









1703 wurde BACH eingeladen, die neue Orgel in Arnstadt zu prüfen.
Nach einem Probevorspiel wurde er als Organist
angestellt und hatte dieses Amt bis 1707. Auch in den späteren Jahren
wurde BACH mehrfach als Orgelprüfer bestellt. Um sich zu vervollkommnen,
wanderte er nach Hamburg, Celle und Lübeck und lernte die großen
Orgelmeister JOHANN ADAM REINKEN (1623-1722)
und DIETRICH BUXTEHUDE (1637-1707)
kennen. In dieser Zeit komponierte BACH Choralvorspiele, Präludien
und Fugen für Orgel und Cembalo.
1707 ging er als Organist an die Sankt-Blasius-Kirche nach Mühlhausen.
Hier entstanden Kantaten und weitere Orgelwerke. Am 17.10.1707 heiratete
er seine Cousine MARIA BARBARA BACH
(1684-1720).
1708-1717: Hoforganist, Kammermusiker
und Konzertmeister in Weimar
1708 wechselte BACH vom Kirchenmusiker zum Kammermusiker
und Hoforganisten.
Er wurde "Cammermusicus und Concertmeister" am Hof des
Herzogs WILHELM ERNST VON WEIMAR (1662-1728).
Als Organist der herzoglichen Kapelle spielte er bei der höfischen
Kammermusik auch Cembalo und Bratsche.
Beeindruckt von italienischen Virtuosen, insbesondere aber von der Kompositionsweise
des Italieners ANTONIO VIVALDI (1678-1741) übertrug BACH einige
von dessen Violinkonzerten auf andere Instrumente. Auf diese Weise entstanden
insgesamt 21 Konzert-Transkriptionen
für Cembalo und Orgel (1713/1714).
Als Orgelvirtuose wurde er bald auch an anderen Höfen Deutschlands
bekannt. In den neun Jahren in Weimar komponierte er seine größten
und heute berühmtesten Orgelwerke.
Um sein Können an andere weiterzugeben, verfasste BACH Zeit seines
Lebens verschiedene Unterrichtswerke.
Als erstes entstand das "Orgelbüchlein.
Worinne einem anfahenden Organisten Anleitung gegeben wird".
Der Widmungstext:
"Dem Höchsten Gott allein zu Ehren / dem Nechsten, draus sich zu belehren."
lässt den Einfluss MARTIN LUTHERs (1483-1546) auf BACHs Erziehungs- und Kunstauffassung erkennen.
1716 ließ Herzog WILHELM ERNST VON WEIMAR BACH für knapp einen
Monat einsperren. Die Gründe hierfür lagen in Zwistigkeiten
um ein Entlassungsgesuch BACHs.
Die zweistimmigen Inventionen (Invention bedeutet so viel wie Einfall) und die dreistimmigen Sinfonien waren für den Unterricht auf damals gebräuchlichen Tasteninstrumenten bestimmt: Cembalo, Clavichord und Orgel. Mit dem Studium dieser Stücke sollten die Schüler
In kompositorischer Hinsicht stellen die Stücke Modelle für
motivische und thematische Erfindungen und deren Entwicklung dar.
Auch mit den Englischen und Französischen Suiten
für Klavier verband BACH die Absicht, die spieltechnischen Fertigkeiten
seiner Schüler zu verfeinern.
Ebenfalls als Unterrichtswerk entstand 1722 "Das
wohltemperierte Klavier",
Teil 1. Hierbei handelt es sich um eine Sammlung von 24 Präludien
und Fugen, die der Förderung der virtuosen Spieltechnik dienen. Mit
ihnen beweist BACH, dass in allen denkbaren Dur- und Moll-Tonarten musiziert
werden kann. Der Name der Sammlung "wohltemperiert" leitet sich
von einem neuen System der Stimmung (oder Temperatur) von Tasteninstrumenten
her, das zu BACHs Zeit eine Neuheit darstellte.
20 Jahre später setzte BACH diese Sammlung fort und komponierte
nochmals 24 Präludien und Fugen - den zweiten Teil des
"Wohltemperierten Klaviers" (1744).
Nach der Heirat des Fürsten LEOPOLD mit einer Prinzessin von Anhalt-Bernburg
schien dessen Interesse an Musik nachzulassen. Deshalb und auch, um seinen
Söhnen ein Universitätsstudium zu ermöglichen, bewarb sich
BACH für das Amt des Thomaskantors in Leipzig.
In den ersten Jahren als Thomaskantor komponierte BACH für den sonntäglichen Gottesdienst jeden Sonntag eine neue Kantate, studierte sie ein und führte sie mit den Thomas-Schülern auf. Insgesamt soll BACH etwa 300 Kantaten komponiert haben. Da nicht alle erhalten geblieben sind, lässt sich die genaue Anzahl nicht mehr feststellen.
Im Rahmen des Kirchenjahres kommt der Karfreitagsliturgie besondere Bedeutung
zu. Traditionell erklingen dazu Passionsmusiken.
1724 führte BACH seine Johannes-Passion
auf. In ihr überwiegt die bildhafte und dramatische Gestaltung der
Leidensgeschichte nach dem Evangelium des Johannes.
