




















Keyboard oder Synthesizer?
Bevor die Synthesizertechnik detaillierter beschrieben wird, sollte ein
Punkt besprochen werden, der immer wieder für Verwirrung sorgt. Es
geht um die Begriffe Keyboard (Bild 1) und Synthesizer. Übersetzt man das
englische Wort Keyboard, so bedeutet es Tastatur,
weshalb zum Beispiel auch die Computertastatur Keyboard genannt wird.
Für den Gebrauch im musikalischen Zusammenhang besitzt der Begriff
Keyboard zwei Bedeutungen.
Im Gegensatz zum Keyboard bietet der Synthesizer je nach Ausstattung des Gerätes Zugriff auf eine Vielzahl von Parametern, sowohl was den Klang als auch Varianten des Arrangements betrifft. So müssen für einen guten Klang schon mal bis zu 1000 Programmier-Befehle eingegeben werden. Eine geringe Anzahl von Klängen ist zwar vorprogrammiert, doch diese bildet nur den Grundstock eines Soundarchivs, welches sich jeder Synthesizerspieler im Laufe der Zeit aufbaut, sei es aus dazu gekauften, getauschten oder selbst programmierten Klängen. Allerdings reichen für das Programmieren die alleinigen Kenntnisse im Bereich der Musik nicht mehr aus, sondern es spielen durchaus auch Mathematik, Physik und Informatik eine Rolle. Es ist viel Zeit erforderlich, um solch einen Programmieraufwand zu betreiben, der sich im Endeffekt auch rentieren sollte, was den Synthesizer hauptsächlich zum Instrument für Profis der Musikbranche macht.
Entwicklung des Synthesizers
Betrachtet man die gesamte Vorgeschichte des heutigen elektronischen Instrumentariums,
so begann diese erstaunlicherweise bereits 1730,
als der Tscheche Pater
PROKOPIUS DIVI elektrische Spulen in ein Klavier einbaute und
damit die Saiten ohne Hammermechanik zum Klingen brachte. Nach vielen
Experimenten entstand daraus 1887 schließlich
das erste elektrische Klavier.
1903 dann baute Dr. THADDEUS CAHILL das Dynamophon oder Telharmonium. Diese Orgelmaschine, welche immerhin 200 Tonnen wog, benutzte für jeden Halbton einen dampfgetriebenen Stromerzeuger. Da es noch keine Lautsprecher gab, wurden Konzerte in das Telefonnetz eingespeist.
Nachdem 1921 die erste Elektronenorgel gebaut worden war (Hörbeispiel 1), erfand Dr. FRIEDRICH TRAUTWEIN um 1930 das Trautonium. Dieses wurde später zur Geräuscherzeugung beim HTICHCOCK-Thriller "Die Vögel" verwendet.
Schließlich 1934 baute LAURENS HAMMOND die erste Hammond-Orgel, die für ihren unter Musikern als röhrend bezeichneten Klang bekannt ist. Sie wurde rasch populär und findet mitunter heute noch Verwendung (vor allem in der Jazz-, Soul- und Reggaemusik), da ihr Klang selbst mit modernsten Synthesizern nur annähernd nachgebildet werden kann.
Den ersten Synthesizer
der Welt baute 1964 der Physiker Dr.
ROBERT A. MOOG.
Im Laufe der Zeit entstanden in der bald gegründeten hauseigenen
Firma verschiedene Moog-Versionen, so zum Beispiel der Große
Moog, auf welchem mehrere Millionen Klänge realisiert werden
können. Der Japaner ISAO TOMITA
spielte ausschließlich auf solch einem Moog-Modell die Synthesizerversion
der "Bilder einer Ausstellung" ein.
Auch heute im digitalen Zeitalter nehmen warme analoge Klänge wie
vom Moog einen großen Stellenwert ein. (Hörbeispiel 2)
Das Jahr 1983 war gleich in zweifacher Hinsicht von Bedeutung.
Basierend auf Ideen der Firma Sequential Circuits wurde im Frühjahr
1983 als Ergebnis amerikanischer und
japanischer Studien der MIDI-Standard
festgelegt.
MIDI ist die Abkürzung für
Musical Instrument Digital Interface, also für eine digitale Verbindungsmöglichkeit
für Musikinstrumente. Damit wurde eine geradezu revolutionäre
Veränderung der Synthesizertechnik und ihrer Anwendung ausgelöst.
Jetzt war es möglich, Geräte unterschiedlicher Bauart und von
verschiedenen Herstellern miteinander zu koppeln, um beispielsweise die
Klänge zu kombinieren oder programmierte Passagen zu synchronisieren.
