



World-Musiker
in der globalen Kulturlandschaft
Anstelle der Ortsgebundenheit der Kulturen, die sich als Ganzes voneinander
unterscheiden und abgrenzen, hat die Vorstellung der globalen Kulturlandschaft
eine Art Allgegenwart der Weltunterschiede und Weltprobleme hervorgebracht.
Dies setzte vor allem nach dem Fall der Berliner Mauer (1989) und der
zunehmenden Deregulierung der Märkte ein.
Regionale Traditionen stehen inzwischen vermehrt im Konflikt mit den Problemen der Globalisierung und sehen sich gezwungen, sich mit den Fragen von kultureller Hegemonie und Eigenständigkeit, von Anpassung und Widerstand, von Integration oder Selbstbehauptung kreativ auseinander zu setzen. Lokale Musikgruppen können sich mit ihren Regionalstilen angesichts von globalen Kulturinhalten
World Music und die Wahl der Sprache
im globalen Pop
Als Antwort auf Globalisierung und Verunsicherungen
haben sich viele musikalische Regionalstile in der Auseinandersetzung
mit den globalen Trends arrangiert, nehmen letztere auf und formen sie
nach eigenem Geschmack und eigener Ästhetik um. Daraus können
sich eigenwillige lokale Musikstile ergeben, die zwar auf der globalen
Ebene noch im Mainstream erkennbar sind, doch zugleich auch die regionaltypischen
Züge tragen und diese zum Teil prononciert, im Sinne einer anti-hegemonialen
Ausdrucksform, artikulieren. Dazu gehört auch die Frage nach der
Sprache, in der World Music vorgetragen wird.
Fragen der Sängerinnen und Sänger könnten sein:
Dritte Welt - Divergenz
und Kooperation über die Grenzen
Kategorien wie "World Music", Genres wie "Ethno-Pop"
oder Labels wie "World Records Series" basierten auch auf dem
Hintergrund von Diskussionen über Authentizität und Divergenz
von älteren, modernen und populären Stilen, nicht zuletzt auch
in der bewussten Abgrenzung zu amerikanischer und europäischer Rock-
und Pop-Musik. World Music wurde damit eine Art Alternative zum Westen,
um auch die Musik der anderen Länder, insbesondere der "Dritten
Welt", ins Bewusstsein zu bringen.
Andere Musikkonzepte waren demgegenüber längere Zeit geprägt durch eine ethnische Selbstbewusstseinfindung wie etwa die Musik der Schwarzen, die Black Music, die sich in der sozialen Auseinandersetzung mit den Weißen äußerte. Auch wenn die Schwarzen offensichtlich Rock oder Popmusik machten, lief dies dennoch eher unter dem afroamerikanischen "World Beat", wenn es nicht gerade amerikanische oder britische Gruppen waren.
PETER GABRIEL
wie auch PAUL SIMON ("The
Rhythm of the Saints", 1990) standen am Anfang unter Kritik, in der
Zusammenarbeit die Musik und Musiker anderer Länder auszubeuten.
Sie hatten aber vermutlich für diese mehr getan als je die meisten
westlichen Musikern zusammen, wenn es darum ging, andere Kulturen ins
Bewusstsein von Rockfans zu bringen.
Im klassischen Sektor förderte vergleichbar das KRONOS
STREICHQUARTETT mit "Pieces of Africa" (1992) zeitgenössische
Musik in Kooperation und in Allianz mit Komponisten aus mehreren afrikanischen
Ländern.
Solidarität in der
Welt der Musik
Die Attraktivität für afrikanische, asiatische oder indonesische
Klänge verweist historisch gesehen auf sozialpolitische und paradoxe
Prozesse:
Einerseits ist da die Begeisterung des Westens für das "Exotische".
Andererseits dominiert die europäische und nordamerikanische Musikindustrie
mit post-kolonialen Attitüden ihre Vertriebskanäle - trotz
der möglichen Kooperation mit Musikern anderer Kulturen.
Die südafrikanische Sängerin MIRIAM
MAKEBA (Bild 1) setzte sich sehr früh gegen das Apartheid-System
ein und musste ihr Land, als ihr die Staatsbürgerschaft genommen
wurde, verlassen. Berühmt ist ihr Lied geworden "Miriams
Farwell to Africa".
