Der Mannheimer Hof umfasste eine große Schlossanlage, eine Schlosskirche und ein neues Opernhaus und eigens dafür wurden Kirchenmusiken, Opern, Orchester- und Kammermusik komponiert. Der Kurfürst KARL THEODOR war ein Musikliebhaber, der selbst Flöte und Cello spielte. Das Hoforchester bestand seit 1720, gelangte aber erst durch JOHANN STAMITZ zu seiner Besonderheit und zu seinem Ruhm.
JOHANN STAMITZ
JOHANN STAMITZ (1717-1757) wurde 1741
als Erster Hof-Violinist eingestellt und war ab 1745 bis zu seinem Tode
als Konzertmeister der Hofkapelle für die Orchestermusik verantwortlich. Neu in der Orchesterbehandlung
von STAMITZ waren
womit STAMITZ die Entwicklung zum klassischen
Orchester in der zweiten Hälfte des 18. Jh. einleitete.
Diese Besetzung wurde bald zur Norm. Anfangs wurden Bläser lediglich
zur Verdopplung der Violinen oder zur Stützung der Harmonie eingesetzt,
nun gewannen sie an Eigenständigkeit und melodisch geprägte
Abschnitte wurden zunehmend von ihnen gestaltet.
Diese Neuerung ging mit der Aufnahme von zusätzlichen
Instrumenten einher. Einerseits fand die Klarinette Einzug in den Apparat und das Horn wurde verstärkt eingesetzt. Andererseits wurde das Orchester immer
reicher besetzt. So wurde 1747 die Zahl der Streicher von 14 auf 24 und
die Zahl der Bläser von 10 auf 12 erhöht, 1756 waren es bereits
30 Streicher.
Der Mannheimer
Kompositionsstil
Unter den Orchestermitgliedern befanden sich außer JOHANN STAMITZ
noch zahlreiche andere komponierende Musiker, die ihre Sinfonien für
die Mannheimer Hofkapelle komponierten. Die Neuartigkeit der Besetzung,
die eng an den neu entwickelten Kompositionsstil gebunden war, ließ
schon früh den Begriff der "Mannheimer
Tonkunst" aufkommen.
Die exquisite Besetzung und die solistisch virtuosen Fähigkeiten der Streicher und Bläser sicherten die hohe Qualität der Mannheimer Hofmusik, die auch auf einer kontinuierlichen Förderung durch den Kurfürsten basierte. Die Musiker stammten aus ganz Europa, was bedeutend für die Einflusszonen der Musik war. Die Mannheimer begeisterten durch Natürlichkeit und Schwung und der dynamische Orchestervortrag gilt als Wurzel einer neuen Instrumentalsprache. Ein viel gerühmtes Qualitätsmerkmal des Orchesters war die Nuancierung des dynamischen Vortrages.
Da in Mannheim überwiegend eigene Kompositionen gespielt wurden, arbeitete sich bald ein spezifisch Mannheimer Kompositionsstil heraus, wobei die Gattung Sinfonie im Vordergrund stand. Kompositionstechnisch gab es folgende wesentliche Errungenschaften:
Stilistisch stand die Mannheimer Schule ganz im Zeichen der affektvollen Motivfiguren und der klanglichen und dynamischen Kontraste. Effekte wie
wurden als "Mannheimer Manieren" bezeichnet.
Auf engstem Raum fanden Forte-Piano-Wechsel statt, die eine dramatische und augenblicksbezogene Wirkung erzeugten. Spezielle Effektfiguren wie
wurden gestisch eingesetzt und sorgten für ein lebhaftes Konzerterlebnis. Die planmäßige Wiederkehr von eigenständigen Passagen, die oft eine diatonisch oder in Dreiklangsstufen aufsteigende Melodielinie (Walze) über einem Trommelbass hatte, gab dem Satz die Struktur. Typisierende Eröffnungswendungen waren Akkordschläge, die meistens vom gesamten Orchester ausgeführt wurden. Ebenso typisch waren fanfarenartige, aufwärtsgeführte Dreiklangsbewegungen (Rakete) oder ganz allgemein die häufige Anwendung von Unisonoanfängen.
JOHANN STAMITZ und die von ihm gegründete Schule entdeckten die Sinfonie als "Hinhör-Musik", die als solche nicht einem intendierten Zweck dient - z. B. der Eröffnung eines Opernspektakels - sondern die, zum Hinhören komponiert und gespielt, die Sinne fesselt. Kompositorisch waren STAMITZ' Orchestertrios op. 1 für zwei Violinen und Bass kammermusikalisch solistisch oder orchestral mehrfach besetzt und die vierstimmigen Sinfonien (mit Bläsern) wegweisend. STAMITZ galt als geistiges Haupt der Schule. Weitere Komponisten waren
Die Mannheimer Schule zeichnete sich besonders durch Mannigfaltigkeit aus und die Art des Komponierens brachte einen neuen Ton in die Instrumentalmusik und konnte in ihrer befreienden Frische in hohem Maße anregend und revolutionierend wirken. Zu ihrem Ende hin und in der Rezeption wurde sie allerdings auch skeptisch beurteilt, da der Musik ein Stagnieren der Kompositionskunst bescheinigt wurde. Demnach war die Musik in ihrer geschichtlichen Rolle zeitlich begrenzt, da diese Kompositionsart als fixierter Stil aus sich heraus kaum entwicklungsfähig war.