Im Herbst 1983 brachte die Firma Yamaha dann den Synthesizer mit der Bezeichnung DX7 auf den Markt. Dieser Synthesizer ist mit etwa 150000 ausgelieferten Stück bis heute der meistverkaufte auf der Welt. Besonders Mitte der 1980er-Jahre hatte im Prinzip jede Band und jeder Keyboarder einen DX7, da die Palette der neuen Klangmöglichkeiten gegenüber früheren Geräten enorm war. (Hörbeispiel 3)
Seit 1987 werden von verschiedenen Firmen sogenannte Workstations hergestellt. Während es bis dahin nur möglich war, am Synthesizer selbst und ohne weiteres Zubehör eine bestimmte Passage mit einem bestimmten Klang zu spielen, konnten nun mehrere Klänge parallel genutzt und ganze Arrangements vorprogrammiert werden, da eine ganze Reihe von sonst externen Geräten in ein Gehäuse integriert wurden. Das hat den Vorteil, dass lästige Verkabelungen entfallen und auch der finanzielle Anschaffungsaufwand geringer ausfällt. Je nach Aufwendigkeit der Workstation kann sie aber trotzdem als Zentraleinheit für eventuell weiteres Zubehör dienen und schließlich alle Daten zusammen abspeichern. Durch diese Übersichtlichkeit wird die Arbeit wesentlich erleichtert.
Seit 1993 arbeitet man
an der Vervollkommnung des Physical
Modelling, wo beispielsweise Klänge
von Naturinstrumenten synthetisiert werden, und zwar so gut, dass man
sie vom Original nicht mehr unterscheiden kann. Dies war mit vielen Synthesizern
bis dahin zwar annähernd, aber nie bis in alle Details gelungen.
(Hörbeispiel 4: Imitation eines leicht verzerrten Gitarrenklanges
mit Physical Modelling)
Einsatzgebiete des Synthesizers
Die Synthesizertechnik wird heutzutage recht vielfältig angewandt.
Bereits mit der Entwicklung der ersten Gerätemodelle interessierten
sich Bands, die bis dahin mit Elektronenorgel gearbeitet hatten, für
diese Technik. Im Laufe der Zeit wurde der Synthesizer zu einem Standard-Instrument
innerhalb vieler Bands. Vor allem seit Anfang der 1980er Jahre entwickelten
sich einige Stilrichtungen, bei welchen die Begleitung ausschließlich
durch Synthesizertechnik gestaltet wurde.
Neben der breiten Anwendung
im Rock- und Pop-Bereich gibt es für den Synthesizer inzwischen
auch andere wichtige Einsatzgebiete.
Beispielsweise arbeiten viele Musical-Orchester
mit einem oder mehreren Synthesizern zur Erzeugung von Geräuscheffekten,
für die Nachahmung von anderen Instrumenten oder für typische
Synthesizer-Klänge.
Auch in der Filmmusikbranche ist die
Synthesizertechnik nicht mehr wegzudenken; sei es ebenfalls für die
Geräuscherzeugung, zur Ergänzung der Orchesterinstrumente oder
auch für reine Synthesizer-Produktionen.
Eine spezielle Musikrichtung, die sich durch die Synthesizertechnik entwickeln konnte, ist die elektronische Musik, auch wenn die ersten Anläufe dazu bereits vor den Erfindungen von ROBERT MOOG gemacht wurden.
Entwicklung der elektronischen Musik
Die Geschichte der elektronischen Musik ist eng verbunden mit der Entwicklung
des entsprechenden Instrumentariums - es besteht hier quasi ein Abhängigkeitsverhältnis.
Lässt man die gesamte Vorgeschichte von 1730 bis in die 1950er-Jahre
außen vor, so gibt es für die Entwicklungsgeschichte der elektronischen
Musik und ihrer Klangerzeugung zwei wichtige Eckdaten: 1953 und 1964.
Als offizielles Geburtsdatum der elektronischen Musik in
Deutschland gilt der 26. Mai 1953.
An diesem Tag veröffentlichten HERBERT EIMERT und ROBERT BEYER auf
dem "Neuen Musikfest 1953" vier sogenannte Tonbandstücke,
die sie im Kölner Studio für elektronische Musik produziert
hatten. Damit traten sie in die erste Phase der elektronischen Musik ein,
die als Tonbandmusik bezeichnet
wird.
