












Unsere Alltagsumgebung ist voller Klanglandschaften (soundscapes), die sich zusammensetzen aus Geräuschen, Lärm, Gesprächen und musikalischen Ausdrucksformen aller Arten.
Beispiel:
Die Klanglandschaft eines typischen Markplatzes
setzt sich zusammen aus Rufen der Händler, die ihre Waren auf dem
Markt feil bietet, dem Reden und Plappern der Leute, dem Geläute
der Kirchenglocken, den Lärmgeräuschen des Verkehrs, bis hin
zum Plätschern der Brunnen, dem Gurren der Tauben, dem Geschrei der
Kinder und den Klängen von Straßenmusik, Radio und Zeitansagen
aus der Bahnhofshalle.
Der Begriff der "Klanglandschaft" wurde nachhaltig durch den Komponisten R. MURRAY SCHAFER mit seiner
Publikation "The Tuning of the World" (1977), geprägt.
Er untersuchte mit seiner Studie die sich verändernde Klangwelt von
Städten und Dörfer und war damit ein Wegbereiter
der akustischen Ökologie-Bewegung.
Verschiedene Foren für
Klangslandschaften nehmen sich heute der Dokumentation der traditionellen
und auch mediasierten Klangwelten an, nicht zuletzt auch im Sinne eines
neuen akustischen, ästhetischen oder kulturorientierten Ökologiebewusstseins.
Die Geburt der Musik geht aus der Organisation von
Tönen hervor, die sich vorwiegend mit periodischen Schwingungen vom
Hintergrund eines unstrukturierten, unperiodisch verlaufenden Rauschens
abzugrenzen trachtet. Musik als Ritual der Wahrnehmung oder als geschaffenes
Artefakt erklingt als eine in die Welt gesetzte Struktur, die sich mit
einer intendierten Ordnung eine Distanz zur alltäglichen Geräuschkulisse
schafft.
Hörbeispiele:
Im Zeitalter des rauschenden Lärms der Autobahnen,
der dröhnenden Düsenjets, des Computerrauschens, der fortwährenden
Berieselung durch Muzak und der stillschweigend hingenommenen noise
pollution erscheint das sanfte Plätschern des Wassers in der
friedvollen Kunst eines Zen-Gartens wie ein Zeichen aus einer anderen
Welt.
Das berühmte Haiku des japanischen Dichters MATSUO BASHÔ (1644-1694) bleibt ein Erinnerungssprung in jene Stille, in der das zum Augenblick gefrorene Geräusch noch ein flüchtiger Teil eines ewig rauschenden Zeitflusses bleibt:
| Der uralte Weiher, Ein Frosch springt hinein - Wasserplatschen! |
