Musik
Musik im Übergang zu einer globalisierten Welt - 1918 bis heute
Klanginstallation im Raum

Mit dem Ersten Weltkrieg, der russischen Oktoberrevolution (1917) sowie der deutschen Novemberrevolution (1918) verändern sich die Musik und die Musikkultur grundlegend. Nach der Konzentration der Neuen Musik auf die Reorganisation des klanglichen Materials entsteht eine Welle sozialen und politischen Engagements. Die 1920er-Jahre sind durch eine außerordentliche Vielfalt von Musiksprachen, Stilen und Haltungen charakterisiert. Zu den wichtigsten Strömungen gehören

Wie der Terminus bereits andeutet, betont die Neue Sachlichkeit im Gegensatz zu den vorangegangenen expressiven Musikstilen das Einfache und Rationale. Den Bestrebungen nach „Ordnung“ und Reduktion entspricht auch der Neoklassizismus, der in Paris seinen Ursprung hat, und zu einer internationalen Kunst- und Musikrichtung avanciert. Das Verdienst des Neoklassizismus besteht insbesondere darin, vergangene Musik als Stil- und Materialreservoir aufzufassen, mit dem sich neuartige Experimente machen lassen. Als ein solches Experiment lässt sich die musikalische Montage verstehen, die u. a. von IGOR STRAWINSKY (1882–1971) geprägt wird. In eine ähnliche Richtung geht auch der Neobarock, dessen Komponisten ebenfalls auf die Vergangenheit zurückgreifen und die Musik des 17. und 18. Jh. wiederbeleben.

Sowohl die Neue Sachlichkeit als auch der Neoklassizismus und -barock gehen eine Symbiose mit den neuen Medien Rundfunk und Tonfilm ein, die zur Entfaltung der populären Musikgenres (z. B. Jazz, Musical) beitragen und neue Gattungen wie die Radiooper hervorbringen. Vertreter der Radiooper sind vor allem KURT WEILL (1900–1950) und BERTOLT BRECHT (1898–1956), die darüber hinaus auch die Musik der progressiven Arbeiterbewegung repräsentieren.

1933 wird der musikkulturelle Fortschritt von den Nationalsozialisten unterbrochen und erst 1945 setzt ein erneuter Aufbruch ein.

Besonders markant ist die Weiterentwicklung der Zwölftontechnik zum Serialismus, der im Gegensatz zur Zwölftonmusik nicht nur die Tonhöhe, sondern sämtliche Klangparameter wie Klangfarbe, Dauer, Lautstärke usw. reihentechnisch organisiert. Aus den Denkansätzen der seriellen Musik bilden sich in den 1960er-Jahren Kompositionstechniken wie die Zufallskomposition (Aleatorik) heraus, die sich gegen den Rationalismus des Serialismus wenden und den Zufall zum eigentlichen Klangproduzenten machen. So überlassen Komponisten wie PIERRE BOULEZ (* 1925) häufig den Interpreten die Entscheidung, ob sie Passagen eines Stückes weglassen, austauschen oder ändern. Mit der elektronischen Musik in den 1960er-Jahren und der Computermusik in den 1980er-Jahren werden die Möglichkeiten des Musizierens schließlich schier unbegrenzt und das Zeitalter der Klangkunst, der multimedialen Installationen und der interaktiven Kompositionen beginnt.

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