Das
Wesen physikalischer Gesetze
In Erscheinungen der Natur kann man durch Beobachtungen oder Experimente
Zusammenhänge zwischen einzelnen Eigenschaften von Körpern, Stoffen
oder Vorgängen erkennen.
Beispiel: Für einen Kupferdraht kann man durch Messungen feststellen, dass die elektrische Stromstärke im Draht umso größer ist, je größer die anliegende Spannung ist. Genauere Untersuchungen führen zu dem Ergebnis, dass bei konstanter Temperatur die Stromstärke I der Spannung U proportional ist.
Wenn sich Zusammenhänge in der Natur unter bestimmten Bedingungen
immer wieder einstellen und für eine ganze Gruppe von Objekten gelten,
dann spricht man von gesetzmäßigen
Zusammenhängen, Gesetzmäßigkeiten
oder Gesetzen.
Beispiel: Der Zusammenhang zwischen
der Spannung U und der Stromstärke I
lässt sich für alle metallischen Leiter nachweisen, wenn die
Temperatur des Leiters konstant ist.
Allgemein gilt:
Gesetze in der Physik sind allgemeine
und wesentliche Zusammenhänge
in der Natur, die unter bestimmten Bedingungen
stets wirken. Sie bestehen in der Regel aus Bedingungs- und Gesetzesaussagen.
Die Bedingungen, unter denen ein Gesetz gilt, nennt man auch Gültigkeitsbedingungen.
Das Gesetz lässt sich für den oben genannten Zusammenhang zwischen
Spannung und Stromstärke folgendermaßen formulieren:
Für metallische Leiter gilt unter der Bedingung einer konstanten
Temperatur:

Dieses physikalische Gesetz gilt für die Gruppe aller metallischen
Leiter unter der Bedingung einer konstanten Temperatur. Die Gesetzesaussage
ist
.
Die Bedingungsaussagen (Gültigkeitsbedingungen)
sind "metallische Leiter" und "konstante Temperatur".
Gesetze sind allerdings nicht immer vollständig durch Bedingungs-
und Gesetzesaussagen beschrieben. Manchmal muss man die Bedingungsaussagen
aus dem Zusammenhang erschließen.
Beispiel: Für den Widerstand eines
metallischen Leiters gilt die Gleichung:

Die Stoffkonstante
,
der spezifische elektrische Widerstand, ist für die meisten Metalle
temperaturabhängig. In Tafelwerken wird in der Regel der Wert dieser
Konstanten für 20 °C angegeben. Nutzt man diesen Wert, dann bezieht
sich der berechnete elektrische Widerstand auf eine Temperatur von 20
°C.
Qualitative und quantitative Gesetzesaussagen
Qualitative Gesetze: Physikalische
Gesetze können unterschiedlich genau erkannt und in verschiedener
Weise formuliert werden. So gibt es Gesetze, die nur beschreiben, unter
welchen Bedingungen eine bestimmte Erscheinung in der Natur auftritt.
Ein Beispiel für ein solches Gesetz, das nur eine qualitative
Gesetzesaussage enthält, ist das Induktionsgesetz in seiner elementaren
Form. Es wird in Worten formuliert und lautet:
In einer Spule wird eine Spannung induziert, solange sich das von der
Spule umfasste Magnetfeld ändert.
Halbquantitative Gesetze: Es gibt
auch Gesetze, die einen Zusammenhang zwischen Eigenschaften bzw. Größen
in der Tendenz beschreiben. Sie enthalten eine halbquantitative
Gesetzesaussage und werden häufig in der Form "je ... desto"
formuliert. Ein Beispiel ist die Volumenänderung von Körpern
bei Temperaturänderung:
Für alle Körper gilt unter der Bedingung, dass sie sich ausdehnen
können: Je größer die Temperaturänderung eines Körpers
ist, umso größer ist auch seine Volumenänderung.
Quantitative Gesetze: Bei vielen Gesetzen
in der Physik kann der Zusammenhang zwischen Eigenschaften bzw. Größen
mathematisch exakt beschrieben werden. Sie enthalten eine quantitative
Gesetzesaussage. Ein Beispiel dafür ist das Weg-Zeit-Gesetz für
gleichförmige Bewegungen:
Unter der Bedingung, dass sich ein Körper gleichförmig bewegt,
gilt:

Ein Gesetz - unterschiedliche
Formulierungen
Eine quantitative Gesetzesaussage kann in Form einer Gleichung, aber auch
in Worten, als Proportionalität oder in einem Diagramm dargestellt
werden. Die unterschiedlichen Formulierungsmöglichkeiten sind nachfolgend
am Beispiel des Weg-Zeit-Gesetzes der gleichförmigen
Bewegung dargestellt.
mit Worten:
Für eine gleichförmige Bewegung wächst der zurückgelegte
Weg in gleichem Maße wie die Zeit.
als Proportionalität:
s ~ t
als Gleichung:

als Diagramm:
Dynamische und statistische Gesetze
In der Physik kann man zwischen dynamischen und statistischen Gesetzen
unterscheiden.
Dynamische Gesetze geben an, wie sich ein Objekt unter gegebenen Bedingungen notwendig verhält. Ein Beispiel für ein dynamisches Gesetz ist das newtonsche Grundgesetz:

Kennt man die Kraft und die Masse eines Körpers, so
kann man eindeutig sagen, welche Beschleunigung ihm erteilt wird. Die
meisten in der Schule behandelten Gesetze sind solche dynamischen Gesetze.
Daneben gibt es auch Gesetze, die das Verhalten einer großen Anzahl
von Teilchen beschreiben. Ein Beispiel dafür ist das Zerfallsgesetz
des radioaktiven Zerfalls von Atomkernen. Dieses Zerfallsgesetz beschreibt
eindeutig, wie sich die Gesamtheit der Teilchen verhält. So kann
man eindeutig voraussagen, dass nach einer Halbwertszeit genau die Hälfte
der Atomkerne eines radioaktiven Stoffs zerfallen sind. Keine Aussage
ist aber darüber möglich, ob das einen bestimmten Atomkern betrifft
oder nicht. Das Gesetz trägt statistischen Charakter. Man bezeichnet
deshalb solche Gesetze, die Aussagen über eine große Teilchenzahl
machen, als statistische
Gesetze.
Erfahrungssätze und Erhaltungssätze
Manche physikalischen Gesetze haben sich im Laufe der Entwicklung aus
den Erfahrungen der Menschen über Zusammenhänge zwischen physikalischen
Größen in der Natur ergeben. Es sind Gesetze, die nicht aus
anderen Gesetzen hergeleitet und nur aus der Erfahrung heraus bestätigt
werden.
Beispiele für solche Erfahrungssätze
sind das Wechselwirkungsgesetz, das Trägheitsgesetz oder die Hauptsätze
der Wärmelehre.
Manche physikalische Größen haben in einem abgeschlossenen
System einen bestimmten, konstanten Wert. Es sind Erhaltungsgrößen.
Die Konstanz einer physikalischen Größe in einem abgeschlossenen
System wird auch in Form von Gesetzen formuliert, die man als Erhaltungssätze
oder als Gesetze von der Erhaltung ...
bezeichnet.
Beispiele dafür sind der Energieerhaltungssatz, das Gesetz von der
Erhaltung der Ladung oder das Gesetz von der Erhaltung der Masse.
Gesetze und ihre Bedeutung
Physikalische Gesetze existieren unabhängig vom Willen und von den
Wünschen der Menschen. Wir können Gesetze zwar erkennen, können
sie aber nicht verändern und schon gar nicht "überlisten".
Sie wirken unter den gegebenen Bedingungen, ob wir es wollen oder nicht.
Der Mensch kann aber Gesetze zu seinem Vorteil nutzen. So kann man das
Hebelgesetz z. B. nutzen, um mit einem Flaschenöffner eine Flasche
zu öffnen oder um mit einem Schraubenschlüssel eine Mutter anzuziehen.
Dazu muss man das Gesetz noch nicht einmal kennen.
Physikalische Gesetze kann man auch nutzen, um technische Geräte
zu bauen. So wird z. B. das Induktionsgesetz in Generatoren genutzt, um
elektrische Energie zu gewinnen. Es wird auch genutzt, um Induktionsherde
für den Haushalt herzustellen, bei denen sich die Stellfläche
kaum noch erwärmt.
Menschen können allerdings auch zu Schaden kommen, wenn sie das Wirken
physikalischer Gesetze nicht beachten. Bei Unfällen mit Fahrzeugen
kann das Wirken des Trägheitsgesetzes zu schwersten Schäden
führen, wenn sich die Insassen nicht mit Sicherheitsgurten anschnallen
oder wenn schwere Gegenstände auf der hinteren Ablage liegen. Erhebliche
Probleme kann es auch geben, wenn Fahrzeugführer nicht beachten,
dass bei nassen Straßen die Reibungskräfte viel geringer sind
als bei trockenen Straßen.
Zum Teil treten auch Schäden für den Menschen und seine Umwelt
deshalb auf, weil Gesetze oder ihre Gültigkeitsbedingungen noch nicht
genau bekannt sind. Deshalb ist es ein wesentliches Ziel der Physik, Gesetze
und Zusammenhänge immer genauer zu erkennen und zum Wohl des Menschen
und seiner Umwelt zu nutzen.
Mithilfe von Gesetzen ist es möglich, Erscheinungen in Natur und
Technik zu erklären und Voraussagen zu treffen, z.B. dazu, welche
Beschleunigung ein Auto erreicht, wenn eine bestimmte Antriebskraft wirkt.