Diese Form der Musik klingt für heutige Hörgewohnheiten recht
ungewöhnlich, da es sich dabei mehr um Geräusche als um verfolgbare
Melodielinien handelt. Das geht einfach darauf zurück, dass mit den
damaligen Mitteln der Technik keine anderen Klangergebnisse zu erzielen
waren - man bedenke, der Synthesizer war noch nicht erfunden. Somit
konnten also nur mit Hilfe anderer elektronischer Schaltungen akustisch
wahrnehmbare Ergebnisse erzielt werden, die dann auf Tonband festgehalten
wurden. Damit war diese Musikform allerdings an ein Studio gebunden und
die Aufführung dieser Musik beschränkte sich auf das Abspielen
vom Tonband.
Mit dem 1964 gebauten
Moog-Synthesizer spielte WALTER
CARLOS eine ganze Reihe von Synthesizerversionen berühmter Bach-Kompositionen
und läutete damit die Entwicklung hin zu elektronischen Adaptionen
ein; diese wurden zur zweiten Phase der elektronischen Musik. Da das Image
der elektronische Musik nicht das beste war, was auf die eher magere Toleranz
der Tonbandmusik gegenüber zurückzuführen ist, entschloss
man sich, eigene Kompositionen zunächst auszuklammern und auf Werke
zurückzugreifen, die an sich Akzeptanz genossen.
Neu waren also nur die verwendeten Klänge, die somit dem Publikum
nähergebracht und schmackhaft gemacht werden sollten, was zum Teil
auch gelungen ist.
Ende der 1960er- bzw. Anfang der 1970er-Jahre setzten die dritte und vierte Phase der elektronischen Musik ein, die als eigenständige Kompositionen und Kommerzialisierung bezeichnet werden. Bis auf die Tonbandmusik, die in den 1960er-Jahren allmählich an Bedeutung verlor, existieren alle anderen drei Phasen bis heute parallel nebeneinander.
In der dritten Phase der elektronischen Musik wurden wieder eigene Kompositionen verfasst. Diese sollten meist auch nicht nur Mittel zum Zweck sein, sondern man versuchte, der Musik eine Botschaft mitzugeben. Dies wurde entweder durch programmatisch angelegte Musik erreicht, oder man kombinierte die elektronische Musik mit Textpassagen.
Fast parallel zur dritten Phase entwickelte sich die Phase der Kommerzialisierung, in der die Musik meist schon aus dem Blickwinkel der besten Marktakzeptanz geschrieben wird, wobei trotz dieses Kritikpunktes durchaus musikalisch wertvolle Kompositionen entstanden sind bzw. auch heute noch entstehen. Als ein Vertreter dieser Phase sei JEAN MICHEL JARRE genannt, der seine Musik so gestaltete, dass sie von einem breiten Publikum angenommen wurde: Eingängige Melodien, unkomplizierte musikalische Abläufe, einfache Strukturen (oft strophisch) und Stücke von kurzer zeitlicher Dauer - das war das Erfolgsrezept, welches JARRE seit 1976 Anerkennung beschert hat.
Von dieser Zeit ab wurden die Grenzen zwischen der ursprünglichen elektronischen Musik und anderen Formen der Rockmusikentwicklung immer weiter aufgelöst, da die Synthesizertechnik in vielen Stilrichtungen Einzug hielt. So ist es heute schwer zu sagen, was man als elektronische Musik definieren würde. Rein theoretisch wäre es jede Musik, die mit Synthesizer- oder inzwischen auch Computertechnik entsteht.
Klangerzeugung im Synthesizer
Die Klangerzeugung gestaltet sich in modernen Synthesizern sehr kompliziert
und fast ausschließlich auf Digitalbasis. Da aber bei vielen Geräten
das Grundschema noch immer an den schon legendären Moog erinnert,
dessen Aufbau auch leichter zu durchschauen ist, werden nachfolgend kurz
die Komponenten seiner Klangerzeugung aufgezeigt.
Viele Elemente eines Synthesizers übernehmen vergleichbare
Funktionen von Bestandteilen herkömmlicher Instrumente.
So wird zunächst eine "Eingabeeinheit"
benötigt, die die Verbindung zwischen Spieler und Instrument herstellt.
ROBERT MOOG entschied sich damals für eine Tastatur,
die in ihrer Struktur der Klaviatur entspricht.
Die zweite Komponente ist der Tonerzeuger.
So, wie bei einem Saiteninstrument die Saite in Schwingung versetzt wird
bzw. bei einem Blasinstrument eine Luftsäule schwingt, erzeugt der
VCO (Voltage Controlled
Oscillator - spannungsgesteuerter Schwingungserzeuger) eine
elektrische Schwingung, die im menschlichen Hörbereich (16 Hz bis
20 kHz) liegt, wobei die Tonhöhe von der Tastatur geregelt wird.
