




















MIDI
Das Musical Instrument
Digital Interface,
kurz MIDI genannt, wurde 1983 erfunden.
Ursprünglich diente es dazu, mehrere Synthesizer zu verbinden, um
so mit der Tastatur des einen Instruments die Klänge des anderen
spielen zu können. Mittlerweile ist es meist ein Computer, der mit
verschiedenen anderen Instrumenten oder einer Keyboardtastatur verbunden
ist.
MIDI ist also ganz allgemein eine Schnittstelle für den Datenaustausch zwischen mehreren digitalen Musikinstrumenten.
Dabei werden keine Klänge übertragen, sondern
nur die Informationen über Tonhöhe, Anfang und Ende des Tons,
Anschlagstärke und weiteren Steuerungsfunktionen weitergeleitet.
Es ist das empfangende Gerät, zum Beispiel der Computer, das die
erhaltenen Informationen in Klänge umwandelt.
Im Computer können eingespielte MIDI-Daten mit Hilfe einer Sequencer-Software abgespeichert werden. Der Sequencer kann dabei wie eine Tonbandmaschine benutzt werden, die auf der Tastatur gespielte Töne in beliebigem Tempo aufnimmt und abspielt. Man kann die Töne aber auch einzeln per Mausklick eingeben.
Ist eine Melodie, eine Stimme oder ein
ganzes Stück erst einmal als MIDI-Datei
abgespeichert, lässt sich diese sehr bequem bearbeiten. So können
z.B. Fehler, wie zu lang gehaltene Noten oder unrhythmisch gespielte Töne,
nachträglich korrigiert werden.
Außerdem können alle Stimmen mit beliebigen Klängen abgespielt
werden. Die gleiche Bassstimme, die einmal als Tuba erklingt, wird ein
anderes Mal mit einem Kontrabass-Klang gespielt.
Damit es bei der Vielzahl von möglichen
Klängen kein völliges Durcheinander gibt, haben sich die Hersteller
von MIDI-Instrumenten 1991 auf einen einheitlichen Mindeststandard, General
MIDI genannt, geeinigt. Dabei wurden 128 verschiedene Instrumentenklänge
in Gruppen zusammengefasst und jeweils mit einer Nummer versehen. Es wird
dadurch möglich, den einzelnen Stimmen eines MIDI-Arrangements spezifische
Instrumentenklänge fest zuzuweisen.
Dies ist insbesondere wichtig, wenn man fertige MIDI-Arrangements aus
dem Internet lädt. Die feste Zuordnung gewährleistet, dass diese
Arrangements auch nach dem Download so klingen, wie es der Arrangeur vorgesehen
hat (siehe Text 1).
Doch Vorsicht
beim Downloaden!
Natürlich gilt das Urheberrecht auch für MIDI-Dateien.
Insbesondere für klassische Musik gibt es aber eine ganze Reihe von Datenbanken mit MIDI-Dateien, die kostenlos und legal auf den eigenen Computer geladen werden können:
Bearbeitung von MIDI-Dateien
Im Folgenden soll gezeigt werden, wie die unterschiedlichen
Darstellungsmöglichkeiten von MIDI-Dateien das Hören der Musik
intensivieren und unterstützen kann.
Wenn eine MIDI-Datei in ein Sequencer-Programm geladen wird, erscheint sie zunächst im Projektfenster (Bild 1). In unserem Beispiel ist es die C-Dur-Fuge aus dem ersten Band des Wohltemperierten Klaviers von J. S. BACH (Hörbeispiel 1).
Die vier Stimmen dieser Fuge sind vier verschiedenen MIDI-Kanälen zugeordnet und erscheinen deshalb in getrennten Spuren. Das hat den Vorteil, dass man jede Stimme einzeln hören kann, indem man die anderen Spuren ausschaltet. Außerdem kann die Lautstärke jeder Stimme unabhängig von den anderen reguliert und so eine Stimme stärker hervorgeholt werden, was das analytische Nachvollziehen dieser Stimme wesentlich erleichtert.
Jedes bessere Sequencer-Programm hat aber noch weitere hilfreiche
Visualisierungsmöglichkeiten. Im sogenannten "Tasteneditor"
werden die einzelnen Töne wie auf einer Pianorolle dargestellt (s.
Bild 2).
Die Klaviatur auf der linken Seite visualisiert die Tonhöhe und die
Taktleiste am oberen Rand die zeitliche Einordnung der Noten. Hohe Töne
erscheinen also oben, tiefe Töne unten und lange Noten sind als lange
Balken dargestellt. Mithilfe des Positionsanzeigers, der die gerade erklingenden
Töne markiert, lässt sich der Verlauf des Stückes so leicht
nachvollziehen.
