
Die Show verstärkt, verselbstständigt
und vereinseitigt allgemeine Merkmale des Musizierens als Darbietungs-Musik
für ein (zahlendes) zuhörendes und zuschauendes Publikum: die
optischen (mimischen, gestischen), theatralischen Mittel der Musikpräsentation
treten gegenüber der klanglich-akustischen Seite in den Vordergrund.
Die Mittel der Podiums- bzw. Bühnenpräsentation umfassen ein
reiches, vielfältiges Spektrum; solche Mittel
der Bühnenpräsentation sind:
Show als Gesamtkunstwerk - zur
Geschichte
Die "Show" als nach außen ans Publikum gerichtete, effektvolle
Darstellung der Musik und zugleich Selbstdarstellung ist ein unerlässliches
und legitimes Element von umfassender, vielgestaltiger Virtuosität
auch in früheren Phasen der Musikgeschichte. Sie entfaltet sich im Zeitalter der technischen Massenmedien und hauptsächlich
im Zusammenhang mit der populären Musik (Bild 1), hat aber Parallelen auch im "klassischen" Konzertwesen einschließlich der neuen Musik. (Absichtliche und auch unwillkürliche
theatralische Effekte des Musikmachens werden im "Instrumentalen
Theater" der 1960er-Jahre zum gesonderten Gegenstand des Komponierens
und der Aufmerksamkeit.)
Immer wieder gibt es dabei Übergänge
zu explizit musiktheatralischen Gattungen und Typen, etwa bereits
Im Unterschied zur Show im engeren Sinn gibt es hier eine mindestens
lose geknüpfte, als roter Faden dienende Handlung.
Jazzensembles bezogen Showelemente
von Anfang an schon in New Orleans und anderen Entstehungsorten des Jazz
ein, besonders aber die Big Bands, die in den 1920er-Jahren z. B. in größeren Hotels auftraten.
Seit den 1940er-Jahren bildete sich ebenfalls in den USA die speziell
unterhaltungskulturelle, meist um populäre Musik zentrierte Show heraus. Der Star und oft der Entertainer sind dabei Leit- und Zentralfigur.
Hier verstärkt sich die - letztlich nur relative, nicht totale
- Verselbstständigung dieser sachlichen und personalen Elemente
auf Kosten des Musikalischen zum eigentlichen Inhalt der Veranstaltung.
(Ein Rockkonzert ist weder Modenshow noch Striptease. Umgekehrt wiederum
bedienen sich solche Kulturformen der Attraktivität der Musik.) Eine
weitere, technisch-ästhetisch orientierte Steigerung der Effekte
ist die Lightshow als Bestandteil der
Live- Aufführung etwa seit 1965.
Lightshow und Gag
Die rein optischen Effekte als Teil der Bühnenausstattung verselbstständigen
sich in der Lightshow bei der
Live-Aufführung. Rhythmisch wechselnde Kombinationen
gleißenden, vielfarbigen Scheinwerferlichts, Spots, Stroboskopeffekte,
heute auch Laserstrahlen korrespondieren - synchron oder kontrapunktisch
- mit den zeitlich-formalen Abläufen der Musik. Rockgruppen
haben dafür auf ihren Tourneen in der Regel eigene, aufwändige
und teure Lichtanlagen und Lichttechniker; immer häufiger ist inzwischen
die Lichtgestaltung während der Veranstaltung computergesteuert.
Die ersten Experimente mit einer solchen Kombination von Licht und Musik
machten Gruppen des von der Hippie-Bewegung beeinflussten Psychedelic
Rock nach 1965. Historisch weit zurückreichende Vorformen
sind verschiedene Ansätze zu einer Farb-Licht-Musik, etwa im Farblichtklavier
mit der Kombination von Tönen, Tasten und Farben um und nach 1900.
Allerdings können die optischen Show-Elemente in einem zweiten Entwicklungsschritt
doch wieder musikalisch integriert werden. So kam der Einsatz von Go-Go-Girls
in US-amerikanischen Nachtklubs in den Nachkriegsjahren auf und wurde
in den sechziger Jahren dann vor allem in den Varietés auch zu
einem selbstständigen Bestandteil der Bühnenpräsentation
von Musik. Die meist nur spärlich bekleideten Tänzerinnen traten
ursprünglich als Zweier- oder Dreiergruppen auf. Neben der optischen
Funktion als zusätzlicher Blickfang
hatten und haben sie darüber hinaus jedoch oft noch die Funktion
eines vokalen Backgrounds zur Musik
und vertreten mit meist relativ einfachen Rufen, Antworten u. Ä.
das Publikum mit.
