


Entwicklung der Vorstellungen vom Aufbau des Atoms
Bereits in der Antike gab es Vorstellungen darüber, dass die Stoffe
aus sehr kleinen Teilchen bestehen könnten. Diese kleinen Teilchen
wurden Atome genannt (atomos
bedeutet im Griechischen das Unteilbare). Ein Vertreter dieser Auffassung
war der griechische Philosoph DEMOKRIT (5 Jh. v. Chr.).
Erst im 17. und 18. Jahrhundert wurden mit der Entwicklung der Wärmlehre
diese Ideen wieder aufgegriffen, ohne dass die Existenz von kleinsten
Teilchen nachgewiesen werden konnte. Dies gelang erst zu Beginn des 20.
Jahrhunderts.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts gab es eine ganze Reihe von experimentellen
Ergebnissen, die auf die Existenz kleinster Teilchen hindeuteten. So beobachtete
der Biologie ROBERT BROWN (1773-1858) im Jahr 1827 unter dem Mikroskop
eine unruhige Bewegung von Blütenstaubkörnchen, die später
nach ihm benannten brownsche Bewegung.
Diese Bewegung konnte erst 1905 von ALBERT EINSTEIN (1879-1955) mit dem
Teilchenaufbau erklärt werden.
In den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts haben viele
Physiker mit Katodenstrahlen experimentiert und festgestellt, dass sich
diese Strahlen in elektrischen und magnetischen Feldern ablenken lassen.
Der deutsche Physiker EMIL WIECHERT (1861-1928) und unabhängig davon
der englische Physiker JOSEPH JOHN THOMSON (1856-1940) fanden in den neunziger
Jahren des 19. Jahrhunderts heraus, dass Katodenstrahlen aus sehr kleinen
Teilchen mit negativer Ladung bestehen müssten. Als Name für
dieses erste Elementarteilchen wurde 1897 von dem irischen Physiker GEORGE
FRANCIS FITZGERALD (1851-1901) der Begriff Elektron eingeführt, der einige Jahre vorher schon für die elektrische
Elementarladung vorgeschlagen worden war. Die Katodenstrahlen erwiesen
sich als schnell bewegte Elektronen, als Elektronenstrahlen.
Weitere Entdeckungen führten immer stärker zu der Frage nach den elementaren Bausteinen der Stoffe:
Die Suche nach geeigneten Atommodellen, mit denen die experimentellen Ergebnisse erklärt werden konnten, begann.
Die ersten Atommodelle
Im Jahr 1902 stellte WILLIAM THOMSON (LORD KELVIN) ein Atommodell vor (Bild 2): Das kugelförmige Atom sollte aus einer positiven elektrischen "Flüssigkeit" bestehen, in die ähnlich wie Rosinen bei einem Kuchen die negativ geladenen Elektronen eingebettet sind. Dieses „Rosinenmodell“ wurde 1903 von J. J. THOMSON weiterentwickelt: Er ging davon aus, dass sich die Elektronen um den Kern auf Ringen befinden und für jedes Element eine stabile Verteilung der Elektronen existiert. Mit diesen Modellen konnte man erklären, dass ein Atom elektrisch neutral ist. Ungeklärt blieb aber z. B. die Entstehung von Röntgenstrahlung oder von radioaktiver Strahlung.
Das rutherfordsche Atommodell
1909/10 führte der englische Physiker ERNEST
RUTHERFORD
(1871-1937) mit seinen Mitarbeitern Versuche zum Durchgang von Alpha-Strahlung
durch dünne Metallfolien durch. Der größte Teil der Strahlung
ging hindurch und wurde z. T. abgelenkt. Bereits vorher hatte man festgestellt,
dass Katodenstrahlen, also schnell bewegte Elektronen, dünne Metallfolien
durchdringen können. RUTHERFORD zog daraus den Schluss, dass der
größte Teil des Atoms leer ist und entwickelte ein Atommodell,
das rutherfordsche Atommodell, das dem
Aufbau des Planetensystems ähnelt (Bild 3) und deshalb auch als Planetenmodell bezeichnet wird: Um einen positiv geladenen Kern, in dem die Masse des
Atoms konzentriert ist, kreisen Elektronen auf elliptischen Bahnen. Die
Stabilität von Atomen konnte mit diesem Modell allerdings nicht erklärt
werden.
Das bohrsche Atommodell
Der dänische Physiker NILS BOHR (1885-1962) brach 1913 radikal mit einigen Vorstellungen der klassischen Physik und stellte ein anderes Atommodell vor, das heute als bohrsches Atommodell bezeichnet wird (Bild 4): Die Elektronen bewegen sich auf bestimmten Bahnen um den Atomkern. Der jeweiligen Bahn kann eine bestimmte Energie zugeordnet werden. Wenn Energie zugeführt wird, können Elektronen auf eine kernfernere Bahn springen. Beim Zurückspringen wird diese Energie wieder frei und in Form von Strahlung, z. B. als Licht oder als Röntgenstrahlung, abgegeben. Nicht erklärt werden konnte mit dem bohrschen Atommodell die Entstehung radioaktiver Strahlung, die mit Veränderungen der Atomkerne einherging.
Die weitere Entwicklung
Mit der Entwicklung der Quantenphysik setzte sich die Überzeugung
durch, dass man Atome prinzipiell nicht über eine Teilchenvorstellung
und damit anschaulich deuten kann, sondern sich Atome nur mit komplizierten
mathematischen Modellen beschreiben lassen. Für ein Elektron in der
Atomhülle kann man nie genau angeben, wo es sich zu einem bestimmten
Zeitpunkt befindet. Angegeben werden kann nur eine bestimmte Wahrscheinlichkeit
für einen Bereich, in dem es sich aufhält.
Einen solchen Bereich, in dem die Aufenthaltswahrscheinlichkeit für
ein Elektron 90 % beträgt, bezeichnet man als Orbital, das entsprechende
Atommodell als Orbitalmodell.
Wichtige Veränderungen vollzogen sich auch in den Erkenntnissen vom
Aufbau des Atomkerns, den man
zunächst als unstrukturierten Bereich mit positiver Ladung angesehen
hatte. 1932 entdeckte der englische Physiker JAMES CHADWICK (1891-1974)
das Neutron. Wenige Monate darauf entwickelten unabhängig voneinander
WERNER HEISENBERG (1901-1976) in Leipzig und D. D. IWANENKO (*1904 ) in
Leningrad ein neues Konzept des Kernaufbaus: Der Atomkern besteht aus
Protonen und Neutronen.
Neuere Modelle sind sehr kompliziert aufgebaut und berücksichtigen
die Erkenntnisse, die in den letzten Jahren in der Physik der Elementarteilchen
gewonnen wurden. Einige Informationen dazu sind unter dem Stichwort Elementarteilchen
zu finden.