Auch die einzelnen Themeneinsätze sind durch ihre jeweils charakteristische
Visualisierung leicht zu erkennen. Die farbliche Hervorhebung einzelner
Stimmen kann eine zusätzliche Stütze beim Hören geben.
Viele Sequencer-Programme ermöglichen es außerdem, auf die traditionelle Notendarstellung umzuschalten (s. Bild 3). Auch hier hilft der Positionszeiger beim visuellen Nachvollziehen des Gehörten. Im Gegensatz zu einer normalen Klavierausgabe mit zwei Zeilen (Systemen), hat hier jede Stimme eine eigene Notenzeile. Das erleichtert das Verfolgen einer Stimme natürlich.
Gerade bei so schwer zu hörenden Stücken wie einer
Fuge helfen die verschiedenen Darstellungsformen der MIDI-Datei, sich
im Stück zu orientieren, Themen und Motive wiederzufinden und einzelne
Stimmen zu verfolgen. Insbesondere Hörern, die Mühe mit der
traditionellen Notenschrift haben, kann das gleichzeitige Hören und
Sehen zum besseren Verständnis des Stücks verhelfen. Natürlich
bietet die Verbindung von MIDI-Datei und Sequencer-Programm darüber
hinaus noch unzählige weitere Bearbeitungsmöglichkeiten, auf
die hier nicht eingegangen werden kann.
Produktion eigener Musik
Das MIDI-Format macht es aber auch sehr leicht, eigene Musik zu produzieren.
Ein Beispiel dafür ist das Erstellen einer Schlagzeugbegleitung.
Die Schlagzeug- und Perkussionklänge sind im General
MIDI Standard auf dem MIDI-Kanal 10 gesammelt. Jeder Klang hat eine eigene
Tastenzuordnung. So liegt zum Beispiel die Bass Drum auf der Taste des
C1 (siehe Text 2).
Wenn der MIDI Kanal 10 eingeschaltet ist, kann man also auf einem miditauglichen
Keyboard wie auf einem Schlagzeug spielen.
Auch beim Produzieren einer Schlagzeugbegleitung helfen die Visualisierungsmöglichkeiten eines Sequencer-Programms.
In fast jedem dieser Programme
gibt es einen Schlagzeugeditor,
mit dessen Hilfe auch komplizierte Schlagzeugpatterns problemlos
erstellt werden können.
Auf der linken Seite des Schlagzeugeditors sind die
verschiedenen Klänge in der standardisierten Reihenfolge aufgelistet.
Diese können auf jeder Zählzeit der Taktleiste ausgelöst
werden. Bild 4 zeigt ein sehr einfaches Rockpattern,
bestehend aus Bass Drum, Snare Drum
und geschlossener Hi-Hat, aus dem sich
viele andere Stilistiken entwickeln lassen (s. auch Hörbeispiel 2).
Soll zum Beispiel eine Hip-Hop-Begleitung produziert werden, muss vor allem die Bassdrum bearbeitet werden.
Typisch ist ein zweiter Bass kick auf der 1+.
Oft wird auch der Bass kick auf der 3 um eine Achtel vor- oder zurückversetzt.
Zusätzlich lassen sich auf allen Offbeats Akzente mit kurzen, knackigen Klängen einbauen.
Hier sind die eigene Kreativität und der eigene
Geschmack gefragt! Gut ist, was gefällt!
(siehe auch Hörbeispiel 3)
Einige Stile, wie Shuffle oder Reggae lassen sich mit einer Achtel- oder Sechzehntelunterteilung nicht darstellen, weil die Achtel triolisch punktiert werden müssen. Dafür gibt es zwei Lösungsmöglichkeiten:
Typisch für den Shuffle-Rhythmus sind die triolisch punktierten Achtel auf der Hi-Hat.
Mit ein paar Veränderungen wird aus dem Shuffle-Rhythmus ein Reggae-Pattern.
Die Triolenachtel auf der Hi-Hat können beibehalten werden. Der Rest kann sehr frei zusammengestellt sein.
Wichtig ist nur, dass der Bass kick auf der 1 weggelassen wird.
Anstatt der Snare wird im Reggae oft ein Rim Shot oder Side Stick verwendet, der auf Schlag 1 und 3 gespielt wird.
Ansonsten sind auch hier der eigenen Kreativität keine
Grenzen gesetzt!
(siehe auch Hörbeispiel 5)