1729 erfolgte die Aufführung seiner Matthäus-Passion.
Im Mittelpunkt dieses monumentalen Werkes steht der Bericht vom Leiden
Christi - erzählt vom Evangelisten Matthäus. BACH sah bei
diesem Werk den größten Aufführungsapparat vor, den er
je verwendet hatte. Von seinen Zeitgenossen wurde die künstlerische
Meisterschaft dieses Werkes allerdings kaum beachtet. Nach dem Tode BACHs
geriet die Matthäus-Passion in Vergessenheit und wurde erst 100 Jahre
nach ihrer Entstehung durch die Berliner Singakademie unter Leitung von
JAKOB LUDWIG FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY
(1809-1847) wieder aufgeführt (1829).
1729 übernahm BACH die Leitung eines Collegium musicum. Dies war eins der beiden bürgerlichen "Orchester" der Stadt, das 1702 von GEORG PHILIPP TELEMANN (1681-1767) gegründet worden war. Es veranstaltete wöchentlich Konzerte im Zimmermannschen Kaffeehause. Dargeboten wurden
für den Kurfürsten FRIEDRICH AUGUST III. (1696-1763)
und dessen Gattin MARIA JOSEPHA VON HABSBURG (1699-1757), wie "Tönet
ihr Pauken, erschallet Trompeten". Teile dieser Kantate hat BACH
später mit anderen Texten versehen (Parodieverfahren)
und in seinem "Weihnachtsoratorium"
(1734/1735) verwendet.
Auch die "Kaffekantate", ein
Singstück mit der humorvollen Anspielung auf die damalige Modeerscheinung
des Kaffetrinkens in der Messestadt Leipzig, wurde für das Collegium
musicum komponiert und durch dieses Ensemble aufgeführt.
Als 1733 FRIEDRICH AUGUST II. (1696-1763), Kurfürst von
Sachsen, die Thronfolge antrat, überreichte ihm BACH zu diesem Anlass
zwei Sätze einer Messe, die später zur h-Moll-Messe
fertiggestellt wurde. Im Begleitschreiben bewarb er sich um ein "Praedicat"
der Dresdner Hofkapelle. Mit einem Hoftitel erhoffte er sich die Verbesserung
seiner Stellung in Leipzig. 1736 erhielt er den Titel
eines kurfürstlich-sächsischen Hofkomponisten ehrenhalber.
Die h-Moll-Messe ist von ihrem Umfang und von ihren aufführungspraktischen
Erfordernissen eine Konzertmesse. Sie kann als Summe der künstlerischen
Entwicklung BACHs und seiner religiösen Bekenntnisse aufgefasst werden.
1747 trat BACH eine Reise nach Berlin und Potsdam an, um seinen Sohn CARL PHILIPP EMANUEL BACH (1714-1788) zu besuchen, der am Hofe von König FRIEDRICH II. (1712-1786) als Kapellmeister angestellt war. FRIEDRICH II., selbst ein guter Flötist, hatte von BACHs Orgelkunst und seinem Talent zur Improvisation gehört. Er ließ sich nun davon überzeugen. Im Anschluss an die Reise arbeitete BACH das vom König erhaltene musikalische Thema in strenger Polyphonie dreistimmig und sechsstimmig aus. Die entstandenen Kanons sind die kunstvollsten, die BACH je geschrieben hat. Er widmete die Sammlung dem König unter dem Titel : "Musikalisches Opfer".
Zyklische Großwerke in den letzten LebensjahrenIn den letzten Lebensjahren litt BACH unter einem Augenleiden, das schließlich zur Erblindung führte. Am 28. Juli 1750 starb BACH in Leipzig an einem Schlaganfall (Bild 8).
Wirkung
JOHANN SEBASTIAN BACH war zu seiner Zeit ein gefragter und berühmter
Orgelvirtuose und Cembalospieler, dessen Kunst der Improvisation bewundert
wurde. Seine Musik wurde von Musikkennern geschätzt. Vielen seiner
Zeitgenossen kam sie als "gekünstelt", "schwülstig"
und "verworren" vor und wurde gegen Ende seines Lebens als zu
gelehrt abgelehnt.
Nach seinem Tod geriet BACHs Musik lange Zeit in Vergessenheit. Erst im
19. Jh. begann die Musikwelt BACHs Musik durch die Wiederaufführung
der Matthäus-Passion neu zu entdecken.
Die hohen spieltechnischen Anforderungen und die geistige Durchdringung
seiner Werke setzten Maßstäbe für nachfolgende Musikergenerationen.
Im Laufe der Entwicklung wurden viele seiner Werke bearbeitet und dem
Zeitgeschmack angepasst.
Die Auseinandersetzung mit BACHs Musik wird als Schlüssel zum Verständnis
von abendländischer Musik betrachtet.
Gesamtschaffen
Das Gesamtschaffen JOHANN
SEBASTIAN BACHs umfasst mehr als 1 000 Werke. Der deutsche Musikwissenschaftler
WOLFGANG SCHMIEDER (1901-1999)
hat sie im Bach-Werke-Verzeichnis (abgekürzt:
BWV) thematisch-systematisch (nach
Gattungen) geordnet. Zu BACHs Werken gehören: