



Herkunft, Verbreitung
und Bau der Sitar
Die Sitar ist ein Saiteninstrument,
welches aus Persien stammt (13. Jh.). Es ist ein Grundinstrument der indischen
Musik.
Die Sitar besitzt einen birnenförmiges Holzkörper
mit langem Hals, an dem oberhalb ein zweiter kleinerer Resonanzkörper
angebracht ist (Bild 1). Sie besitzt bis zu zwanzig verschiebbare brückenartige
Metallbünde, die entsprechend der geforderten Tonreihe am Hals befestigt
werden.
Es gibt vier Spielsaiten aus Stahl oder Darm, zwei bis drei Bordunsaiten
sowie bis zu zwanzig Resonanzsaiten unterhalb der Bünde.
Wichtig für die Klangcharakteristik ist die aus Elfenbein gefertigte
Stegplatte: Sie beeinflusst die schwingenden Hauptsaiten.
Der Anschlag erfolt mithilfe eines Metallplektrums. Die Spieltechnik ist
recht kompliziert.
Sitar und Râga
Die Praxis der Mehrstimmigkeit ist der klassischen indischen
Musik fremd. Die Einstimmigkeit ist umso kunstvoller auf dem Prinzip des
Râga
aufgebaut, einem melodischen Grundmuster, welches an
bestimmte Tonleitern (That)
gebunden ist und eine steigende (arohana) und
eine fallende (avarohana) Struktur
besitzt (s. auch Bild 2 bzw. Hörbeispiel 1):

Die Darbietung eines Raga kann sich über Stunden ausdehnen und wird gewöhnlich mit einer langsamen, metrisch nicht gebundenen, improvisierten Introduktion (alap) begonnen. Im folgenden Teil (jor) tritt das rhythmisch-metrische Element hinzu, ohne die Improvisation einzuschränken. Der jor leitet über zum jhala, in dem Temposteigerungen bis zur atemberaubenden Kulmination stattfinden.
Das Musikinstrument für einen Râga ist die Sitar.
Die Sitar erklingt oft in Verbindung mit Tamboura (auch Tanpur, einem Saiteninstrument mit begleitender Bassfunktion) und Tablâ (Kesseltrommel).
RAVI
SHANKAR
Bekanntester Sitar-Spieler (und Komponist) ist RAVI
SHANKAR (*1920, Bild 1), der sowohl dieses Instrument wie die traditionsreiche
indische Râga-Tâla-Musik überhaupt in den 1950er- und
1960er-Jahren weltweit popularisierte.
Von großem Einfluss auf die Rockszene war SHANKARs überaus erfolgreiche Auftritte 1967 auf dem Monterey Pop Festival und beim Woodstockfestival 1969.
RAVI SHANKARs älterer Bruder UDAY wirkte bereits in den 1930er-Jahren für die Popularisierung der indischen Tanz- und Musiktradition in Europa.
Sitar
und Râgarock
In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre entwickelte
sich eine Richtung in der Rockmusik, die versuchte, rhythmische Tâla-Elemente
und melodische Râga-Elemente sowie traditionelle
Instrumente der indischen Musik (eben wie die Sitar) zu adaptieren. Diese
Rockrichtung wird auch als Râgarock bezeichnet.
Berühmtester Vertreter ist GEORGE
HARRISON (1943 - 2001) von den BEATLES, der bei RAVI
SHANKAR Studien betrieb.
HARRISONS Neigung zur indischen Philosophie
und Musik führte bereits 1965 zum Einsatz der Sitar in
"Norwegian Wood" (JOHN LENNON / PAUL MCCARTNEY, 1965) der BEATLES.
Ein noch bedeutenderes Beispiel ist "Within You, Without You"
(1967). Hier spielen mehrere indische Musiker mit.
Weitere Vertreter sind die Gruppen BIRDS, YARDBIRDS, JEFFERSON AIRPLANE und JOHN MCLAUGHLINS MAHAVISHNU ORCHESTRA. Diese Gruppen experimentierten teilweise schon vor den Beatles ebenfalls mit Klangbildern der indischen Musikkultur.
Rückblickend muss jedoch festgestellt werden, dass eine tatsächliche Synthese von indischer Musik und Rock nicht stattgefunden hat, hauptsächlich wohl deshalb, weil Europäer bzw. Amerikaner schwerlich in der Lage sind, tieferen Zugang zu Inhalt, Symbolkraft und Technik der traditionellen indischen Kultur zu finden.
Sitar
und Trance