







Begriffsbestimmung
Der Begriff "Impressionismus"
leitet sich von dem lateinischen Wort "impressio" ab, was mit
"Eindruck" übersetzt werden kann. Die Künstler der
als Impressionismus bezeichneten Epoche versuchten, den momentanen "Eindruck"
und die Stimmung eines Ereignisses oder eines Gegenstandes wiederzugeben.
Die Bezeichnung Impressionismus wurde erstmals von dem französischen
Kunstkritiker LOUIS LEROY (1886-1955)
in der satirischen Zeitschrift "Le
Charivari" vom 23.04.1874 verwendet. Den Anlass gab die
vorausgegangene Ausstellung der Maler
Ausgestellt wurde auch MONETs
Gemälde "Impression - soleil
levant" (Impression - Sonnenaufgang, 1872, Bild 1).
Diesen Titel fand LOUIS LEROY besonders lächerlich und nannte alle
Künstler der Ausstellung in seinem Artikel nach dem gleichnamigen
Bild "Impressionisten". Mit diesem Titel wollte er sagen, dass
diese Maler keine soliden Kenntnisse hätten und glaubten, dass ein
bloßer momentaner "Eindruck" (eine Impression) schon ein
Bild sei.
Der Name "Impressionismus" wurde also ursprünglich mit
einer abschätzigen Bedeutung geprägt und zuerst auf eine neue
Richtung in der Malerei bezogen. Die
Maler dieser Stilrichtung versuchten ihre Eindrücke der stets wechselnden
Erscheinungen von Licht, Farbe und Schatten in einer Art "Momentaufnahme"
wiederzugeben. Dabei verschwanden feste, klare und deutliche Formen. Die
Farben gingen in feinsten Abstufungen ineinander über. Häufig
wurden sie rein und unvermischt auf die Leinwand aufgetragen, sodass die
Farbmischung erst durch das Auge vollzogen werden konnte. Insgesamt vermieden
die Maler des Impressionismus dunkle Farben.
Unter dem Einfluss des Impressionismus in der Malerei entstand in der
Literatur die neue Richtung des sogenannten Symbolismus
(1890-1910).
Konkreter wird die Übertragung des Begriffs in die Musik 1887. In
diesem Jahr kritisiert die Académie
des Beaux Arts (Akademie der Schönen Künste von Paris)
CLAUDE DEBUSSYs (1862-1918, Bild 1,
Hörbeispiel 1) Jugendwerk "Salut
printemps" (1882) als verschwommen und impressionistisch.
DEBUSSY ging es darum, die impressionistischen Farbwirkungen nachzuempfinden.
Dabei spielen kontrastierende Klangkomponenten, bewegte Klangfarbenflächen
und die verschwimmenden Grenzen einzelner Formelemente eine wesentliche
Rolle. Die Epoche des musikalischen Impressionismus schließt sich
also etwa ab 1880 an die Zeit der Romantik an.
In Frankreich bedeutete diese neue Stilrichtung eine bewusste Auflehnung
gegen den starken Einfluss der deutschen Musik und insbesondere gegen
die Übermacht WAGNERs. Anstelle einer schwülstigen, übersteigerten
und gekünstelten spätromantischen Sprache erscheint im französischen
Impressionismus eine sensible Musik der zart ausgedrückten Gefühle.
Musikalische Mittel des Impressionismus
Harmonik: Eines der wichtigsten musikalischen Mittel des Impressionismus ist die spannungslose Harmonik. Die traditionellen
Formen der Kadenz lösen sich auf. Immer häufiger werden völlig unbezogene Akkorde nebeneinandergestellt.
Außerdem entstehen neue Akkordkonstellationen. So finden sich
Die Dissonanzen der Akkorde werden nicht aufgelöst, sondern als Klangfarbe genutzt. Oft werden diese Akkorde in Quarten, Quinten oder Septen parallel verschoben. Bei einer solchen Parallelführung von Akkorden, die sich nicht in das herkömmliche System der Funktionsharmonik eingliedern lassen, spricht man von Mixturklängen. Sie sind typisch für die Musik DEBUSSYs und vermitteln den Eindruck "freien Schwebens". Diese beschriebene Auflösung der strengen Tonalität bildet den Übergang zur Bitonalität und zur Polytonalität.
Melodik und Rhythmik: Auf melodischem Gebiet orientiert man sich an exotischen Melodietypen. Neben
in die Melodienbildung einbezogen. Es entstehen ungewohnte Intervall-Verbindungen,
die sich von der traditionellen Tonalität entfernen. Die Melodik
ist gekennzeichnet durch fließende, gleitende oder auch in
sich kreisende Melodiebewegungen. Derartige Melodien sind häufig
nicht in sich geschlossen und dienen damit der Darstellung von "zerfließenden"
Klangfarben.
