


Musikpädagogik
Seit mehreren Jahrzehnten existiert Musikpädagogik
als Wissenschaft. Sie untersucht vor allem die Art und Weise, wie Kinder
und Jugendliche Musik verstehen, lernen und untereinander vermitteln.
In Nachfolge und Erweiterung der Grundideen der Musikpädagogin SIGRID
ABEL-STRUTH aus den 1970er-Jahren und insbesondere durch vorgelegte
Arbeiten aus der Hamburger
Schule um den Erziehungswissenschaftler und Musikpädagogen HERMANN
J. KAISER wurden in den letzten zwanzig Jahren Grundlagen gelegt
und neue wissenschaftliche Gegenstandsbereiche erarbeitet - so z. B.
zur musikalischen Erfahrung, zum Lebensweltbegriff, zu einer Produktionsdidaktik
im Bereich von Musik, zum ästhetischen Streit als musikpädagogische
Kategorie oder zur musikalischen Bildung, die einem kritischen Wissenschaftsverständnis
verpflichtet ist.
So bringt auch das relativ kleine Fachgebiet Musikpädagogik Erfahrungen
und Erkenntnisse in die allgemeinen wissenschaftlichen Diskurse z. B.
der Erziehungswissenschaft, Kulturwissenschaft und Musikwissenschaft ein
und zeigt dabei auch gegensätzliche Positionen auf. Musikpädagogische
Forschungen sind also nicht in erster Linie auf eine Veränderung
der unmittelbaren Musikpraxis gerichtet, sondern auf das Erschließen
ihrer inneren Zusammenhänge, auf ihre Grundlagen und auf neue Ansätze.
Musikpädagogik konzentriert sich auf die drei grundlegenden Wissenschaftsfelder
die Lernforschung, die Lehrforschung und die Unterrichtsforschung.
Systematische Musikpädagogik
Innerhalb der wissenschaftlichen Musikpädagogik hat sich eine junge
Spezialdisziplin herausgebildet: die Systematische
Musikpädagogik. Ihr Ziel ist
es, Grundlagenerkenntnisse über das Musiklernen zu vermitteln und
eine vielschichtige wissenschaftliche Diskussion zu befördern. So
bemüht man sich z. B., lerntheoretische wie methodisch-praktische
Entwicklungen unter interdisziplinärem Aspekt anzuregen. Das bedeutet,
in der Schulpraxis die alten Fächerabgrenzungen zu durchbrechen und
den ästhetisch wie erzieherisch wirksamen Einsatz
von Musik, der bildenden Kunst, Theater, Medienarbeit, Sprache
oder Bewegungsarbeit zu ermöglichen.
Etappen musikpädagogischer
Forschung
In Deutschland zeichneten sich bestimmte Phasen oder Etappen
musikpädagogischer Forschung ab.
Im Rahmen der großen pädagogischen Erneuerungsbewegungen und
Reformbestrebungen seit der Wende vom 19. in das 20. Jh. traten
in einer ersten Phase die fachlichen
und konzeptionellen Aspekte des Schulfaches Musik stärker in den Vordergrund.
In dem Maße, wie sich Musikerziehung - z. B. in der Jugendmusikbewegung
- von politischen Bildungsideologien löste und sich allmählich
fachdidaktischen Fragen zuwendete, konnte auch eine eigenständige Musikpädagogik
geschaffen werden.
In einer zweiten Phase musikpädagogischer
Forschung, die nach 1945 in Deutschland einsetzte, war vor allem das Bedürfnis
nach klaren Begriffen erkennbar. Der Musikdidaktiker MICHAEL ALT legte 1968
in seinem Buch "Didaktik der Musik" eine umfänglichere Begriffssystematik
für die Musikpädagogik vor.
Die allgemeine Bildungsreform, die in den folgenden Jahren auf eine starke
Wissenschaftsorientierung zurückging, brachte auch dem Fach Musikpädagogik
einen deutlichen wissenschaftstheoretischen Schub. Aus einer eher methodischen
Handwerkslehre entstand nun in einer dritten
Phase ansatzweise eine wissenschaftlich begründete Disziplin.
Diese Wissenschaftsorientierung bedeutete im Kern, dass auch schulisches
Lernen den Gesetzen und Erkenntnissen der Wissenschaft entsprechen sollte.
Für die Musikpädagogik ergab
sich daraus die Notwendigkeit der Orientierung an neuen
Fragestellungen und Forschungsmethoden, wie sie z. B. durch
die empirische Sozialforschung aufgeworfen bzw. begründet wurden. Das
betraf u. a.