Herausbildung
Die amerikanischen Minstrel-Shows
entstanden Mitte des 19. Jh. und waren abendfüllende Show-Programme
aus Liedern, Tänzen und kurzen Sketchen, in denen als Neger verkleidete
Weiße Kultur, Musik und Verhalten der Afroamerikaner zur Belustigung
ihres Publikums karikierten. Schon um die Wende zum 19. Jh. tauchten
die ersten herumziehenden Sänger mit rußgeschwärzten Gesichtern
auf, die in "Extravaganzas"
genannten musikalisch-schauspielerischen Darbietungen unverhohlen rassistische
Karikaturen auf den US-amerikanischen "Südstaaten-Neger" vorführten.
Die Darbietungen solcher "Blackface
Entertainer" gehörten
ab etwa 1800 zum Standardrepertoire in den vielen Wanderzirkussen und
kleinen Varieté-Theatern und dienten hier als Pausenfüller.
Dabei bildete sich allmählich einen Typ heraus, der von der denunzierenden
und rassistischen Komik des "Negerdandy" lebte - dem zwangsläufig
vergeblichen Versuch einer angeblich "minderwertigen Kreatur",
den "feinen Mann" zu geben. Der typische Blackface Entertainer
war ausstaffiert mit blauem Zylinder, roter Seidenjacke oder blauem Frack,
gestreifter Hose, Lackschuhen, Stöckchen in der Hand, mit rußgeschwärztem
Gesicht und einem breit geschminkten weißen Mund (Bild 1).
Die solistisch auftretenden Blackface Entertainer sangen mit Banjo begleitete
Spott-Lieder.
Hauptvertreter
Zu den erfolgreichsten frühen Minstrel-Sängern gehörten
RICE nämlich machte diese Form der Bühnenunterhaltung nicht
nur in den USA, sondern auch in Europa außerordentlich populär
und regte damit ihren Ausbau zur abendfüllenden Show an. Die von
ihm geschaffene und in einer Reihe von Minstrel-Songs besungene Figur
des "Jim Crow" - ein vom Pech verfolgter "Negertolpatsch"
- gilt bis heute in den USA als ein rassistisches Stereotyp, das
zum Symbol für den menschenverachtenden Umgang mit den Afroamerikanern
geworden ist.
Als erste Minstrel-Show gilt das im Februar 1843 in New York vorgestellte
Programm der VIRGINIA MINSTRELS,
einer vierköpfigen, mit Violine, Banjo, Bones und Tamburin
besetzten Gruppe - unter ihnen als Geiger auch der später zu
einem der wichtigsten Komponisten für die Minstrel Shows avancierte
DANIEL DECATUR EMMETT
(1815-1904), der vor allem mit dem Song "Dixies
Land" (1859) bekannt geworden ist, später namengebend
für die "Dixieland"
genannte Form des Jazz. Auch der charakteristische Aufbau der Minstrel
Shows geht auf die VIRGINIA MINSTRELS zurück.
Dramaturgischer Aufbau und Kennzeichen
Minstrel Shows bestanden aus zwei Teilen, wobei der erste eine durch kurze
Dialoge locker miteinander verbundene Folge von Liedern bildete, während
der zweite - auch als "Olio"
bezeichnet - ein in sich geschlossenes Bühnenstück mit
einem konkreten Handlungsverlauf in der Art der Posse darstellte. Den
Abschluss bildete ein sogenannter "Walk
Around", eine gemeinsame Gesangs-
und Tanznummer der Mitwirkenden, die auf eine afroamerikanische Tanzform
zurückgeht, bei dem sich die Tänzer zu einem marschähnlichen
Rhythmus im Kreis bewegen. Das musikalische Repertoire rekrutierte sich
aus nachgeahmten afroamerikanischen Liedern und Tänzen, die wie
in den USA sogar zu eigenen Genres der populären Musik wurden. Zwischen 1850 und 1870 gehörten die Minstrel-Shows zu den beliebtesten Formen der musikalischen Bühnenunterhaltung in den USA.
Niedergang und Zerfall
In dem Maße, wie die Minstrel Shows den Charakter des Sensationellen
und der Attraktion verloren, versuchte man ihre Attraktivität durch
eine immer größere Zahl von Mitwirkenden aufrechtzuerhalten.
1880 hatten die Minstrel-Truppen im Durchschnitt bereits hundert Mitglieder,
und dieser Prozess führte bis zum Ende des 19. Jh. schließlich
zu ihrem raschen Verfall. In dieser letzten Phase begannen auch afroamerikanische
Straßenmusiker in dem verzweifelten Versuch, ihr Schicksal zu verbessern,
die Popularität der Minstrel-Shows auszunutzen und als Karikatur
ihrer selbst aufzutreten.