


Begriffsbestimmung
Swing (Hörbeispiel 1)
ist ein in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre entstandener Jazzstil,
der sich vor allem in den Big Bands der afroamerikanischen Bandleader
Ab Mitte der 1930er-Jahre wurde durch die spektakulären Erfolge des Orchesters von BENNY GOODMAN (1909-1986, Bild 2) daraus ein Massenphänomen, das die Jugend der damaligen Zeit in seinen Bann zog und mit einer Reihe wilder Tanzmoden verbunden war. Eingeleitet wurde diese Entwicklung durch die - zunächst um des Schauwerts willen - vereinzelt vorgenommene Erweiterung der kleinen Jazz-Ensembles auf die Ausmaße einer Big Band. Das zog zwangsläufig Veränderungen nach sich.
Musikalische Kennzeichen
An die Stelle des bis dahin für den Jazz charakteristischen spontanen
Aufeinander-Reagierens im Musizieren auf der Basis vorher getroffener
Absprachen (Head Arrangement) trat
im Swing nun das geschriebene Arrangement, denn anders war das Zusammenspiel bei einer größeren Anzahl
von Musikern nicht mehr zu organisieren. Hinter jeder erfolgreichen Band
stand damit im Swing ein profilierter Arrangeur. Die Ausdrucksmöglichkeiten für die Musiker blieben jetzt auf
die in den Stückablauf eingefügten Soli beschränkt. Die
durcharrangierten Stücke ließen dafür aber einen erheblichen Ausbau der harmonischen Basis zu, sodass
immer kompliziertere Akkordfolgen mit spätromantisch-impressionistischen Einflüssen, chromatischen
Vorhalts-, Durchgangs- und Wechselakkorden das musikalische Geschehen
zu beherrschen begannen. Damit setzte sich auch der homophone
Satzaufbau, der sich im Chicago Jazz schon angedeutet hatte, endgültig
durch. Zum wichtigsten und Namen gebenden Kennzeichen der neuen Spielweise
wurde jedoch die "swing" genannte metrisch-rhythmische
Eigenschaft des Jazz, die hier mit dem durchgängigem Offbeat-Spiel
ganzer Melodiepassagen (Offbeat-Phrasierung) eine besondere Dominanz erhielt. So wurde jetzt zum Stilkriterium, was
zuvor nur als ein Mittel der Ausdruckssteigerung im Jazz an den melodischen
Höhepunkten eingesetzt war.
Geschichte
Als erste weiße Band dieses Stils begann das CASA
LOMA ORCHESTRA des Altsaxophonisten GLEN GRAY (1906-1963)
ab Ende der 1920er-Jahre mit der Popularisierung des Swing. Wirklich durchgesetzt
hat er sich jedoch ab 1935 dann mit dem Orchester von BENNY
GOODMAN (Bild 2). Eine nicht unwesentliche Rolle spielte der Rundfunk dabei, eine zwischen
Dezember 1934 und Mai 1935 als Werbekampagne von der National Biscuit
Company organisierte Radio-Show mit drei Bands unterschiedlicher Stilrichtung,
darunter auch das BENNY GOODMAN ORCHESTRA, die über die Rundfunkstationen der NBC wöchentlich landesweit
ausgestrahlt wurde und den Siegeszug des Swing einleitete.
"Lets
Dance" (1934), die Erkennungsmelodie
des Goodman-Orchesters, wurde zum Synonym für den Swing. In der Folge
dessen kam fast schlagartig noch eine Reihe anderer Bands zu großer
Popularität, die dann neben dem Goodman-Orchester zu den Hauptrepräsentanten
des Swing gehörten:
Dass die künstlerischen Leiter jetzt Instrumente vertraten, die
bisher nicht als Lead-Instrumente
(Führungsinstrumente) üblich gewesen sind, weist darauf hin,
dass mit dem Swing-Stil sich auch die Funktion einzelner Instrumente im
Jazz veränderte. So wurden nun alle Rhythmusinstrumente auch als
vollwertige und gleichberechtigte Soloinstrumente behandelt, was insbesondere
dem Klavier eine weitaus größere Bedeutung eingebracht hat.
Die Klarinette war jetzt häufig als Soloinstrument eingesetzt, und
es entstand der Bläsersatz, der die Blasinstrumente wie einen einheitlichen,
in sich geschlossenen und homogenen Klangkörper führt. Mit der
E-Gitarre, dem Vibraphon und dem Xylophon kamen neue Melodieinstrumente
hinzu.
Immer deutlicher prägte sich im Swing auch der Doppelcharakter aus, den der Jazz im Spannungsfeld zwischen Tanzmusik und konzertanter Darbietung inzwischen angenommen hatte:
Das Ende der Swing-Ära
wurde durch den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg ausgelöst,
denn die sich häufenden Einberufungen zum Militär machten es
in den meisten Fällen unmöglich, die Big Bands zu halten. Nach
dem Krieg kam es innerhalb der kommerziellen Tanzmusik zu einer Renaissance
des Swing-Stils, die Jazzentwicklung
selbst führte mit dem Bebop nicht nur vom Swing, sondern von da ab
auch von der Funktion des Jazz als Tanzmusik weg.