festgelegt war, konnte der Spieler seine Begleitung dem musikalischen Zusammenhang entsprechend frei gestalten. Die Verbindung der einzelnen Akkorde musste jedoch den Regeln des Kontrapunkts entsprechen.
Generalbassinstrumente
Als Generalbassinstrumente
wurden je nach Gattung, Stil und Ort vor allem
wobei die Basslinie meist noch von einem Streich- oder Blasinstrument wie
Generalbassspiel
Das Generalbassspiel (Hörbeispiele 1
bis 3) kam gegen Ende des 16. Jh. in Italien in der Kirchenmusik auf,
als man vorhandene mehrstimmige Vokalwerke für die Orgel oder Laute bearbeitete, indem man die Stimmen in einer
Begleitung zusammenfasste. Dies sollte den solistischen Vortrag von Motetten
und Kantaten ermöglichen. Erst LODOVICO
VIADANAs (um 1560-02.05.1627)
geistliche Konzerte ("Cento concerti ecclesiastici", 1602) waren
dann neu komponierte Werke für Singstimmen und Generalbassbegleitung.
Daneben gab die Entstehung der Oper um 1600 in Florenz Ausschlag für die Weiterentwicklung des Generalbasses,
denn der neue Kompositionsstil der Monodie, bei dem sich eine Singstimme in freier Deklamation entfaltete, verlangte
nach einem stützenden Akkordgerüst. Voraussetzung dafür war
der im 16. Jh. zur Grundlage des harmonischen Geschehens gewordene
Dreiklang.
Im Hochbarock wurde in fast allen Formen der Instrumentalmusik sowie im Rezitativ der Oper die stützende Funktion des Generalbass vorausgesetzt. Ab Mitte des 18. Jh. verlor er dann nach und nach an Bedeutung, da die Komponisten die Mittelstimmen der Begleitung zunehmend ausschrieben (obligates Akkompagnement), weil die starren Akkordschläge des Generalbasses inzwischen häufig als störend empfunden wurden. Komponisten wie
schrieben Lehrwerke für Schüler des Generalbassspiels, die gleichzeitig als Einführungen in die Komposition dienten.
(Die Hörbeispiele 1 bis 3 beinhalten:
- Triosonate A-Dur für Flöte, Violine und Generalbass,
Adagio, GEORG FRIEDRICH HÄNDEL
- Kanon in D-Dur für 3 Violinen und Generalbass, JOHANN PACHELBEL
- Konzert für Oboe, Streicher und Generalbass d-Moll, 2. Satz,
GEORG PHILIPP TELEMANN)