






Geschichte
Die militärische Funktion
des Marsches ist schon im Altertum nachweisbar. Mit der Einführung
des im Tempo vorgegebenen Gleichschritts
(Bild 1) in das militärische Reglement im 17. Jh. und der
Ablösung des bis dahin üblichen Trommelschlags durch Blasorchester
(Militärmusik,
Bild 2) gewann der Marsch an Bedeutung, und nach und nach bildeten
sich, namentlich in Preußen unter FRIEDRICH WILHELM I. (1688-1740),
den verschiedenen Erfordernissen entsprechende, vor allem im Tempo differierende
Typen heraus:
Jedes Regiment erhielt einen eigenen Marsch. Traditionsreiche Märsche sind beispielsweise
Das letzte Beispiel belegt auch die Praxis, Titel und Widmungen alter
Märsche auszutauschen, um sie somit der gewünschten Ideologie
anzupassen.
Im preußischen Heer unterschied
man
Weiterhin entstanden zunehmend die Liedermärsche, deren Trio aus einem bekannten Volkslied bestand, z. B.:
Das Mitsingen der Marschmelodien, oft mit selbst erfundenen Texten, bot
eine gewisse Ablenkung bei langem Marschieren, andererseits enthielten
die Originaltexte oft stimulierende Durchhalteparolen oder dienten der
Verherrlichung der Monarchie.
Mit der Französischen Revolution
entstand der von der preußisch-österreichischen Tradition abweichende
Revolutionsmarsch,
der mit seiner punktierten Rhythmik und häufigen Sechzehntelauftakten
einen kraftvollen, vorwärtsdrängenden Schwung verbreitete (z.
B. ROUGE DE LISLE, "Marseillaise",
1792).
Auch das wachsende Nationalbewusstsein, vor allem der slawischen
Nationen, prägte zahlreiche Märsche des 18./19. Jh.,
z. B. den auf ungarischer Volksmusik basierenden "Rakoczy-Marsch",
später die tschechischen Liedermärsche von FRANTISEK KMOCH (1848-1912).
Marschmusik als Unterhaltungsmusik
Hatte der Feudaladel bereits den Marsch neben seiner militärischen
Funktion zur Repräsentation und Ausgestaltung von Feierlichkeiten
genutzt (Ein- und Auszüge, Triumph-, Fest-, Hochzeitsmärsche
usw.; Hörbeispiel 2: "Triumphmarsch" aus der Oper "Aida"
von GIUSEPPE VERDI), so erkannte das aufstrebende Bürgertum den unterhaltenden
Aspekt des Marsches - Marschmusik wurde auch als Unterhaltungsmusik
genutzt.
Auch der Militärmarsch wurde nun zur Unterhaltung gespielt. Das
führte zu einer Erweiterung der Form, besonders das abschließende
Trio erfuhr als Grandioso häufig
eine groß angelegte Steigerung.
Im 19. Jh. zählte der Marsch zu den beliebtesten Musizierformen.
Unzählig sind die Märsche und Marschlieder in den Operetten,
Possen und Revuen.
Die Marschmusik war von großer Bedeutung für die Herausbildung
des Jazz, z. B. für das Repertoire
der Marching und Street Bands. Auch im Revuetanz
baute man zahlreiche Choreografien auf dem Marschrhythmus auf. Als musikalische
Grundlage dienten dabei sogenannte "moderne
Märsche" - Kompositionen,
in denen der Marschcharakter mit rhythmisch-stilistischen Mitteln der
Tanzmusik (Swing) aufgelockert worden war. Diese wechselseitigen Beziehungen
zwischen Marsch und Tanzmusik halten bis in die Gegenwart an.