
Begriffsbestimmung
Das Wort "Messe"
ist unmittelbar aus der kirchenlateinischen Formel "ite
missa est" (Geht, die [gottesdienstliche] Versammlung
ist entlassen) hervorgegangen. Der Begriff steht für den Hauptgottesdienst
der frühchristlichen und der katholischen Kirche. Als Sinn der Messe
gilt die symbolische Wiederholung des Opfertodes Christi (kirchenlat.:
"missa" = liturgische Opferfeier).
Folgende Einteilun in zwei Hauptbereiche der
Messe kann man vornehmen:
Das Ordinarium missae (lat.: "ordinarius" = ordnungsgemäß) besteht aus fünf Teilen:
Diese Abschnitte haben einen feststehenden Text und sind ein fester
Bestandteil der Messe.
Zum Proprium missae (lat.:
"proprius" = eigentümlich, besonders) gehören:
Diese Teile ändern sich gemäß der Ordnung des Kirchenjahres. Der Text ist dem jeweiligen Anlass zugehörig.
Gregorianischer Choral
Im Zusammenhang mit der Entwicklung der Messe entsteht der
Gregorianische Choral. Darunter
versteht man die einstimmigen, unbegleiteten, lateinsprachigen, liturgischen
Gesänge der römischen Kirche (Hörbeispiel 1). Die
Reformation der römischen Liturgie durch Papst
GREGOR I. (um 540-604, Bild 1) sorgte dafür, dass
die nach ihm benannten Choräle zur Norm des liturgischen Gesangs
der katholischen Kirche wurden. Die Melodien der Messgesänge entsprachen
also den Melodien Gregorianischer Choräle.
Die Gregorianischen Gesänge waren seit dem 9. Jh. ebenso die
Grundlage früher mehrstimmiger Kompositionen. Eine wichtige Quelle
dieser Zeit ist die "Musica
Enchiriadis" (um 900). In
den hier beschrieben Kompositionen tritt zu
Nach diesen Regeln baut sich auch der vierstimmige Satz von GUILLAUME MACHAUTs (um 1300-1377) "Messe de Nostre Dame" (1364) auf. Ausgangspunkt ist wieder ein Gregorianischer Choral, dessen Melodie im Tenor vorgetragen wird. Diese Messe stellt die erste mehrstimmige Vertonung eines gesamten Ordinarium missae vor.
Die Messe als Zyklus
Zunächst war diese vollständige mehrstimmige Vertonung des Ordinariums
noch ein Einzelfall. Doch seit dem beginnenden 15. Jh. machten es
sich immer mehr Komponisten zur Aufgabe, die separaten Teile der Messe
miteinander zyklisch zu verbinden. Sie versuchten also, zwischen den einzelnen
Abschnitten thematische Verknüpfungen herzustellen.
In der Fülle an Möglichkeiten, dieser Aufgabe gerecht zu werden,
liegt die Entstehung der verschiedenen Messetypen
begründet. Eine grobe Gliederung der entstandenen Formen orientiert
sich an drei Fragestellungen:
Jedoch kann es bei dieser Einteilung auch teilweise zu Überschneidungen kommen.
Ordinarium- und Propriumvertonungen
In der Regel werden in einer mehrstimmigen Messekomposition nur die fünf
Ordinariumssätze (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus dei) vertont.
Wenn der Komponist in seine Vertonung außerdem noch Teile des Propriums
mit einbezieht, entsteht die sogenannte "Plenar-Messe".
Einen Sonderfall der Plenar-Messe bildet das "Requiem".
Dabei handelt es sich um eine musikalische Totenmesse, die ihren Namen
den eröffnenden Worten des Introitus "Requiem
aeternam dona eis, Domine" (Die ewige Ruhe gib ihnen, o Herr)
verdankt.
Ein erstes Requiem komponierte GUILLAUME
DUFAY (um 1400-1474) um 1470. Es handelt sich um ein dreistimmiges
Werk, in dem die Anzahl der Propriumsvertonungen sogar überwiegt.
Behandlung des cantus firmus
Die Namen bestimmter Messe-Typen können sich aus der Lage der zugrunde
gelegten Melodie, des cantus firmus,
ergeben.
Die unterschiedlichen Vorlagen
Die ursprünglichen mehrstimmigen Messvertonungen ordneten den einzelnen
Teilen des Ordinariums bestimmte Gregorianische Choräle bzw. cantus
firmi zu. Oft lagen diesen unterschiedlichen Vorlagen zusätzlich
noch verschiedenen Tonarten zugrunde. An eine wirkliche zyklische
Einheit war also kaum zu denken.
Deshalb begann man noch vor der Mitte des 15. Jh., alle Ordinariumssätze
mit einem gleichbleibenden cantus firmus zu versehen. Da es sinnwidrig
gewesen wäre, die fünf unterschiedlichen Funktionsteile des
Ordinariums auf bspw. nur einem einzigen Kyrie-Choral aufzubauen, mussten
sich die Komponisten anders zu helfen wissen. Es blieb nur die Möglichkeit,
eine neue einstimmige Tonfolge zu komponieren, die dann als Grundlage
der gesamten Messekomposition diente. So kam es zur Unterscheidung zwischen
Als Untergruppe zur Fremd-Tenormesse entwickelte sich die "Chanson-Messe",
welche sich auf bereits vorhandene, nicht liturgische Melodien, die Chansons,
stützt.
Solche Fremd-Tenormessen wollten nicht einfach Weltliches in die sakrale
Sphäre der Kirche hineintragen. Vielmehr ging es darum, den Aussagen
in Kyrie und Gloria etwas Menschliches zu verleihen. Die Komponisten versuchten,
die Geheimnisse der Religion in einen menschlichen Kontext zu stellen,
in dem sie auf gängige Themen wie Liebe, Leid, Abschied usw., anspielten.
Normalerweise fanden die Messekompositionen ihren Ursprung in einstimmigen
Vorlagen. Es gab aber auch Messen, die sich an mehrstimmigen Vorbildern
orientierten. Derartige Messen heißen "Parodie-Messen".
In ihnen wird eine bereits vorhandene mehrstimmige Vokalkomposition umgestaltet.
Das musikalische Material der schon fertigen Messe geht in mehrere oder
alle Stimmen der neu entstehenden "Parodie-Messe" ein. Das Verfahren
der "Parodie" in einer Messekomposition ist erstmals 1587 bei
JAKOB PAIX (1556-nach 1623)
nachweisbar. Er verwendet den Begriff schon im Titel seiner Messe "Parodia
Mottetae Domine da nobis auxilium, Thomae Crequilonis, senis Vovibus,
ad Dorium".