

Begriff "Popularität"
Der Begriff "Popularität"
kam in der europäischen Aufklärung
auf und wurde zu einer Kategorie, die drei verschiedene Aspekte zugleich
umfasste:
Popularität
als Konzept der Aufklärung
"Popularität" im Sinne von "Gemeinverständlichkeit" begann in den Debatten der Aufklärer unmittelbar vor der französischen
Revolution eine wichtige Rolle zu spielen. So forderte der französische
Philosoph DENIS DIDEROT (1713-1784, Bild 1) eine "philosophie populaire", um
das Gedankengut der Aufklärung dem Volk nahe zu bringen. Der Jenaer
Philosoph KARL LEONARD REINHOLD (1758-1823) prägte 1789 im Zusammenhang damit den Begriff der "Popularphilosphie". Er löste eine anhaltende Diskussion darüber aus, wer das "Volk"
als Adressat der Aufklärung eigentlich sei.
Bereits 1778/79 hatte JOHANN GOTTFRIED HERDER (1744-1803, Bild 2) mit der Veröffentlichung einer Sammlung von "Volksliedern nebst untermischten Stücken", die später unter dem Titel "Stimmen der Völker in Liedern" berühmt wurde, versucht, diese Frage zu beantworten. Ihm ging es darum, dem "Volk" als obersten Souverän des angestrebten bürgerlichen Nationalstaates in seinen Liedern eine fassbare und anschauliche Form zu geben. Nicht ohne Absicht stehen in HERDERs Sammlung neben Volksliedern auch Verse namhafter Dichter, wie das berühmte "Abendlied" (1779) von MATTHIAS CLAUDIUS (1740-1815), um - wie HERDER schrieb - "einen Wink zu geben, welches Inhalts die besten Volkslieder sein und bleiben werden".
Schon 1780 hatte Vater LEOPOLD MOZART (1719-1787) seinen Sohn WOLFGANG AMADEUS MOZART (1756-1791) mit den Worten ermahnt:
"Ich empfehle dir bey deiner Arbeit nicht einzig und allein für das musikalische, sondern auch für das ohnmusikalische Publikum zu denken - du weist es sind 100 ohnwissende gegen 10 wahre Kenner, vergiß also das sogenannte populare nicht, das auch die langen Ohren kitzelt."Populäre Musik
Die in der europäischen Aufklärung diskutierten Vorstellungen
von "Popularität" waren wesentlich ideologisch begründet
und bezogen sich auf eine bestimmte Idee vom "Volk"
als ein Idealbild.
Mit der Ausweitung der Debatten auf das Feld von Kunst und Literatur wurde
jedoch die kommerzielle Komponente
- d. h. der Markt- und Verkaufsfaktor - immer wichtiger.