

CHRSTIAAN HUYGENS lebte in einer Zeit, in der sich die einzelnen Wissenschaften
herauszubilden begannen und viele neue Erkenntnisse gewonnen wurden. Zeitgenossen
von HUYGENS waren u. a. ISAAC NEWTON (1643-1727), GALILEO GALILEI (1564-1642),
OTTO VON GUERICKE (1602-1686) und ROBERT HOOKE (1635-1703).
In den Niederlanden hatte sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts eine der
frühesten bürgerlichen Republiken entwickelt. Das Land war führend
in Wissenschaft und Kunst. Davon zeugen Namen wie die der Maler VERMEER
VAN DELFT (1632-1675), PETER PAUL RUBENS (1577-1640) und REMBRANDT (1606-1669).
Die Niederlande waren eine bedeutende Handelsmacht und eroberten ein riesiges
Kolonialreich. Im 16. Jahrhundert war es in den damaligen Niederlanden
- dazu gehörten die heutigen Niederlande sowie Belgien, Luxemburg
und Teile Nordfrankreichs - zu großen fortschritten in der
Landwirtschaft, im Fischereiwesen und bei der Entwicklung von Manufakturen
gekommen. Dies förderte auch die Entwicklung der Wissenschaften,
an die neue Forderungen gestellt wurden.
Kindheit, Jugend und Ausbildung
CHRSTIAAN HUYGENS wurde am 14.4.1629 in Den Haag geboren, dem politischen
Zentrum der "Republik der Vereinigten Provinzen" (Niederlande).
Er stammt aus einer reichen Familie und konnte ungehindert seinen wissenschaftlichen
Interessen nachgehen. Sein Vater CONSTANTIN war hoch gebildet und arbeitete
viele Jahre lang als Sekretär und Geheimschreiber des Prinzen von
Oranien.
CHRSTIAAN HUYGENS erwarb eine umfangreiche Bildung. Bereits mit 9 Jahren
beherrschte er Latein. Er erhielt auch Unterricht in weiteren Sprachen
(Griechisch, Französisch, Italienisch), in Geographie und Logik,
aber auch in den schönen Künsten. Selbst Tanz- und Reitunterricht
fehlte nicht. Sein Lieblingsfach war aber die Mechanik.
Im Alter von 16 Jahren verfügte er über die erforderlichen Kenntnisse
und Fertigkeiten für ein Universitätsstudium. Er begann sein
Studium an der Universität in Leiden. Zunächst studierte er
gemäß der Familientradition Jura, wandte sich aber dann immer
mehr der Mathematik zu. 1647-1649 setzte HUYGENS seine Studien in Breda
fort. 1649 unternahm er eine Bildungsreise nach Dänemark.
Tätigkeit als Wissenschaftler
Nach der Rückkehr in seine Heimat begann HUYGENS eine umfangreiche
wissenschaftliche Tätigkeit auf unterschiedlichen Gebieten, insbesondere
in der Astronomie und in der
Physik.
Zwischen 1655 und 1664 unternahm er mehrere Reisen nach Frankreich und
England und lernte dabei viele bekannte Wissenschaftler seiner Zeit persönlich
kennen. 1663 wurde er zum Mitglied der Londoner Royal Society gewählt.
1666 ging er an die gerade neu gegründete Académie Royale
des Sciences nach Paris und war dort fast 16 Jahre lang als Akademiemitglied
tätig. Zu Beginn seiner Tätigkeit in Paris hatte HUYGENS eine
Liste von 30 Themen aufgestellt, mit denen er sich beschäftigen wollte.
Dazu gehörten astronomische, optische und mechanische Untersuchungen,
aber auch praktische Problemstellungen, z. B:
"Die Kraft von Schießpulver zu versuchen,
indem man es in kleiner Menge in eine sehr dicke eiserne ... Büchse
einschließt ... In derselben Weise die Kraft durch Feuer verflüchtigten
Wassers zu erproben ... Die Kraft und Schnelligkeit des Windes zu untersuchen
und den Gebrauch, den man davon für die Seefahrt und bei Werkzeugen
macht ..."
Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter DENIS PAPIN (1647-um 1712) unternahm
er Versuche zu einer atmosphärischen "Pulverkraftmaschine".
PAPIN setzte später diese Versuche fort und entwickelte einen Vorläufer
der Dampfmaschine.
Große Beachtung fand die 1673 in lateinischer Sprache veröffentlichte
Abhandlung "Horologium oscillatorium ...", in der HUYGENS die
von ihm erfundene Pendeluhr in allen Einzelheiten beschrieb.
1681 kehrte HUYGENS in seine niederländische Heimat zurück
und widmete sich dort astronomischen und optischen Untersuchungen. Insbesondere
beschäftigte er sich mit dem Wesen des Lichtes.
In den letzten Lebensjahren verschlechterte sich der Gesundheitszustand
von HUYGENS erheblich, sodass er kaum noch wissenschaftlich tätig
sein konnte. HUYGENS, der übrigens nie verheiratet war, starb am
8. Juli 1695 in Den Haag.
Wissenschaftliche
Leistungen
HUYGENS war vor allem in den physikalischen Bereichen Mechanik, Optik und
Wellentheorie tätig. Daneben beschäftigte er sich mit astronomischen
Beobachtungen und mit einigen mathematischen Problemen.
Zwischen 1650 und 1656 führte HUYGENS mit selbst gefertigten Fernrohren zahlreiche astronomische Beobachtungen durch und entdeckte u. a. einen Jupitermond, den Saturnring und den Orionnebel im Sternbild Orion. Darüber hinaus erkannte er, dass sich auf der Mars- und der Jupiteroberfläche Strukturen befanden.
Im gleichen Zeitraum, um 1656, machte er eine seiner wichtigsten Erfindungen - die Pendeluhr (Bild 2). Anlass für die Beschäftigung mit dem Problem der Zeitmessung war die Notwendigkeit, für die immer umfangreichere Schifffahrt möglichst genau gehende Uhren bereitzustellen, die die Ortsbestimmung auf hoher See an genaue Zeitangaben gebunden war. Die mit einer Hemmung versehene Räderuhr war zwar schon seit dem 12. Jahrhundert bekannt, ihre Genauigkeit ließ aber ebenso zu wünschen übrig wie die der weit verbreiteten Sand- oder Wasseruhren.
Die geniale Idee von HUYGENS bestand darin, die Räderuhr mit einem
Pendel zu koppeln, dessen Schwingungsdauer man sehr genau einstellen konnte.
Seine Erfindung einer Pendeluhr (Bild 2) veröffentlichte er erst,
nachdem ihm 1657 ein niederländisches Patent erteilt worden war.
1674 konstruierte er unabhängig vom Engländer ROBERT HOOKE (1635-1703)
eine Taschenuhr mit einer Spiralfeder
als Unruh, die ebenfalls mechanische Schwingungen ausführte.
1667 entdeckte HUYGENS die Gesetze des elastischen Stoßes und die
Relativität von Ruhe und Bewegung.