




Der Komponist erfuhr große Förderung durch den Wiener Adel, bei dem er ein hohes Ansehen besaß, was ihm ein Auskommen sicherte und eine freie Existenz als Musiker ermöglichte. Viele seiner Werke sind seinen Mäzen gewidmet, u. a.
Als BEETHOVEN 1808 eine Stellung in Kassel angeboten wurde, setzten Adelige ihm ein jährliches Einkommen aus unter der Bedingung, dass er in Wien bliebe, was er annahm.
Frühe Schaffensphase bis 1802
In BEETHOVENs erste Schaffensphase
fallen seine ersten beiden Sinfonien
(C-Dur op. 21, 1799-1800; D-Dur op. 36, 1801-1802),
die beide noch deutlich den Einfluss HAYDNs spüren lassen, sowie
die ersten drei Klavierkonzerte, die
Klaviertrios op. 1 (1795), Klaviersonaten
(u. a. Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op. 13 - "Sonate
pathétique", 1798/1799, im Hörbeispiel 1 der 3. Satz)
und frühe Streichquartette. In
diesen Jahren knüpfte BEETHOVEN an den Stil der Wiener
Klassik an, der geprägt war von
Um 1795 zeichnete sich BEETHOVENs zunehmendes Gehörleiden
ab, das ihn im Verlauf der Jahre immer tiefer in depressive Zurückgezogenheit
trieb. Bereits 1808 litt er unter starker Schwerhörigkeit, musste
das Konzertieren aufgeben und 1819 ertaubte er vollständig. In den
letzten Jahren konnte BEETHOVEN mit der Außenwelt nur noch mittels
schriftlicher Aufzeichnungen kommunizieren. 400 Konversationsbücher
sind aus dieser Zeit erhalten. Ein Ausdruck seines Leidens wurde das sogenannte "Heiligenstädter Testament",
ein Abschiedsbrief an seine Brüder, den er 1802 schrieb. Nur die
Kunst sei es, die ihn vom Selbstmord zurückhalte, der Drang, alles
hervorzubringen, "wozu ich mich aufgelegt fühlte".
Seine überwältigende Vorstellungskraft, die er in der zunehmenden
Isolierung in Musik fasste, ging einher mit einem künstlerischen
Sendungsbewusstsein, wie es typisch für den geniehaften Künstlertypus
des 19. Jh. werden sollte.
Mittlere Periode 1802-1812/1814
Die mittlere Schaffensperiode
zeigt einen BEETHOVEN, der kompositorisch neue und individuell eigene
Wege ging. Er brachte verstärkt außermusikalische Inhalte in
die Musik, wobei es mehr eine poetische Idee als ein konkretes Programm
ist, das sich in seinen Werken wiederfindet (u. a. "Sturmsonate"
op. 57, oder auch die Sinfonie Nr. 6, die "Pastorale"
op. 68). BEETHOVEN suchte auch nach neuen musikalischen Formen und
ersetzte z. B. in der Klaviersonate op. 26 den üblichen
Sonatenkopfsatz durch Variationen. Außerdem steigerte er den Klang
der Musik bis ins Extreme und verließ die herkömmliche Ästhetik
ausgewogener Schönheit zugunsten eines neuen Ausdruckideals.
In dieser Phase entstanden auch die Sinfonien
Nr. 3 bis 8, die von einer
neuartigen dramatischen Konzeption geprägt sind. Alle musikalischen
Augenblicke scheinen immer nur Voraussetzung für den folgenden sein,
permanent strebt das Werk seinem Finale entgegen.
BEETHOVENs Klavierkonzerte Nr. 4 und Nr. 5 gelten als Gipfelpunkt der Gattung (Hörbeispiel 2: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73, 3. Satz). Anders als die ersten seiner Klavierkonzerte, die noch ganz in der Tradition des 18. Jh. standen, gehen diese Werke weit über die übliche heitere Unterhaltung hinaus. BEETHOVEN
In dieser Phase komponierte BEETHOVEN auch das Violinkonzert
D-Dur op. 61. Seine einzige Oper
"Fidelio",
durchdrungen von humanistischem Menschheitsideal und im Stil der französischen
revolutionären Rettungsoper, wurde 1805 unter dem Titel "Leonore"
uraufgeführt und noch zweimal überarbeitet. Ihr war kaum Erfolg
beschieden.
Späte Periode ab
1815
BEETHOVENs letzte fünf Klaviersonaten, darunter die "Große
Sonate für Hammerklavier" op. 106 tragen die charakteristischen
Züge seines Spätwerks.
Hier wandte BEETHOVEN sich zurück zu polyphonem Denken und knüpfte
an die vorklassische Tradition des kontrapunktischen Satzes an. So schloss
er op. 106 mit einer groß angelegten Fuge. Doch er verband
die Tradition mit der von ihm entwickelten Dramatik des Sonatenhauptsatzes
und neuen poetischen Ideen. Gleiche Tendenzen lassen sich auch in seinen
späten Streichquartetten nachweisen. Sein humanistisches Sendungsbewusstsein
fand Ausdruck in der 9. Sinfonie,
in der das ungewöhnliche Chorfinale FRIEDRICH SCHILLERs (1759-1805)
"Ode an die Freude" zitiert,
sowie in der "Missa solemnis" (Hörbeispiel 3:
Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125, 4. Satz - "Freudenmelodie").
Wirkung
Die Wirkung besonders der Sinfonien
BEETHOVENs ist einmalig in der Musikgeschichte. Im Laufe des 19. Jh.
wurden sie zum Inbegriff des klassischen Monumentalwerks,
das durch seine jeweilige Einzigartigkeit besticht. Ihre formale Struktur
wurde zum zentralen Merkmal der gesamten Gattung und das Werk nachfolgender
Komponistengenerationen wurde danach bewertet, wie es sich mit den Sinfonien
BEETHOVENs auseinandersetzte. JOHANNES BRAHMS
(1833-1897) bekannte, er habe für seine erste Sinfonie beinahe
20 Jahre gebraucht, weil er meinte, nach BEETHOVEN keine Sinfonie
mehr schreiben zu können.
Werke
Zu den Hauptwerken
BEETHOVENs gehören u. a.: