

Im "Almagest" gelang es PTOLEMÄUS,
alle Planetenbewegungen und deren scheinbare
Anomalien auf Kreisbewegungen zurückzuführen. Selbst die Schleifenbewegung
von Planeten konnte so erklärt werden (Bild 3). Dabei betonte er
ausdrücklich den philosophischen Hintergrund dieser Anstrengung:
"...weil nur diese Bewegungen der Natur dem göttlichen
Wesen entsprechen, während Regellosigkeit und Ungleichförmigkeit
ihnen fremd sind."
Ein geozentrisches Weltbild, wie es
PTOLEMÄUS schuf, war eine der großartigsten Leistungen der
antiken Wissenschaft. Mit seiner Hilfe gelang es, die Positionen der Wandelsterne
im Voraus zu bestimmen. Das war zugleich ein überzeugendes Argument
für die Richtigkeit dieses Weltbildes. Weiterhin sprach auch der
Augenschein für das geozentrische Weltbild. Jedermann konnte sich
- und kann es bis heute - davon überzeugen, dass sich die Sterne
um die Erde drehen, während man von der in Wirklichkeit ablaufenden
Bewegung der Erde um ihre Achse sowie von der Erdbewegung
um die Sonne ohne weiteres keine Wirkungen wahrnimmt. Ein weiterer Vorzug
des ptolemäischen Weltbildes war seine Übereinstimmung mit der
damals fortgeschrittensten Physik des ARISTOTELES.
In jener frühen Phase der Entwicklung lagen Astronomie und Astrologie eng beieinander. Der Astrologie fiel nach PTOLEMÄUS die Aufgabe zu, aus dem Wesen der Gestirne deren Einwirkungen auf den Menschen zu erschließen. Doch das Wesen der Gestirne kannte man nicht. Darüber existierten nur unbewiesene Annahmen.
So galten die Planeten als Götter und in ihrer Bewegung am Himmel glaubte man einen Ausdruck ihres Willens zu erkennen. Hierin lag eines der wesentlichen Motive dafür, die Bewegung der Planeten sorgfältig zu studieren.
Auch auf anderen Gebieten leistete PTOLEMÄUS Bedeutendes. So gibt
er z. B. in einer Abhandlung über Trigonometrie
den Wert der Zahl
zu
an, der genaue Wert ist 3,14159.
In einem umfassenden Werk über Optik
untersuchte er gründlich die Brechung des Lichtes, ohne aber ein
Brechungsgesetz formulieren zu können. Dieses wohl bedeutendste optische
Werk des Altertums ist im Original nicht erhalten, wohl aber in einer
lateinischen Übersetzung. Folgende Tabelle von Messwerten für
den Übergang des Lichtes aus Luft in Wasser entstammt diesem Buch:
|
Einfallswinkel
|
Brechungswinkel
|
heutiger Wert
|
|
10°
|
8,0°
|
7,5°
|
|
20°
|
15,5°
|
14,9°
|
|
30°
|
22,5°
|
22,1°
|
|
40°
|
28,0°
|
28,9°
|
|
50°
|
35,0°
|
35,2°
|
|
60°
|
40,5°
|
40,6°
|
Wie man aus der Übersicht erkennen kann, stimmen die von PTOLEMÄUS
angegebenen Werte recht gut mit den heute bekannten Werten überein.