


Diese sogenannten Majors (weil mehrheitliche Marktanteile) sind durch
gekennzeichnet. Sie verfügen über eigene Vertriebsorganisationen für ihre Produkte, was ihnen ihre marktbeherrschende Stellung sichert.
Ihnen stehen als Gegenpol die sogenannten Independents
("Indies")
gegenüber, basisnahe Kleinfirmen, deren Aktivitäten nicht primär
renditegesteuert, sondern viel stärker produktbezogen sind. Sie vertreten
ein bestimmtes Musikkonzept. Wenn dieses wirtschaftlich nicht mehr umsetzbar
ist, werden sie aufgegeben, statt sich unter rein betriebswirtschaftlichen
Gesichtspunkten nach profitableren musikalischen Betätigungsfeldern
umzusehen. Ihre Bezeichnung als "Unabhängige",
womit ursprünglich der von den Major-Firmen unabhängige wirtschaftliche
Status gemeint war, hat sich allerdings bereits seit den 1970er-Jahren
überlebt. Auch sie sind heute - insbesondere durch Vertriebs-
und Beteiligungsabkommen - als flexibel arbeitende Talentesucher
und -entwickler mit den marktbeherrschenden Firmenkonglomeraten auf die
eine oder andere Weise direkt oder indirekt verbunden.
Die internen Strukturen
Aber auch firmenintern ist durch die Bildung mehr oder weniger selbstständig
arbeitender Profit Center sowie durch
die relative Autonomie von Labels und Labelgruppen
die Zentralisation von Finanz-, Verwaltungs- und Vertriebsmanagement mit
einer weitgehenden Dezentralisierung des
kreativen Bereichs verbunden. So wie die Branche insgesamt durch
eine Verzahnung von zentralisierten (Majors) und dezentralisierten (Indies)
Strukturen gekennzeichnet ist, weisen die hier tätigen Unternehmen
eine analoge Struktur auf.
Voraussetzung dafür war die konsequente administrative Trennung der Grundfunktionen der Tonträgerherstellung und -vermarktung nach:
Diese Grundfunktionen sind Bestandteil jedes hier tätigen Unternehmens,
auch wenn die Bezeichnungen variieren können und die administrative
Umsetzung dieser Grundfunktionen nicht zwingend an bestimmte, mit ihnen
deckungsgleiche Organisationseinheiten gebunden ist.
Die Peripherie
Obwohl der Tonträger im Zentrum der Musikindustrie steht, ist dessen
Produktion und Verbreitung ohne eine ganze Reihe vor-, neben- und nachgeordneter
Bereiche nicht vorstellbar. Insbesondere sind hier natürlich die
Übertragungsmedien Rundfunk
und Fernsehen zu nennen, die die wichtigsten Propagierungsinstrumente
für die Produkte der Tonträgerindustrie darstellen, so wie sie
umgekehrt mit ihrem Programminhalt - soweit es die Musik betrifft
- von den Tonträgerherstellern abhängig sind.
Darüber hinaus generieren sie mit ihrer nach dem Urheber-
und Leistungsschutzrecht gebührenpflichtigen Nutzung von Musik
zugleich einen erheblichen Teil des Einkommens, der als Tantiemen
an die Autoren und Interpreten zurückfließt. Von zentraler
Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die Musikvideo-Kanäle
des Kabelfernsehens, denn sie sind auf die Hauptzielgruppe der
Tonträgerindustrie mit dem ausschließlichen Zweck der Absatzförderung
ausgerichtet.
Ebenfalls von beträchtlicher Bedeutung sind nach wie vor die Printmedien.
Insbesondere die Musikverlage
- bis zur massenhaften Durchsetzung der Schallplatte einmal die zentralen
Instanzen der Musikindustrie - spielen mit der kommerziellen Wahrnehmung
des Urheber-
und Vervielfältigungsrechtes
als Materialquellen eine entscheidende Rolle. Ihre Aufgabe ist es, das
von ihnen erworbene Urheber- und Vervielfältigungsrecht an einem
Musikwerk durch Nutzungsverträge mit der Tonträgerindustrie
sowie im Lizenzhandel zu verwerten.
Dagegen spielen die ursprünglich einmal primären Aktivitäten,
Notendruck und Musikalienvertrieb,
inzwischen eine nicht gänzlich vernachlässigbare, aber nur noch
sekundäre Rolle.
Angesichts der fundamentalen Bedeutung des Urheber- und Vervielfältigungsrechtes
für den Prozess der kommerziellen Verwertung von Musik gehören
zu den Branchen führenden Firmenkonglomeraten ausnahmslos auch Musikverlage,
um die Rechte an den auf Tonträgern veröffentlichten Songs im
Haus zu behalten:
Der in den letzten Jahren immens an Bedeutung gewonnene Handel mit Lizenzen
und Rechten wird über Lizenzagenturen
abgewickelt. Allein in Deutschland sind dafür über zwanzig
selbstständig agierende Agenturen mit einem geschätzten Jahresumsatz
von über 2 Mrd. Euro tätig, die die potenziellen Lizenznehmer
in der werbetreibenden Industrie, der Konsumgüterindustrie und in
den Medien mit den Lizenzgebern zusammenbringen. Marktführer ist
die US-Firma "Signatures
Network", welche
die Lizenzrechte von 125 internationalen Superstars - von BRITNEY
SPEARS über ROBIN WILLIAMS bis MADONNA und BRUCE SPRINGSTEEN -
vermarktet.