
Rembétika in der griechischen
Diaspora
Rembétika (auch
Rebétika) entstand
in griechischen Immigranten- und Armenvierteln, als mit der Gründung
der Türkei nach dem Friedenvertrag von 1923 Griechenland 1,3 Millionen
christliche Griechen aus Istanbul und Smyrna (Izmir) ins Heimatland zurückholen
musste und im Gegenzug die Türken 30.000 auf dem griechischen Boden
lebende Moslems aufnahmen.
Aus dem städtischen und armen Milieu der neu angesiedelten
griechischen Flüchtlinge entstand im Zusammentreffen von nostalgisch-orientalischer
Musik der ottomanisch geprägten Tradition der Einwanderer und der
lokalen griechischen Unterhaltungsmusik eine europäisch geprägte
Subkultur der Städte.
Der mehr mit orientalischen dromoi-Tonskalen
geprägte "Smyrna-Stil"
traf somit auf den eher modalen "Piräus-Stil",
aus denen eine erste Blüte des Rembetiko
hervorging.
Rembetiko entwickelte sich aus dem musikalischen Schmelztiegel der Musik in Basaren, Kneipen und Kaschemmen in den Hafenstädten von Piräus und Thessaloniki und in der Hauptstadt von Athen.
Ungewiss ist die Bedeutung des Wortes. Nahe liegt das türkische "rembet" für die Herkunftsbezeichnung: Musik "aus der Gosse". Aus einfachen teil-improvisierten Liedern zur türkischen Baglama-Halslaute im Stil des taxími (türk. taksim) und der makam-Tradition entwickelte sich im Zusammengehen mit dem griechisch gesungenen Lied das "blues-artige" Genre Rembétiko.
Wechselhaft ist die Geschichte dieses neuen Stiles als Musik der Armen und Besitzlosen mit Themen über Gefängnis, Liebe und Tod, über Tabak, Haschisch und Junkies. Aber auch mit Aufbegehren, Widerstand und Protest gegen Unterdrückung und Zensur ist Rembetiko verbunden, insbesondere während des Zweiten Weltkriegs und des anschließenden Bürgerkriegs.
Revival des Rembétiko
Rembétiko erlebte einen Aufschwung in den 1940er-Jahren als VASSILIS
TSITSANIS um 1955 die alten Drogentexte durch Liebesthemen, die orientalischen
dromoi (d.h. makamat-Skalen)
durch Dur- und Moll ersetze, zur griechischen Bouzouki-Laute (s. Bild
1) sang und in der sonst durch Männer besetzen Domäne auch mit
ausdruckvollen Sängerinnen zusammen zu arbeiten begann.
Nach Amerika ausgewanderte und reich gewordene Musiker re-importierten
Schallplattenaufnahmen. Daraus wurde schließlich das populäre
Bouzouki-Ensemble mit
Baglamas, Bouzouki, Klavier und Schlagzeug.
In den letzten zwei Jahrzehnten kam es wiederum zu einem Revival von Rembétiko. Alte Stile werden seit den 1990er-Jahren wiederentdeckt, rekonstruiert und neu interpretiert, wie der Smyrna-Stil oder die orientalische Musik der Café Aman von Athen und Piräus.
Rembetiko ist inzwischen ein Musik-Stil geworden, der ähnlich
wie Tango, Salsa oder Reggae in vielen Städten der Welt nicht nur
von griechischen Auswanderer der zweiten und dritten Generation, sondern
auch von zahlreichen begeisterten Anhängern in einzelnen Musikgruppen,
sei es in Melbourne, Berlin, Stockholm, London oder New York gepflegt
wird.
Zur weltweiten Verbreitung und Popularisierung im Sinne der World Music
haben nicht zuletzt Filme wie "Alexis Sorbas"
mit Musik von MIKIS THEODORAKIS
und "Rembetiko" von COSTAS FERRIS
beigetragen.