






Flugzeuge (Bild 1) haben sich im Verlaufe des 20. Jahrhunderts zu einem
wichtigen Verkehrs- und Transportmittel entwickelt. Trotzdem war und bleibt
das Fliegen eines Flugzeuges eine relativ komplizierte Angelegenheit und
erfordert insbesondere beim Starten und beim Landen viel Erfahrung. Moderne
Elektronik in Verbindung mit den traditionellen Teilen eines Flugzeuges
(Antrieb, Tragflächen, Höhenruder, Querruder, Seitenruder) ermöglicht
heute ein relativ sicheres Fliegen von Flugzeugen mit mehreren hundert
Passagieren.
Historisches
Der Traum vom Fliegen ist uralt. Bereits die griechische Sage berichtet,
dass DÄDALUS und sein Sohn IKARUS
sich Flügel aus Vogelfedern bauten und damit flogen.
Im 11. Jahrhundert soll ein englischer Mönch einen Flugversuch vom
Turm eines Klosters unternommen haben, der jedoch misslang.
Im 15. Jahrhundert beschäftigte sich der geniale Maler, Mathematiker
und Techniker LEONARDO DA
VINCI (1452-1519) eingehend mit dem Fliegen. Er studierte insbesondere
den Flug der Vögel und entwarf Zeichnungen von künstlichen Flügeln
(Bild 2), aber auch von Drehflüglern und Fallschirmen. Die Ideen
von LEONARDO gerieten zunächst in Vergessenheit, der Traum vom Fliegen
aber blieb.
Immer wieder unternahmen Menschen Flugversuche, die jedoch alle misslangen.
So führte 1811 in Ulm der Schneidermeister ALBRECHT LUDWIG BERBLINGER
einen Flugversuch durch, der aber kläglich scheiterte. Er hatte versucht,
mit selbst gebauten Flügeln von einem eigens errichteten Holzgerüst
im Gleitflug über die Donau zu schweben. Der Flug endete aber in
der Donau. Bekannt geworden ist das als der Flug des "Schneiders
von Ulm".
Einen wesentlichen Schritt zur Entwicklung der Luftfahrt vollbrachten
die Brüder GUSTAV und OTTO
LILIENTHAL. Sie untersuchten insbesondere den Gleitflug mit Tragflügeln
und verglichen ihre Erkenntnisse immer wieder mit dem Gleitflug von großen
Vögeln.
1891 führte OTTO LILIENTHAL (1848-1896) erstmals erfolgreich Gleitflüge
in Derwitz bei Werder an der Havel aus (Bild 3). 1896 verunglückte
dieser Flugpionier bei einem seiner Flugversuche in der Nähe von
Stölln tödlich. Heute befindet sich in diesem Ort ein kleines
Lilienthal-Museum.
Bald begannen auch Versuche mit motorgetriebenen Flugapparaten. 1903
hob erstmals in den USA ein propellerbetriebenes Flugzeug vom Boden ab.
Konstrukteure dieses Flugzeuges und auch die Piloten waren die Gebrüder
WRIGHT.
Sehr schnell setzte eine stürmische Entwicklung ein. Nachfolgend
sind einige wenige wichtige Schritte dieser Entwicklung genannt:
Grundlagen des Fliegens
Ein Flugzeug ist wesentlich schwerer als Luft. Wenn es fliegen soll, müssen
neben der Gewichtskraft weitere Kräfte wirken:
Wirkende Kräfte
In Bild 6 sind die Kräfte dargestellt, die beim horizontalen, gleichförmigen
Flug wirken: Das Flugzeug befindet sich dann im Kräftegleichgewicht.
In vertikaler Richtung wirken die Gewichtskraft
nach unten und die Auftriebskraft
nach oben. Beide Kräfte sind gleich groß.
In horizontaler Richtung wirken die Antriebskraft
in Flugrichtung und die Luftwiderstandskraft
entgegen dieser Richtung. Auch diese beiden Kräfte sind unter der
oben genanten Bedingung (horizontaler Flug mit konstanter Geschwindigkeit)
gleich groß.
Starten und Horizontalflug
Zum Starten des Flugzeuges ist
eine hinreichend große Auftriebskraft erforderlich. Die Auftriebskraft
kommt durch den dynamischen Auftrieb zustande, der vor allem durch die
Tragflächen wirksam
wird. Bei einer Relativbewegung zwischen Luft und Tragflächen kommt
es zu einem erhöhten Druck unterhalb und zu einer Verringerung des
Druckes oberhalb der Tragflächen. Es wirkt insgesamt eine Auftriebskraft
nach oben. Der Betrag dieser Auftriebskraft ist umso größer,
je größer die Relativgeschwindigkeit zwischen Luft und Flugzeug
ist. Er ist auch abhängig von der Größe und der Form von
Tragflächen. Flugzeuge starten in der Regel mit ausgefahrenen Tragflächen
gegen den Wind, um den erforderlichen Auftrieb zu erreichen. Die Mindestgeschwindigkeit
beim Abheben von der Rollbahn beträgt z. B. bei einem voll beladenen
Jumbo-Jet vom Typ Boeing 747 etwa 310 km/h.
Nach Erreichen der gewünschten Flughöhe muss die Auftriebskraft
genauso groß sein wie die Gewichtskraft. Die Geschwindigkeit des
Flugzeuges ist wesentlich größer als in der Startphase. Deshalb
können der Anstellwinkel der Tragflächen und auch ihre Fläche
verkleinert werden. Das führt zugleich auch zu einer Verkleinerung
des Luftwiderstandes.
Änderung der Flugrichtung und
Flughöhe
Um Flugrichtung und Flughöhe
zu ändern, nutzt man verschiedene Ruder, eine Bezeichnung, die aus
der Anfangszeit der Luftfahrt stammt, in der man viele Begriffe aus der
Seefahrt übernahm. Das Grundprinzip dieser Ruder besteht darin, dass
durch Änderung ihrer Stellung die Luftströmung so verändert
wird, dass zusätzliche Kräfte auftreten, die eine Richtungsänderung
bewirken.
Mit dem Seitenruder (Bild
7) kann das Flugzeug um eine vertikale Achse gedreht werden (nach links
und rechts). Das Querruder ermöglicht
die Lageänderung um die Flugzeuglängsachse. Mit dem Höhenruder
kann das Flugzeug nach oben oder unten gesteuert werden.