Als sie einen Anführer der Black-Panther-Bewegung in Amerika heiratete,
geriet sie allerdings auch dort unter politischen Druck und ging erneut
ins Exil, diesmal nach Guinea. Erst 1990 konnte sie wieder nach Südafrika
in ihre Heimat zurückkehren.
Gerade Sängerinnen aus Afrika artikulierten über ihre Lieder immer auch Fragen der Machtstrukturen von außen und von innen und prangerten Ausbeutung und Patriarchat an, wie zum Beispiel DJUR DJURA, eine Berber-Frau aus Algerien, die schon um 1970 nach Paris floh.
Das Thema "Frauen und Music" ("Music and Gender")
wurden im globalen Diskurs in den 1980er-Jahren innerhalb von ethnomusikologischen
Studiengruppen aufgegriffen. Durch die homogenisierende Kraft des Begriffs
"World Music" ist wiederum eine differenzierte Wahrnehmung notwendig,
sodass es nicht erstaunt, im Jahre 2004 einen CD-Sampler unter dem Titel
"Global Women: Ethnic Songs from 14 Countries" vorzufinden.
Regionale Ausdrucksformen, die bis dahin isoliert waren, werden plötzlich
übernational in einer neuen Solidarität in ihrer Gemeinsamkeit
als "World Music" erfahrbar gemacht.
Weltmusik und die differenzierte
Wahrnehmung der Musiken der Welt
CD-Kompilationen und Musikfestivals
schafften sehr schnell eine neue veränderte Wahrnehmung unter dem
Gesichtspunkt von Ländern. Einige Beispiele:
Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass der homogen gedachte Begriff der World Music inzwischen wiederum nach pluraler Differenzierung in "musics of the world" drängte.
Die 2002 zum ersten Mal verliehenen Preise des BBC Radio Awards for World Music unterteilen diese inzwischen wieder nach dem Regionalprinzip in "Europa, Asien/Pazifik, Americas" und in die zusätzlichen drei Kategorien "grenzüberschreitend", "Innovatoren" und "Newcomers".
World-Music-Festivals
als Stätte der interkulturellen Begegnung
Zahlreiche World-Music-Festivals,
organisiert durch WOMAD (World
of Music
and Dance
Festival, seit 1982) oder WOMEX (World
Music Expo,
weltweit größte Fachmesse für World Music) und andere,
ermöglichen die Wahrnehmung unterschiedlicher Traditionen im direkten
Nebeneinander. Sie vermögen sowohl Musiker wie Zuschauer für
eine differenziertere Wahrnehmung zu sensibilisieren.
Über Netzwerk-Gruppen zu Themen wie Afrika-Fstival, die Musik der Sinti und Roma, Festivals der Borduninstrumente, Folklore Tanzfestivals, Musica Sacra International, Karneval der Weltkulturen, Spiritual Festivals, Techno Love Parade, Urban und Underground Music usw. manifestieren sich kleinere und größere Veranstaltungen, sei es in der Bürgerrechtsbewegung, als historisierendes Revival, als multikulturelles Ereignis, sei es im sozialpolitischen Engagement oder einfach als unterhaltendes und kommerzielles Großereignis.
Letztlich sollen Vergleich und Differenzierung zum Abbau bestehender Vorurteile führen, seien diese als mentale Konstrukte primär nun ethnisch, religiös, politisch, sozial, ökonomisch, ästhetisch oder auch wissenschaftlich konzipiert.
Das alljährlich Tanz & Folk Fest in Rudolstadt ist ein wichtiges Musikfestivals im Kontext der interkulturellen Begegnung (Bild 2).
Regionale Ängste
vor der Globalisierung?
Im Zeitalter der Umgestaltung der Welt werden immer auch Ängste vor
der kulturellen Globalisierung diskutiert, Ängste, die auf der Zweckrationalisierung
der kulturellen Werte (MAX WEBER) basieren oder auf der Theorie eines
Kulturimperialismus
(JOHN TOMLINSON, 1991), wonach wenige große Konzerne den Musikmarkt
diktieren und beherrschen.
