

Elementare Satztypen
Harmonie und Zusammenwirken von Melodiestimmen konkretisieren sich im
Satz (Textur)
eines Musikstücks. Dabei orientiert sich der Satz an den Möglichkeiten
und Erfordernissen eines Instruments oder eines Ensembles.
Im Laufe der Musikgeschichte haben sich einige grundlegende Satztypen
herausgebildet; es gibt aber auch zahlreiche Mischformen.
realstimmiger Satz
Der realstimmige Satz setzt sich aus selbständigen melodischen Linien
zusammen, die während des ganzen Stücks in der Notation entweder
als Noten oder Pausen verfolgt werden können. Dieser Satztyp findet
z.B. in Kompositionen für Bläserensembles oder Chor Verwendung.
Die Harmonie entsteht aus den Zusammenklängen der Einzelstimmen.
Die Anlage des Satzes kann polyphon oder homophon sein.
homophoner Satz
Im homophonen Satz (vgl. Hörbeispiel 1) verlaufen alle Stimmen im
gleichen Rhythmus. Die Oberstimme ist führend, der Bass liefert die
harmonische Stütze; die Mittelstimmen sind melodisch wenig ausgeprägt
(Füllstimmen).
polyphoner Satz
Im polyphonen Satz (vgl. Hörbeispiel 2: Anfang einer Motette aus
dem 16. Jahrhundert) sind alle Stimmen rhythmisch und melodisch selbstständig.
Oft wird in der Polyphonie die Technik der Imitation (Nachahmung eines
Motivs) eingesetzt.
Im Akkordsatz
sind die Zusammenklänge von vornherein als Akkorde angelegt und notiert;
es gibt also keine durchgehenden Einzelstimmen. Aus der Ober- oder Unterstimme
der Akkordfolgen können sich melodische Linien bilden; die Akkorde
sind oft in Figuren aufgelöst.
In der Klaviermusik der Romantik wurde
der Akkordsatz häufig angewandt. In den Kompositionen von CHOPIN,
BRAHMS und SCHUMANN finden sich zahlreiche Beispiele für figurative
Auflösung der Harmonie (vgl. Hörbeispiel 3: Intermezzo op. 118/2
von JOHANNES BRAHMS (1833-1897)).
Satz für instrumentale
und vokale Ensembles
Wie Instrumente und Singstimmen in einer Komposition eingesetzt werden
und welche Rolle sie im Zusammenklang des Stückes übernehmen,
ist sehr unterschiedlich und hängt vom Stil der jeweiligen Epoche
und des einzelnen Komponisten ab.
Die Besetzung einiger Kompositionsgattungen hat sich als
feststehender Ensembletyp entwickelt, wie beim Sinfonieorchester oder
beim Streichquartett.
Einige Besetzungen, wie der gemischte Chor, das Blasorchester oder die
Big Band, haben im Bereich des Laienmusizierens große Verbreitung
gefunden. Für jedes dieser Ensembles gibt es zahlreiche Satztechniken,
von denen sich einige als typisch herausgebildet haben.
Orchestersatz
Die Besetzung eines Sinfonieorchesters (Hörbeispiel 4: Zitat aus
"Die Hebriden" von FELIX
MENDELSSOHN-BARTHOLDY) kann in
der Größe der einzelnen Gruppen und der Gesamtzahl der Musiker
variieren.
Im Orchester der Klassik übernehmen die Streicher das wesentliche
musikalische Geschehen. Holzbläser geben zusätzliche Klangfarben
oder treten in kurzen Solopassagen hervor. Blechbläser verstärken
laute Abschnitte durch signalartige Einwürfe.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts (Romantik) wuchs die Stärke der Orchester
an.
Big Band-Satz
Die Bläsergruppen ("sections"= Saxophone, Trompeten, Posaunen)
werden oft in kompakten Sätzen einander gegenübergestellt.
Die Rhythmusgruppe ist für die ständige Präsenz des Rhythmus
und der Harmonie zuständig. Oft werden nur Akkordsymbole notiert;
die genaue Ausführung ist frei. Der rhythmische Verlauf wird in der
Partitur nur angedeutet.
Chorsatz
Im Hörbeispiel 1 ist ein gemischer Chor aus zwei Frauen- und zwei
Männerstimmen zu sehen.
Jede Stimme deckt anderthalb Oktaven ab; die Bereiche überlappen
sich, so dass mit dieser Kombination der mittlere Klangraum (drei Oktaven,
von G bis g") gleichmäßig ausgefüllt werden kann
und ein ausgewogener Gesamtklang entsteht.