


So beteiligte sich auch der Pharao selbst (Bild 2) bei kultischen Anlässen am Singen, Musizieren und Tanzen. In einer Hymne an die "Goldene" Göttin HATHOR (Bild 3) wird der Pharao mit dem Kind-Mann der Mutter-Göttin identifiziert:
"O Goldene! Wie schön sind diese Lieder, wie das Lied des Horus selbst. Pharao singt als Obersänger. Er ist der Knabe, der das Sistrum schüttelt."
Das Vorhandensein eines Refraintextes spricht für eine responsoriale Aufführungspraxis mit Vorsänger(in) und Chor-Antwort. Der Refrain lautet:
"Gebieterin sieh, wie er tanzt! Frau des Horus sieh, wie er springt!"
Die stabile Erwirtschaftung von Überschüssen auf Grundlage einer hoch entwickelten und gut organisierten Landwirtschaft, die soziale Schichtung und die sehr ungleichmäßige Reichtumsverteilung ermöglichten in Ägypten wie in anderen frühen Hochkulturen die Herausbildung einer Schicht von professionellen Musikern und Musikerinnen. Im Alten Reich waren das vorwiegend Männer. Die Ensembles bestanden aus
Im Neuen Reich aber kamen immer mehr Musikantinnen hinzu, z. B. als Tribute aus anderen Ländern, sodass oft die Frauen in diesen Berufen dominierten. Der Pharao scheint einen Harem gehabt zu haben. Die Frauen dort musizierten zu ihrem wie zu seinem Vergnügen und dürften oft qualifizierte Instrumentalistinnen oder eben Händeklatscherinnen gewesen sein.
Funktionen der Musik
Die Funktionen der Musik waren vielfältig. Musik erklang aber nicht nur bei Banketten, Staatsempfängen,
Festen oder offiziellen Veranstaltungen. Sie wurde auch
So sind sowohl Ernte- als auch Ruderer-Lieder in Text und Bild überliefert.
Diese Musik waren von den Arbeitenden selber gesungene Lieder oder auch
von speziellen Musikern und Musikerinnen produzierte Instrumentalmusik,
die taktmäßig-rhythmisch die Arbeit mitorganisierte. Auch die
Existenz von Militärmusik
ist überliefert, für die Trommeln und - ziemlich laute
- einfache Trompeten verwendet wurde.
Die historischen Veränderungen vollzogen sich, abgesehen von Kriegen
und anderen Katastrophen, meist eher langsam, sind aber häufig merklich.
lassen sich schon während der Herausbildung
des Alten Reichs nachweisen. Im Alten Reich prägte sich die
altägyptische Kultur und Musikkultur schon voll aus. (Altes Reich:
2700-2160 v. Chr.; 1. Zwischenzeit: 2160-2040 v. Chr.;
Mittleres Reich: 2040-1797 v. Chr.; 2. Zwischenzeit: 1797-1543
v. Chr.; Neues Reich: 1543-1075 v. Chr.; Spätzeit: 1075-30
v. Chr.)
Die religiös vermittelte Angst der alten Ägypter muss bei den
Oberen wie den Unteren beträchtlich gewesen sein. Religiöse
Rituale von Musik und Opfern über Einbalsamierung (Mumien)
bis hin zu den monumentalen Grabmälern der Pyramiden wiederum sollten
diese Angst bannen. Aus einer besonderen musikalischen Gattung, den "Harfnerliedern",
spricht oft eine eher pessimistische Weltsicht, aber auch die Hoffnung
auf Überdauern und die Freude am Diesseits:
"Die, die dahingegangen sind ..., sie sind nicht wiedergekommen. / Ihre Namen werden durch Forschungen in Erfahrung gebracht, / doch blieb kein Ziegel von ihrem Hause übrig. ... Feiere einen Festtag, ... laß dein Herz nicht müde werden, keinesfalls, zusammen mit deiner Geliebten! / Beschwere dein Herz nicht über irgend etwas, was geschieht, / sondern laß Musik vor dir erklingen."
Das Instrumentarium
Das Instrumentarium war
vielfältig und reichhaltig. Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte es
sich intern durch allmähliche Differenzierungen einerseits und Importe
aus fremden Ländern andererseits. Händeklatschen zusehender Frauen und das Geklapper der hölzernen oder elfenbeinernen Schlagstäbe begleiten schon im Alten
Reich die Tänzer, besonders wenn es sich um akrobatische Darstellungen
handelt. Die ruhigen Tanzfiguren dagegen, mehr geschritten als gesprungen,
werden gewöhnlich von größeren Instrumental-Ensembles begleitet,
die sich aus einer oder mehreren mundlochlosen und halbseitlich gespielten Längsflöten sowie einem oder
mehreren Harfenisten (Bild 1) zusammensetzen.