Ängste formulieren sich auch vor der Gefahr einer
Homogenisierung durch Massenprodukte des globalen Pop, wonach Kulturgüter
als standardisierte Ware viel eher den Gesetzen des Marktes anstelle denen
einer kulturimmanenten musikalischen Ästhetik unterworfen würden
(THEODOR W. ADORNO).
Oder die Ängste basieren auf der These der "McDonaldisierung"
(GEORGE RITZER, 1993), d.h. der Geschmacksanpassung aufgrund von Marketing-Strategien,
Verkaufs-Charts und Zuhörer-Quoten (Top of the Pops).
Die Musiken der Welt basieren heute allerdings mehr denn je auf dem Grundprinzip
des individuellen und differenzierenden Aushandelns von Werten, Bewertungen
und Verträgen zwischen lokalen und globalen Musikakteuren.
Ausgehandelt werden nicht nur überlieferte Werte, sondern auch Fragen
der Hegemonie, der Ästhetik, der Spiritualität und natürlich
auch die der Kommerzialisierung und der Copyrights. Ausgehandelt werden
traditionelle und neue Stilelemente zwischen den Musikerinnen und Musikern
der Einzelgruppe auf der einen Seite, den Produzenten und den Zuhörern
auf der anderen Seite.
Dieses Verhandeln von Tradition und Moderne, zwischen Anpassung (Homogenisierung) und Differenzierung, zwischen Authentizität und Synkretismus, Widerstand, Transformation und Ökonomisierung der Musikstile, verlangt von jedem Musiker, von jeder Musikgruppe spezielle Entscheidungsgrundlagen für jedes einzelne Musikstück in je einem besonderen Kontext: "Wie und für welchen Zuhörerkreis soll ein Musikstück gestaltet werden, damit es eine Chance hat, in den globalen Markt der World Music zu gelangen?"
Fallbeispiele zur Vermischung
regionaler Musikinstrumente und Stile
Anhand einiger ausgewählten Fallbeispiele
sollen einzelne Stationen der Musikverflechtungen auf dem Weg zur Globalisierung
verdeutlicht werden. Einzelne markante Entscheidungen werden von Musikern
laufend im Hinblick auf die Frage getroffen, ob sie ihre traditionellen
Stile vermengen sollen und, wenn ja, auf welche Weise.
Kompartmentalisation
- Begegnung von zwei Musikstilen, ohne
sich direkt zu vermischen ("Kennst du net des Fritzengerchle"
der Nürnberger Gruppe ÄLABÄTSCH):
Bei der einfachsten Form der Vermischung von zwei Stilen wird ein Musikstück,
wie zum Beispiel ein fränkischer Schottisch, das erste Mal in der
traditionellen Art der Volksmusik gespielt und beim zweiten Durchgang
in einer Jazz-Version.
Diese Art der Kompartmentalisation basiert auf einem bikulturellen Konzept,
das beide Stile quasi unvermischt in zwei Sprachen nebeneinander bzw.
hintereinander gelten lässt.
Zwei Klarinetten, Violine, C- und F-Blockflöte, Mandoline und Gesang
in fränkischem Dialekt, Banjo, zwei Gitarren, E-Bass und Löffel
bilden das Ensemble, das allerdings von Volksmusikpuristen kritisiert
wurde, E-Bass und amerikanisches Banjo würden nicht in die bayerische
Volksmusik gehören und ebenso wenig hätte eine verjazzte Musik
hier etwas zu suchen.
Fusion -
Ethno trifft Klassik (CD "Mozart in Egypt"):
In der Fusion von Ethno und Klassik werden die klassisch-harmonischen
Kompositionsprinzipien des Doppelquartett in F-Dur (KV 496) von W. A.
MOZART mit dem eher linear-orientalischen Prinzip der ägyptischen
Arghul (Doppelklarinette) vermischt.
Hinzutreten Rabab (Spießgeige),
Kaval (Flöte) und Trommelinstrumente
wie Tabla, Darabuka,
Deff sowie Klarinette und Querflöte.
Ausführende der klassischen Musik sind Mitglieder des Bulgarischen
Sinfonie-Orchesters.
