




Alle Ladungsträger, die beschleunigt oder abgebremst werden, senden elektromagnetische Felder aus, die sich im Raum ausbreiten. Dabei ändern sich die Stärken des elektrischen und magnetischen Feldes sowohl räumlich als auch zeitlich periodisch und besitzen daher die Eigenschaften von Wellen. Man bezeichnet sie als elektromagnetische Wellen (Bild 1).
Entstehung elektromagnetischer Wellen
Ein Dipol (z. B. langer gerader Draht), in dem die Richtung des Stromflusses
periodisch geändert wird, kann Ausgangspunkt für elektromagnetische
Wellen sein. Bei der Änderung der Stromrichtung werden die Ladungsträger
im Leitungsdraht beschleunigt. Modellhaft lässt sich die Entstehung
der elektromagnetischen Welle auf folgende Weise verstehen:
Im Dipol fließt ein periodisch wechselnder Strom. Wenn die Stromstärke
am größten ist, dann baut sich um den Dipol
ein kreisförmiges Magnetfeld auf, dessen Orientierung von der Stromrichtung
vorgegeben wird. Während einer vollständigen Schwingung kommt
der Stromfluss zwei Mal vollständig zum Erliegen. Dann sind die Ladungsträger
an den Enden des Dipols konzentriert. Von dem positiven Dipolende gehen
elektrische Feldlinien aus, die zum negativ geladenen Dipolende verlaufen.
Nach Umpolung entladen sich die Dipolenden und das elektrische Feld wird
schwächer, während sich gleichzeitig wieder ein Magnetfeld um
den Leitungsdraht aufbaut. Bei diesem Prozess wechseln sich also ständig
der Auf- und Abbau elektrischer und magnetischer Felder miteinander ab.
Es entsteht ein periodisches elektromagnetisches Wechselfeld. Dieses Feld
ist in der Lage, sich von der Oberfläche des Dipols zu lösen.
Nach seiner Freisetzung breitet es sich mit Lichtgeschwindigkeit durch
den Raum hindurch aus. Eine elektromagnetische Welle ist entstanden (Bilder
1 und 2).
Elektromagnetische Wellen breiten sich in Stoffen
und im Vakuum aus. Sie werden von Isolatoren hindurchgelassen (Bild 6) und
an Leitern reflektiert. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit
beliebiger Wellen kann aus der Wellenlänge
und der Frequenz f mithilfe der Gleichung

ermittelt werden. Zusätzlich lässt sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit
aller elektromagnetischer Wellen im Vakuum aus der magnetischen Feldkonstanten
und der elektrischen
Feldkonstanten
ermitteln.
Es gilt für das Vakuum:

Aus dieser Gleichung folgt, dass alle elektromagnetischen Wellen im Vakuum
die gleiche Ausbreitungsgeschwindigkeit besitzen. Sie beträgt ca.
300 000 km/s und ist mit der Vakuumlichtgeschwindigkeit identisch.
In Stoffen hängt die Ausbreitungsgeschwindigkeit von der Dielektrizitätszahl
und der Permeabilitätszahl
ab. Es gilt:

Dabei bedeuten:
... elektrische
Feldkonstante
... Dielektrizitätszahl
(Permittivitätszahl)
... magnetische
Feldkonstante
... Permeabilitätszahl