Die von MOOG dazu entworfenen Schwingungsformen waren recht einfacher
Art, doch sie genügten, um verschiedene Klänge zu produzieren.
Auch die dritte Komponente des Synthesizers ist den Naturinstrumenten
nachempfunden. Während dort der Klang
durch Bauform und Material bestimmt wird, setzt man hier dafür den
VCF (Voltage Controlled
Filter - spannungsgesteuerter Filter) ein. Dieser Filter erfüllt
die Aufgabe wie jeder erdenkliche Filter, er soll sortieren bzw. spezialisieren.
Am einfachsten lässt sich dies am banalen Beispiel des Kaffeefilters
verdeutlichen, der die unerwünschten Bestandteile (Satz) zurückhält
und nur die erwünschten Bestandteile (Kaffee) durchlässt.

Übertragen auf den Synthesizer: Es werden die Frequenzen, die nicht
benötigt werden, aus den vom VCO ankommenden Schwingungen herausgefiltert.
Um den entstandenen Klang zu verstärken, wird an Stelle eines Resonanzkörpers
ein VCA (Voltage
Controlled Amplifier - spannungsgesteuerter Verstärker)
verwendet. (Hörbeispiel 5)
Bis hier ist der grundsätzliche Aufbau mit vielen anderen Instrumenten vergleichbar und der Synthesizer wäre in dieser Konfiguration ein simples Instrument mit einer bestimmten Klangfarbe. Die eigentlichen Stärken des Synthesizers liegen aber darin, eine Vielzahl von Klängen zu produzieren. Um dies zu realisieren, war sowohl nötig, die oben beschriebenen Komponenten variabel auszulegen als auch zusätzliche Elemente für deren Steuerung zu integrieren. Zunächst wurde - wie schon verdeutlicht - der VCO so gestaltet, dass er verschiedene Ausgangsschwingungen mit unterschiedlichem Obertonanteil zur Verfügung stellen konnte. Außerdem erweiterte man den grundsätzlichen Aufbau durch zusätzliche Baugruppen.
Damit die drei schon vorhandenen Synthesizerkomponenten auch gesteuert werden konnten, entwarf Moog den EG (Envelope Generator - Hüllkurvengenerator). Dieser erzeugt einen grafisch darstellbaren Verlauf, der dann zur Steuerung verwendet wird. Besonders wichtig ist das für den Lautstärkeverlauf eines Klanges.
| Ein Klavierton beispielsweise ist beim Drücken der Taste sofort mit voller Lautstärke zu hören und nimmt, nachdem das Anschlagsgeräusch verklungen ist, langsam an Intensität ab. Nach dem Loslassen der Taste klingt die Saite nur geringfügig nach. | ![]() |
| Eine synthetisch erzeugte Klangfläche dagegen schwingt sich oft erst langsam ein und klingt auch länger aus. | ![]() |
Das sind aber zwei völlig verschiedene Anforderungen, die nur mit Hilfe des Hüllkurvengenerators realisierbar werden. Deshalb kann man bei diesem die Einschwingzeit, die Abklingzeit, den Haltepegel und die Ausklingzeit separat einstellen (Bild 4).
Prägt man die entstandene Hüllkurve nun dem VCA mit seiner verstärkenden Funktion auf, so erhält man einen Lautstärkeverlauf. Gleiches kann man mit dem VCF und dem VCO tun, nur dass sich hier dann die Klangfarbe bzw. die Tonhöhe ändert, sodass auch beispielsweise der Anblaseffekt von Blasinstrumenten nachempfunden werden kann. (Hörbeispiel 6)
Ein letzter Baustein ist schließlich der LFO
(Low Frequency Oscillator - Niederfrequenz-Schwingungserzeuger).
Dieser erzeugt die gleichen Wellenformen wie der VCO, nur mit so niedriger
Frequenz, dass sie für das menschliche Ohr nicht hörbar sind.
Deshalb kann man sie ebenfalls zur Steuerung benutzen und ein Vibrato
(mit VCO) oder ein Tremolo (mit VCA) realisieren.
(Hörbeispiel 7)
In Bild 5 findet man eine komplette Darstellung des Signalweges.
Um den immer noch etwas sterilen Klang etwas voller erscheinen zu lassen, installierte MOOG einige Bauteile in zweifacher Ausführung. Damit war es möglich, den gleichen Klang zweimal zu produzieren.
Dies erscheint auf den ersten Blick absurd, macht aber Sinn, wenn man
die beiden entstandenen Klänge ganz leicht gegeneinander verstimmt,
sodass Schwebungen entstehen. Nichts anderes passiert auch, wenn zwei
Naturinstrumente die gleiche Melodie spielen - der Klang wird voller
und lebendiger.