Traditionelle ägyptische Musikinstrumente werden hier im Kontext
europäischer Klassik ästhetisiert.
Kontrastprinzip -
Zusammenprall der Stile (KERBERBROTHERS ALPENFUSION: "Sepp,
bleib no do" von der CD "Deutscher Folk Förderpreis, 1998,
Nr. 2"):
Die bayerischen KERBERBROTHERS machen traditionelle deutsche Volksmusik,
experimentieren jedoch auch mit transglobalem Ethno-Pop, Free Jazz, Rockmusik
und Rap. Sie bezeichnen ihre Art der freien Volksmusik als "Alpenfusion".
Mit Hackbrett, Horn, Alphorn, Trompete und Posaune, Zither, Bass, Perkussionsinstrumenten
und Gesang wurzeln sie in der traditionellen (lokalen) Volksmusik Bayerns,
folgen ihrer Grundstruktur und schaffen zugleich eine Brücke zu neuen,
individuellen Improvisationen und Kompositionen. Mit dem neckischen Volkslied
"Sepp, bleib no do" prallen unterschiedliche Stile hart aufeinander
und werfen damit konkret auch die Frage auf, wie unterschiedliche Stile
miteinander trotz ihrer strengen Kontraste "integriert" werden
können:
"Unsere Absicht ist es, auf neue Art (statt der
üblichen Synthese alter und neuer Musik) mit dem Konzept der Gegenüberstellung
- mehr auf gefühlsmäßiger Ebene als auf der intellektuellen
- an die alte volksmusikalische Empfindung anzuknüpfen, um sie
mit dem Zeitgeist zu verbinden."
Minimal Music
auf Instrumenten bolivianischer Indios ("Imaraycu"
= "Warum?" von der CD "Arawi. The Doctrine of Cycles. The
Contemporary Orchestra of Native Instruments, 1990, No. 5"):
Zeitgenössische Orchestermusiker eigneten sich die Spielweise indianischer
Musikinstrumente an, die über die Jahrhunderte während des Kolonialismus
von der Elite als "primitiv" und verachtet ausgeklammert blieben.
Diese neue Akzeptanz des Traditionellen vermischt den Typus der modernen
"Minimal Music" mit dem Klangfarbenreichtum der Tarka
(Kernspaltflöte), die traditionellerweise von bolivianischen Bauern
nur während der Regenzeit gespielt werden.
Ethnische
Musikinstrumente verschiedener Länder
in einer Komposition:
ANDREAS VOLLENWEIDER
verwendet in seinen sechzehn komponierten Episoden zu seiner CD "Book
of Roses" (1992) über 16 Musikinstrumente aus aller Welt. Er
integriert diese zu dem südafrikanischen A-capella-Chor der LADYSMITH
BLACK MAMBAZO, einem bulgarischen Männerchor und dem rätoromanischen
Chor CURIN CURSCHELLAS.
In seiner westlich orientierten und romantisch-sinfonisch mit Jazz- und
New-Age-Elementen konzipierten Orchestermusik verschmilzt Vollenweider
alles zu einer suitenähnliche Komposition. Die Instrumente sind Bambusflöte,
Erhu (Fidel) und Pipa
(Kurzhalslaute) aus China, Hackbrett und griechische Flöten aus Griechenland,
Bambusflöte und Sitar aus Indien, südamerikanischer Charango,
spanische Gitarre, je eine zwölfsaitige, eine akustische und eine
E-Gitarre, afrikanische Kora (Stegharfe),
E-Harfe, australische Tonflöten, slowakische Fujara
(Hirtenflöte), Akkordeon, akustischer Bass und E-Bass, Piano, Keyboard,
Hooter, Toms, Englisch-Horn, Posaune, Fagott, Cello, Harmonika, Perkussionsinstrumente
aus Stein, Trommeln, Fußstampfen, Klatschen und Orchester, usw.
Imaginiert wird die Welt der Musikinstrumente mit den kompositorischen
Mitteln einer "soundscape".