Durch Synkopierungen wird das Metrum
und schließlich der Takt verschleiert, sodass es auch in rhythmischer
Hinsicht zur Auflösung der Regelhaftigkeit kommt.
Form: An die Stelle prägnanter Themen oder traditioneller Formen tritt
das beherrschende Stilmittel des Impressionismus: die Klangfarbe. Die formalen Konturen werden unscharf und zerfließen. Im Gegensatz
zu den gewohnten Entwicklungsformen motivisch-thematischer Arbeit gewinnen Reihungsformen an Bedeutung. In diesem
Zusammenhang seien noch einmal die engen in sich kreisenden Melodiebewegungen
erwähnt. Je mehr die Musik in sich kreist, anstatt sich gerichtet
fortzubewegen, umso wichtiger werden Wiederholungen. Sie wirken als Bestätigung und unterstützen die Abgrenzung kleinerer
musikalischer Bausteine. In der impressionistischen Klangwelt DEBUSSYs
wird das "Zweimal-Sagen" geradezu ein Stilprinzip.
Besonders häufig gewählte Gattungsformen des Impressionismus sind
u. a., deren regulärer Aufbau nach keinem vorgegebenen Muster verläuft. Hinzu kommen neuartige Bezeichnungen ("Images" = Bilder; "Estampes" = Kupferstiche), die - gegenüber den fest gefügten "klassischen" Formmodellen - die wechselnde formale Gestalt der Musikstücke hervorheben. Diese Instabilität unterstreicht die Tendenz zur Auflösung der Form.
Die spannungslose Harmonik trägt zusätzlich
dazu bei, die Form zu verschleiern. Sie wird zumeist als unmittelbarer
Farbwert genutzt und ermöglicht daher ein Verwischen der Konturen.
Die Wurzeln dieser neuen musikalischen Mittel finden sich in alten und fernen
Kulturen, zum Beispiel in der asiatischen Musik. Hinzu kam die intensive
Beschäftigung mit fremdländischer Folklore. Inspiriert wurden
die Komponisten auch von der javanischen und russischen Musik, insbesondere
durch MODEST PETROWITSCH MUSSORGSKI (1839-1881, Bild 2, Hörbeispiel 2).
Instrumentation: Auch auf dem Gebiet der Instrumentation wurden bisher nicht verwendete
Mittel gesucht, neue Klangfarben zu gestalten. In der besonders gepflegten
Klaviermusik bevorzugten die Komponisten entweder sehr tiefe oder sehr
hohe Lagen. Die höheren Töne lassen sich dabei mit der Aufhellung
der impressionistischen Farbpalette vergleichen und die tieferen Töne
mit den weniger verwendeten dunklen Farb"tönen". Durch
das Bestreben bestimmte Stimmungen darstellen zu wollen, erfuhr die Klaviertechnik
eine starke Weiterentwicklung.
Besonders interessant wird die Instrumentation in der Orchestermusik. Durch die hier erreichten Klangfarben finden sich in diesem Bereich die
stärksten Anlehnungen an die Malerei. Die Streicher erzielen einen
zarten, aber dennoch vollen Klang. Dabei benutzen die hohen Streicher
einen Dämpfer, während die tiefen Streicher ungedämpft
für einen satten Ton sorgen. Dieser Klangteppich wird meist mit zwei
Harfen unterstützt. Auf diesen behutsamen Untergrund setzen die impressionistischen
Komponisten oft scharf akzentuierte charakteristische Bläserfarben.
Doch auch die größten Steigerungen führen jedes Mal zum
weichen Streicherklang zurück. Diese Klangballungen verschwimmen
also wie die Farben in der Malerei in sanftere Klänge.
Zusätzlich werden auf der Suche nach neuen Möglichkeiten teilweise
die verschiedensten Instrumente miteinander kombiniert, die dann aber
gleichzeitig dieselbe Melodie (unisono) spielen.
Vertreter des Impressionismus
Nicht selten werden sämtliche Komponisten von klanglich-esoterischer
und hoch-lyrischer Musik zwischen 1890 und 1930 ungenau als Impressionisten
bezeichnet.
Einordnung in die Musikgeschichte
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde die Vorherrschaft
der deutschen Musik abgeschwächt. Bedeutende Impulse gingen von der
Russischen Schule aus, die hauptsächlich durch