Wie schon oben erwähnt wurde, enthalten die aktuellen Workstations oft eine Reihe zusätzlicher Geräte und Systeme. Teilweise vom traditionellen Synthesizer übernommen und dann erweitert wurden die Spielhilfen. Die Bezeichnung lässt zwar Erleichterungen für das Spielen vermuten, jedoch handelt es sich um Systeme, die das Spiel nuancenreicher gestalten und eher die Anforderungen an den Spieler steigen lassen. Hier einige Beispiele:·
Der sinnvolle Einsatz verschiedener Spielhilfen bringt erst Lebendigkeit und Musikalität in das Synthesizerspiel.
Um ein komplettes Arrangement zusammenstellen zu können,
wird oft ein Sequenzer eingebaut,
welcher ähnlich einem Mehrspurtonband verschiedene Melodielinien
nacheinander aufzeichnet und diese zusammen wiedergeben kann sowie den
gesamten Programmablauf einschließlich Schaltvorgängen im Synthesizer
automatisiert.
Erst durch den Sequenzer wird es möglich, die vollständige Produktion
eines Werkes im Alleingang zu realisieren.
Zur Sicherung aller anfallenden Daten besteht die Möglichkeit, diese
abzuspeichern; üblicherweise auf Disketten, Speicherkarten oder über
diverse Anschlüsse auf Festplatten bzw. direkt im PC.
Damit man bei dieser gesamten Informationsfülle den Überblick
nicht verliert, findet man meist großzügige
Displays (Bild 6).
Sampling
Mit dem Sampling brachte die
Digitaltechnik für die elektronischen Instrumente eine Erfindung
mit sich, die die gesamte Klangwelt dieser Instrumente revolutionierte.
Dabei werden natürliche Klänge gespeichert, die dann die Grundlage
der Klangerzeugung bilden. Es wird dann also kein VCO im herkömmlichen
Sinne mehr verwendet, sondern ein Wellenformspeicher, der eine wesentlich
größere Auswahl an Grundschwingungen zur Verfügung stellt.
Um diese Schwingungen zu speichern, wird ein vorhandener Klang (zum Beispiel
ein herkömmliches Instrument, eine Stimme oder ein Geräusch)
digitalisiert. Dazu entnimmt ein Analog-Digital-Wandler dem Tonsignal
in einem bestimmten Abstand Proben und wandelt diese in Zahlenwerte um,
die in Zahlenfolgen, bestehend aus 0 und 1, umgerechnet werden. Diese
wiederum können dann gespeichert werden. In Bezug auf das gezeigte
Diagramm (Bild 7) hätte die 1. Probe den Entnahmewert 40, was im
Binärcode dann so aussieht: 00101000.
Dieser Vorgang der Probenentnahme und Speicherung geschieht je nach Einstellung in der Sekunde mehrere Tausend Male. Auf dem umgekehrten Weg lassen sich die Werte wieder aus dem Speicher des Synthesizers zurückverwandeln und genauso bearbeiten, wie das früher bei den VCO-Schwingungen der Fall war. (Bild 8)
Durch die Einführung dieses Verfahrens, welches in recht vielen zurzeit gängigen Geräten Anwendung findet, wurde die mögliche Klangpalette enorm erweitert, besonders inbezug auf natürliche und dem Original nahekommende Klänge. Allerdings ist es auch möglich, Naturklänge und Stimmen synthetisch zu verfremden.
Ergänzend sei an dieser Stelle angemerkt, dass das Prinzip des Samplings nicht nur auf den Synthesizer beschränkt ist, sondern überall eingesetzt wird, wo akustisches Material digital gespeichert werden soll, um es später in nahezu 1:1-Qualität zurückzuerhalten (je nach Güte der entsprechenden Wandler). Ein Beispiel dazu wäre die CD. Hier wird ebenfalls im Tonstudio eine Digitalisierung der Musik vorgenommen, die dann auf der CD "gespeichert" werden kann. Im CD-Player geschieht durch das Auslesen der Information (44100 mal pro Sekunde) die Rückverwandlung der digitalen Informationen in Musik. (Hörbeispiel 10)
Synthesizertypen
Der Begriff Synthesizer leitet sich
ab von Synthese, was so viel heißt
wie Zusammenbauen. Im Laufe der Synthesizerentwicklung wurden nun verschiedene
Wege gefunden, wie man sich einen Klang quasi zusammenbauen kann. Nachfolgend
sollen nur die wichtigsten Synthesemodelle kurz vorgestellt werden: