Musikensembles
und Orchester
Musikensembles
sind in der Regel kleinere oder größere Musikergruppen, die
gemeinschaftlich musizieren, sei dies ad hoc oder über einen längeren
Zeitraum. Im Verbund mit einer historisch gewachsenen Institution, einem
königlichen oder fürstlichen Hof, einem Tempel, Schrein, einer
Kirche oder Musikakademie und unter der Leitung einer oder mehrerer Personen
spricht man, auch im interkulturellen Vergleich, von Orchester,
sofern dieses selber eine längere Überlieferungstradition mit
festen Strukturen entwickelt hat.
Innerhalb eines Ensembles oder Orchesters sind die Rollen der einzelnen Musikerinnen und Musiker mehr oder weniger hierarchisch gegliedert. Weniger hierarchisch ist die Gruppenstruktur, wo ein verschmelzendes Klangideal gepflegt wird und das Verschmelzen der Einzelstimmen vorrangiger ist wie z.B. im javanischen Gamelan-Orchester (s. Bild 1) stärker jedoch dort, wo ein Zusammenspiel in unterschiedlichen Klangfarbenbereichen die Einzelstimmen bewusst hervortreten lässt wie z.B. im japanischen Gagaku-Hoforchester.
Traditionelle Ensembles und Musikkapellen
aus aller Welt
In den traditionellen Kulturen bzw. Volksmusikkulturen der Welt ist es
eine universelle Erscheinung, dass der Mensch es liebt, in kleinsten und
größeren Gruppen Musik, Gesang und Tanz miteinander zu verbinden.
Zu dem Ein-Mann-Orchester
wird etwa in Nordamerika der Mundharmonikaspieler gerechnet, der sich
gleichzeitig auf einem Banjo begleitet.
Auch BOB DYLAN begleitete sich
als Folksinger auf der Gitarre im Wechsel zur Mundharmonika, die er auf
einer Halterung um den Hals fixiert hatte.
Und wer kennt nicht den auf dem Jahrmarkt mit Pauke, Gitarre, Panflöte,
Becken, Glöckchen musizierenden Spaßmacher, der ein ganzes
Panoptikum kleiner Instrumente in sich vereinigt.
Das Zweimann-Ensemble
der australischen Aborigines setzt sich aus einem Didjeridu-Spieler zusammen,
der von einem zweiten Musiker rhythmisch mit dem Zusammenschlagen von
zwei Stöcken begleitet wird.
"Zwei-Mann"-Kombinationen gibt es auf der ganzen Welt, wie zum
Beispiel der Trommel- und Schalmeibläser im Vorderen Orient und auf
dem Balkan, Fidel und Bechertrommel in Griechenland, Dudelsack und Schalmeibläser
in Italien, Fidel und Akkordeonspieler in Schottland, Fidel und Dudelsack
in Polen usw.
Traditionell in Europa gewachsene Ensembles mit Trommel und Einhandflöte
gelangten aus dem Baskenland auch nach Lateinamerika.
Ensembles mit drei Musikern (z.B. zwei Fideln und Cello oder Bass) unterstützen in der Regel ein führendes Instrument (sei es Geige, Bläser oder eine Zupfinstrument) mit einem zweiten begleitendes Melodieinstrument und einem rhythmischen Bordun oder einer Trommel. Alle denkbaren Kombination sind möglich, wobei die zweite Stimme die des Solisten verdoppelt, paraphrasiert, mit Fragmenten imitiert oder mit dem Solisten in Dialog tritt.