Etwas später kommt noch eine Doppelklarinette hinzu. Die wird sitzend gespielt. Sie beschränkt sich im Wesentlichen
auf 5-7 Saiten. Der Resonanzkörper ist sehr klein. Erst vom
Neuen Reich an werden die Sänger und Harfenspieler blind dargestellt.
Die Sänger, die immer sitzend dargestellt werden, halten in der Art des heutigen Sängers
im arabisch-vorderasiatischen Raum ihre linke Hand hinter das linke Ohr,
während die rechte Hand häufig cheironomische
Zeichen ausführt, sei es, um den Melodieablauf in die Luft zu
zeichnen, sei es, um rhythmische Zeichen zu geben. Der Klang war durch die
Verwendung einer "Stimmmaske"
mit scharfer Anspannung der Gesichtsmuskulatur eher nasal, scharf.
Vom Mittleren Reich bis zum Beginn des Neuen Reiches (ca. 2040-1543 v. Chr. lässt sich aus den bildlichen Darstellungen und der Struktur der Instrumente schließen, dass der leise Charakter des Klangbildes der ersten Periode sich verändert. Die ruhige Musik der Frühdynastien wird nunmehr klangfreudiger, rauschender, heftiger. Ebenso wird der rituelle, ruhig und mäßig dahergeschrittene Tanz der Frühzeit immer bewegter, oft sogar orgiastisch. Diese Wandlung hat wohl mit dem Einfall der Hyksos zu tun gehabt, der asiatisches Musiziergut in Ägypten einführte. Dazu kommen dann im Neuen Reich die vielfältigen politischen und Handelsbeziehungen der Pharaonen mit Asien. Der kulturelle Austausch beeinflusste die altägyptische Musik- und Klangwelt.
Charakteristika der Musik
Die Musik selbst ist im Detail unwiderruflich verklungen, da es trotz
der hoch entwickelten Schriftkultur keine musikalische Notation gab. Bildliche
Darstellungen vermitteln aber konkrete Vorstellungen von der Musik, und
manches lässt sich anhand spezieller archäologischer Quellen
(Musikinstrumenten bzw. ihre Reste) bis zu einem gewissen Grad rekonstruieren.
Besonders interessant ist die ausgedehnte Verwendung von Handzeichen
("Cheironomie").
Zahlreiche bildliche Quellen zeigen einen Vorsänger bzw. fast eine
Art "Dirigenten", der mit verschiedenen Handzeichen möglicherweise
nicht nur den Rhythmus angibt, sondern auch Tonhöhen, etwa in der
Art unserer "Do-re-mi"-Handzeichen im elementaren Musikunterricht.
Es scheint nicht restlos geklärt, ob es sich um ein pentatonisches
oder um ein heptatonisches Tonsystem gehandelt hat. Entsprechend der nordafrikanisch-vorderasiatischen sonstigen
Musikpraxis ist Einstimmigkeit grundlegend.
sind als Realisierungs- und Ausführungsweisen anzunehmen.
Vom Ende des Neuen Reiches bis zur Herrschaft ALEXANDERS DES GROSSEN (um
356-323 v. Chr.), also von 1075 bis 332 v. Chr., änderte
sich außer Bereicherungen des Instrumentariums und einigen Verfeinerungen
und Veränderungen an den Instrumenten an der ägyptischen Musik
und Musikkultur nichts wesentliches mehr. Die altägyptische Musik
und Musikkultur wurde bereits durch die griechische Eroberung seit 332
v. Chr. im Zeichen des Hellenismus unter der Ptolemäer-Herrschaft stark verändert. Die hellenistische
Vermischung griechischer Kulturelemente mit den jeweils einheimischen
in verschiedenen Regionen Vorderasiens und Nordafrikas, also hier eben
Ägyptens, setzte sich dann unter römischer Herrschaft ab 30
v. Chr. fort. Altägyptische Musikelemente lebten vor allem im
koptischen Christentum - im Rahmen des byzantinischen Reichs -
weiter und reichen noch bis in die arabisch-islamische Zeit (ab 640 n. Chr.)
hinein. Die koptische Liturgie verwendet heute noch neben den Becken Geräuschinstrumente
wie Triangel, Glöckchen, Metallkastagnetten, in manchen Gegenden
sogar ein modernes Sistrum, das funktionell und strukturell genau dem
altägyptischen Bügelsistrum entspricht (abgesehen von den einstigen
"heidnischen" Verzierungen).