Und im Zusammenhang mit der Lightshow hat sich seit den 1970er-Jahren
eine Form der Visualisierung von Musik
entwickelt, die die Lightshow zu einem integralen Bestandteil der Musik
selbst macht. Das entspricht der allgemeinen Tendenz zur Emanzipation
des optischen Bereichs der Musikdarbietung: sie wird von einer bloßen
Begleitung oder einer inhaltsarmen Verselbstständigung zu einem ästhetisch
grundlegenden, mit dem Klanglichen etwa gleichberechtigten Element des
Aufführungsprozesses. Der Aufwand für die Lightshows wurde auch
dadurch allerdings immer größer.
Überraschungen, Gags aller Art
sind Bestandteil der Show. Neben (auch verbalen) Scherzen
bei der Vorstellung der Gruppen und bei Überleitungen aller Art kann
das exhibitionistische, sich ausstellende
Element der Show auch ins Destruktive übergehen. Gags als
überraschende Bühneneffekte bei Live-Konzerten gehen dann bis
hin zum Zerschlagen oder Verbrennen der Instrumente, Zerstörung der
Bühneneinrichtung oder exhibitionistischen Obszönitäten.
Harmlose wie weniger harmlose Gags verstärken die Show-Tendenz. Derlei
Effekte nützen sich jedoch rasch ab. Die verselbstständigte
Show genügt nie auf Dauer und führt immer wieder zu Pendel-
bzw. Gegenbewegungen. So wandte sich gegen den Glitter
Rock (wörtlich "Glitzer Rock", auch "Glamour
Rock") als kurzzeitige Entwicklungsphase
der Rockmusik zu Beginn der siebziger Jahre die - wesentlich tiefer
greifende - Welle des Punk Rock.
Entertainer, Personality Show, Master
of Ceremony
In den USA beginnt schon in den 1940er-Jahren die Verselbstständigung
dieser Elemente zum eigentlichen Veranstaltungsinhalt, sodass die Musik
dann nur noch der Anlass für ein vieldimensionales Gesamtprodukt
aus Stars, Tanz, Licht und Bewegung ist.
Die Show-Tendenz treibt den Typus des Entertainers (bereits seit den 1940ern) neu aus sich heraus und führt zu Sonderformen
wie der Personality Show. Sie ist eine Personalveranstaltung im Unterschied zur Ensemble-Veranstaltung der Pop- oder Rockgruppe. Die
Personality Show ist ein abendfüllendes Bühnenprogramm eines
einzigen Interpreten (meist Sänger), das ganz oder hauptsächlich
von ihm allein bestritten wird. "Personality" meint dabei die Ausstrahlungskraft des Stars, oft mehr medial produziertes
und induziertes "Image" als genuine "Persönlichkeit".
Der "Star" ist mit seiner
Person das Zentrum des Programms. Weitere Mitwirkende erscheinen als "seine"
Gäste (Special
Guests). Die Form der Personality
Show wurde in den frühen fünfziger Jahren in den USA vor allem
für das Fernsehen entwickelt. Das Erfolgsmodell wurde inzwischen
auch auf nicht-musikzentrierte und nicht-musikbezogene "Formate"
im Fernsehen übertragen.
Der Entertainer (wörtlich "Unterhalter") ist eine bereits
vor Aufkommen der modernen Show im Unterhaltungsgewerbe ausgeprägte und etablierte soziale Figur. Es sind in der Regel Sänger-Darsteller
(selten erhalten Frauen diese Rolle). Ihre Auftritte beinhalten neben
ihren Songs
Die Darbietung wird so zur Personality Show. Diese prägte sich etwa seit den 1940er-Jahren in Nightclubs (Bild 2), dem Varieté u. Ä. in Vergnügens- und Unterhaltungszentren innerhalb großer Städte aus. Vorläufer sind u. a.:
Eine Fortsetzung findet dieser Typus im Master of Ceremony im Zusammenhang mit dem Hip-Hop und der Diskotheken-Kultur. Die Diskjockeys reaktivierten und integrierten den Master of Ceremony, denn sie wurden durch die immer komplizierter werdenden Mischverfahren als gewissermaßen "live" komponierende Technologen voll in Anspruch genommen. Der Master of Ceremony (MC) übernahm nun den verselbstständigten, stimmungsfördernden Show-, Animations- und Unterhaltungs-Aspekt der DJ-Tätigkeit mit rhythmischem Sprechen, witzigen Kommentaren und dem Anfeuern der Tänzer. Das war im Ubrigen auch ein Ausgangspunkt des Rap.