

Von der "ORGANSIATION" zum
"KRAFTWERK"
KRAFTWERK (Bild 1, Internetverweis 1)
geht auf eine 1968 in Düsseldorf von den beiden Musikstudenten
unter dem Namen ORGANISATION gegründetes Jazz-Rock-Projekt zurück. Dem Unternehmen war wenig Erfolg beschieden, obwohl es 1969 in England sogar zu einer Plattenveröffentlichung kam und beide über eine solide Konservatoriums-Ausbildung in mehreren Instrumenten verfügten. Sie zogen die Konsequenz und sich ins eigene Studio, "KlingKlang", zurück, aus dem sie 1970 mit dem aus diversen elektronischen Klängen und der ungewöhnlichen Unterstützung gleich von zwei Schlagzeugern (ANDREAS HOHMANN, KLAUS DINGER) zusammengebastelten Album "KRAFTWERK" (1970) unter eben diesem Namen wieder auftauchten. Produziert hatte das Debüt CONNY PLANK (1938-1987), einer der innovativsten deutschen Musikproduzenten. Diesmal gelang der Durchbruch nahezu über Nacht. Der synthetische Electronic-Sound lag voll im Zug der Zeit. Er bediente gleichermaßen das Tanzbedürfnis des Publikums wie er sich auch für spektakuläre Bühnenpräsentationen eignete - damals noch ein Spagat, der nun wenigen gelang.
Musik als Mensch-Maschinen-Symbiose
Die beiden Sound-Bastler realisierten sofort, dass sie auf eine Goldader
gestoßen waren und begannen, das für die damalige Zeit revolutionäre
Konzept einer elektronisch generierten "Maschinen-Musik"
systematisch auszubauen. Die beiden Schlagzeuger, die an ihrer Debüt-LP
noch mitgewirkt hatten, ersetzten sie durch elektronisches Schlagwerk
und arbeiteten nun als Duo weiter. Die Texte ihrer "Songs",
die Titel trugen wie
wurden auf ein Minimum von wenigen Worten reduziert, die Stimmen häufig verfremdet, sodass ein roboterhafter Gesamteindruck entstand, der auf der Bühne mit einer Art "Anti-Show" - minimalen mechanischen Bewegungen - effektvoll in Szene gesetzt war. 1974 hatten sie mit "Autobahn" einen außergewöhnlichen Hit auch auf dem US-Markt. Das gleichnamige Album erreichte 1975 Platz 5 der amerikanischen LP-Charts und die Singleversion des Titelsongs schaffte es bis auf Platz 25, damals eine Sensation, die den legendären Ruf von KRAFTWERK als eine der ganz wenigen in den USA überhaupt wahrgenommenen nicht englischsprachigen Künstler bis in die Gegenwart hinein begründete. Das Album war mit WOLFGANG FLÜR (* 1947, perc) und KLAUS RÖDER (* 1946, vi, g, keyb) eingespielt worden, was aus der Band wieder ein Quartett machte. RÖDER wurde 1975 von dem Schlagzeuger KARL BARTOS (* 1949, dr) abgelöst, womit KRAFTWERK erneut die ungewöhnliche Besetzung von zwei Schlagzeugern aufwies. In dieser Formation entstanden die beiden Alben
die KRAFTWERK zu einer der einflussreichsten Bands der 1970er-Jahre machten. Mit
wurde die futuristische Techno-Ästhetik
mit Einflüssen des russischen Konstruktivismus
der 1920er-Jahre verbunden und in einer Reihe von minimalistischen Songs
entfaltet.
Danach wurde es deutlich ruhiger um KRAFTWERK. Die sogenannte Neue
Deutsche Welle bedeutete auch für KRAFTWERK, wie für
viele Rockbands der älteren Generation, einen Verlust an Medienpräsenz
und Popularität, zumal sich die Musiker jeder Anpassung an den veränderten
Zeitgeschmack verweigerten. Mit "Electric
Café" erschien 1986 zwar ein weiteres Album, das aber
außerhalb der deutlich kleiner gewordenen Fangemeinde kaum noch
wahrgenommen wurde. 1990 verließen WOLFGANG FLÜR, der kurzzeitig
durch den Toningenieur FRITZ HILPERT
(* 1949) ersetzt wurde, und KLAUS RÖDER, den der Tontechniker
HENNING SCHMITZ (* 1950) ablöste,
das Unternehmen KRAFTWERK, das sich mittlerweile in esoterischen Experimenten
im eigenen "KlingKlang-Studio" erging. Das 1991 erschienene
Album "The
Mix" enthielt nur noch Bearbeitungen
früherer Kompositionen, die der digitalen Herausforderung in der
Musikproduktion zu begegnen suchten.
Das Comeback
Auch wenn das Duo HÜTTER/SCHNEIDER aus der Öffentlichkeit verschwunden
schien, für Musiker blieben die avantgardistischen Klangexperimente
von KRAFTWERK eine ständige Quelle der Inspiration. Als AFRIKA
BAMBAATAA (* 1960, Bild 2) im Rahmen seines einflussreichen
Electro-Funk-Konzepts
auch auf KRAFTWERKs "Trans-Europa-Express" zurückgriff,
erschloss er die Altmeister des Electronic Rock der Hip-Hop-Generation,
was ungeahnte Folgen haben sollte. Die Musik KRAFTWERKs inspirierte die
DJs zu eigenständigen Klangbasteleien, in die nicht selten gesampelte
KRAFTWERK-Zitate integriert waren.
| Als für solche elektronisch generierten Sound-Collagen in Detroit der Begriff "Techno" geprägt wurde, war eine neue Musikform entstanden, für die KRAFTWERK mit ihrer Musik unmittelbar Pate gestanden hatten. |
Im Mai 1997 tauchten sie in Luton nahe London im Rahmen der Techno-Veranstaltung
"Tribal Gathering" nach längerer Abwesenheit erstmals wieder
mit großem Erfolg in der Öffentlichkeit auf. Für die EXPO
2000 schufen sie als Auftragswerk den offiziellen EXPO-Jingle.