








Entstehung
Die Sonate entstand nach 1600 mit
der Herausbildung von Generalbass und
konzertierendem Stil. Zunächst hießen "Sonate" mehrstimmige,
auf Instrumente übertragene Vokalsätze Canzoni
da (oder per) sonar(e), als Werktitel erstmals 1561 belegt und
seit den 1580er-Jahren gebräuchlich. Satztechnisch sind instrumentale
Kanzone und Sonate nicht scharf zu trennen.
Ein erster Höhepunkt sind die Sonaten und Sinfonien GIOVANNI
GABRIELIs (1554/1557-1612/1613)
in Venedig für mehrere Instrumentalchöre (canzon da sonar).
Die Bezeichnungen meinen nicht mehr als "Klingstücke" oder
- instrumentale - "Zusammenklänge". Sie sind
Ausgangspunkt sowohl für Orchester- wie für Kammermusik. GIOVANNI
GABRIELI schrieb eine "Sonatta con tre violini" mit einem "Basso
se piace" ("Sonate mit 3 Violinen und Bass nach Belieben",
veröffentlicht 1615). Diese Triosonate für 2 Solostimmen
plus Generalbass wird im Barockstil
des Absolutismus eine charakteristische
Gattung der anspruchsvollen Kammermusik.
Triosonate
Hauptform der Sonate wurde seit etwa 1680 die Triosonate.
Triokanzone (1602) und Trioritornell (1607) bilden Vorstufen der Triosonate.
Der besonders von ARCANGELO
CORELLI (1653-1713, Bild 1) ab 1681 ausgebildete Typus der
Triosonate hat bis zum Ausgang der Generalbasszeit um 1750 eine zentrale
Stellung. Der spezifische Satz - 2 Melodiestimmen im Sopran
und Generalbass - kann auch chorisch-orchestral realisiert werden.
Die Triosonate tritt in zwei Typen auf.
Beide Bezeichnungen sind bekannt seit 1637. Die Hauptzentren der Pflege beider Typen waren bis ins 18. Jh. neben Venedig die nord- und mittelitalienischen Städte
Ihre klassische Ausprägung erfuhren sie zu Ende des 17. Jh. in Rom durch ARCANGELO CORELLI. Er schrieb 48 Triosonaten op. 1-4 (gebündelt zu je 12 Sonaten, Rom 1681, 1685, 1689 und 1694). Die Bassstimme ist neben dem Violone (= Bass-Viola) bei den Kirchensonaten op. 1 und op. 3 mit Orgel, bei den Kammersonaten op. 2 und op. 4 mit Cembalo zu besetzen.
KlaviersonateIm Übergang zur Wiener Klassik entfaltet sich zusammen mit dem wachsenden ästhetischen Anspruch der Gattung das Formprinzip der Sonatenhauptsatzform sowie die standardisierte zyklische Satzfolge
Die Ausgestaltung der zweiteiligen Form zur Dreiteiligkeit der Sonate erfolgte besonders unter Einwirkung der Da-capo-Arie, des Instrumentalkonzerts und des ersten Satzes der neapolitanischen Opernsinfonie durch
Ein wesentlicher Impuls für die Anlage des Satzes in drei gleichberechtigten
Teilen war das zunehmende Interesse an der Ausgestaltung der Durchführung:
sie ist der Ort, wo die Spannungen der Harmonik und der Thematik durch
motivische Arbeit und kontrastierende
musikalische Charaktere ausgetragen werden. Die Durchführung erhielt
in den Werken LUDWIG VAN BEETHOVENs
(1770-1827) immer größere Bedeutung und wurde in der Romantik
und der nachklassischen Form- und Material-Entwicklung zum zentralen und
wichtigsten Teil der Sonate.
FRANZ SCHUBERT (1797-1828, Bild 6) setzt demgegenüber in seinen 21 Sonaten auf eine kaum dramatisch, sondern lyrisch sich aussingende Grundhaltung. Nach FRANZ SCHUBERT verliert die Gattung Sonate und speziell die Klaviersonate gegenüber Varianten des "lyrischen Klavierstücks" ihre zentrale Bedeutung.
Weiterentwicklungen
der Sonate seit dem 19. Jh.
Wie bei vielen vokalen Gattungen und im Bereich der Orchestermusik, so lösen
sich auch bei instrumentaler Ensemble- und Kammermusik feste Gattungsgrenzen
und Besetzungstypen durch die Neue Musik seit 1905 auf. Das steht in Wechselwirkung mit der insgesamt abnehmenden
Prägekraft von Gattungsmodellen in diesem Musizierbereich. Nicht selten
suchen die Komponierenden nach spezifischen und besonderen Lösungen
für jedes Einzelwerk. Dennoch bleiben durch die institutionelle Schwerkraft
(bis hinein in Strukturen der Ausbildung) tradierte Gattungen weiterhin
Bezugspunkte des Komponierens, als Herausforderung zur produktiven Auseinandersetzung
mit der Tradition.
Nach der Wiener Klassik dominierte die Vorstellung von Sonate als Werk für Soloinstrumente (allen voran das Klavier) sowie Duos von Klavier plus einem anderen Musikinstrument, vorrangig die Violine. Dazu gehören z. B.
Einzelne herausragende Werke für Klavier wie FRANZ LISZTs (1811-1886, Bild 7) Klaviersonate h-moll (einsätzig, dabei in sich vielfältig differenziert wie seine "Symphonische Dichtung" von 1853) oder die insgesamt 10 Klaviersonaten von ALEXANDER SKRJABIN (1871-1915), häufig mit offenem Programm, halten die Tradition der Gattung Sonate lebendig. Auch im 20. Jh. entstehen so immer wieder bedeutende Einzelwerke wie etwa PIERRE BOULEZ' (* 1925, Bild 8)