Ein Musikinstrumententyp
im Dialog der Kulturen
Während des jährlich stattfindenden Tanz- und Folksfestivals
von Rudolstadt wird jeweils auch ein Musikinstrument zu einem Themenschwerpunkt
erhoben, wie zum Beispiel die "Zithern der Welt" (1996, 2004)
"Magic Marimbas" (2003) oder "Knie-Fidel-Magie" (2002),
"elektrische Gitarre" (2005).
In Workshops erarbeiten sich die Zither- oder Marimbaspieler, bzw. die
Fidler je aus den verschiedensten Ländern in einer Art einstudierter
Jam-Session eine "musikalische Suite", die derart konzipiert
ist, dass jedes Länderinstrument mit seiner musikalischen Sprache
im Wechsel mit den anderen hervortritt und jede einzelne Spielerin bzw.
jeder einzelne Spieler auch flexibel auf die musikalische Sprache des
anderen gleichgearteten Instruments eingehen kann.
Der Idee nach entwickelt sich hier ein dialogisches Musizieren, das die
Wege einer Transkultur vorbereitet, wo wie beim Zither-Workshop ungarisches
Cimbalon, Klezmer-Tsimbal, Bowhammer Dulcimer aus den USA, iranische Santur,
Salzburger und Appenzeller Hackbrett, chinesische Yangqin und Kontrabass
zusammenfinden.
Eine
multikulturelle Gruppe
im grenzüberschreitenden Musizieren
BUSTAN ABRAHAM ist eine
jüdisch-arabisch-amerikanische Musikgruppe in multi-ethnischer Besetzung.
Das Instrumentalensemble umfasst eine persische Zither (Kanun),
eine Laute (Ud) aus dem mittleren Osten,
spanische Gitarre, amerikanisches Banjo, europäische Geige, arabische
Bechertrommel (Darabuka) und
aus Afrika eine Rahmen-Trommel (Deff)
sowie einen zusätzlichen Kontrabass. Es ergibt sich ein "melting
pot" verschiedener Musikinstrumente im simultanen Ausdruck differenter
Kulturen und Aufführungsstile. Stilistisch handelt es sich um ein
integratives Konzept.
Geigenmusik der Roma erklingt in Kombination mit Mustern des spanischen
Flamenco über einem langsamen Rhythmus des Mittleren Ostens.
Die Musik beinhaltet eine multikulturelle "Performance", übermittelt
von Musikern mit jeweils unterschiedlich ethnischer Herkunft.
Transkultur
- Samplingverfahren und die Erkundung
neuer Klänge jenseits der Zeit- und Raumbezogenheit
In LÁSZLÓ
HORTOBÁGYIs elektroakustischen Landschaften erklingen Konstrukte
einer fortgeschrittenen Medientechnologie. Sampling, traditionelle Gongs
und tibetische Rezitation, Glokken, Bordune, zeitlose Raumklänge,
Imaginationen neuer Klangvisionen und Klangkombinationen erscheinen, wie
in anderen Kombinationen, auch als râgamelan
(zusammengesetzt als raga und gamelan)
Barock-Raga, kriti-Barock, Trance Macabre usw.
Zwischen Mythos, Magie, Futurismus, psychomusikalischer Expedition und
virtuell konstruierter "Fakelore" bewegt sich das breite Spektrum
solch ortloser Klangfantasien.
Authentizität
jenseits von Purismus, Revival, Synkretismus und Transformation
Der beschleunigte Modernisierungsprozess im Verbund mit den medientechnisch
globalen Entwicklungen ist unumkehrbar geworden. Ein Konsens über
kulturelle und im besonderen über musikalisch-ästhetische Inhalte
scheint weder im lokalen noch globalen Bereich möglich noch angestrebt
zu sein. Zu durchlässig sind die unterschiedlichen Kulturen, Stile
und Gattungen, Interessen und Geschmacksvorstellungen.
"Jede Art von Musik ist gefangen zwischen Konservieren
der alten Weise und der Neudefinition durch die Gegenwart."
(W. A. MATHIEU, CD Planet Soup 1995:5).
Das Authentische einer Musik kann nicht essentialistisch in einem historisch-gesellschaftlichen
Zeitabschnitt gefunden, sondern ausschließlich im individuellen
Prozess eines authentischen Musizierens, Improvisierens oder Komponierens
gesucht werden.